Reisemobil und Caravan-BaureihenKnaus Tabbert meldet sich mit Neuheiten zurück

Knaus Tabbert schaut nach dem Korruptionsskandal 2024 wieder nach vorn. Das Unternehmen richtet sich modellpolitisch anders aus - mit neuen Wohnmobilen und neuen Caravans.
Nachdem im vergangenen Jahr die Präsentation des aktuellen Modelljahrgangs mehr vom Rotstift und einem umfangreichen Zusammenstreichen der kompletten Produktpalette geprägt war, versucht die Knaus-Tabbert-Gruppe bei der Vorstellung der Neuheiten zum Düsseldorfer Caravan-Salon (28. August bis 6. September) Aufbruchstimmung zu vermitteln.
Personell zeigt sich das in der zur Hauptversammlung im Juli geplanten Ablösung des Vorstandsvorsitzenden Wim de Pundert. De Pundert hatte nach dem Korruptionsskandal im November 2024 übergangsweise den Vorstandsvorsitz übernommen; die Ermittlungen sind bis heute nicht abgeschlossen. Nachfolger wird Thomas Nickel, der die Neuausrichtung fortführen soll. De Pundert, der auch Mehrheitsaktionär ist, wechselt zurück in den Aufsichtsrat.
Ganze Reihe von Debütanten - Schwerpunkt Caravans
Modellpolitisch beginnt die Neuausrichtung mit einer ganzen Reihe von Debütanten - erstaunlicherweise mit einem Schwerpunkt bei den Caravans.
So orientiert sich Knaus mit dem Teilintegrierten Sky TI und vor allem mit der neuen Wohnwagen-Baureihe Nordwind stärker Richtung Premiumklasse. Weinsberg festigt mit der kompletten Überarbeitung des erfolgreichen Teilintegrierten CaraCompact Pepper seinen Ruf als Marke für eine preisbewusste Kundschaft, hat mit dem CaraLife-Caravan aber auch die Elektromobilität und ein jüngeres Publikum im Blick. Und die traditionsreiche Wohnwagenmarke Tabbert arbeitet mit dem Comeback des beliebten Vivaldi-Caravans alte Stärken klarer heraus.
Aufstieg in Premiumklasse
Doch der Reihe nach. Durch den Wechsel des Basisfahrzeugs vom Fiat Ducato hin zum VW Crafter steigt der Knaus Sky TI in die Premiumklasse auf. Das Unternehmen aus dem Bayerischen Wald gehörte zu den ersten Caravaning-Marken, die den großen VW-Transporter und sein Pendant MAN TGE dem Mercedes Sprinter vorzogen. Auch bei dem neuen Teilintegrierten setzen sie auf die moderne Technik des Crafters mit dem 140 PS starken TDI-Motor in der Basis, auf die serienmäßige 8-Gang-Automatik, das Pkw-nahe Cockpit und die Assistenzsysteme des VW-Chassis mit einem speziellen Flachrahmen, einem auf vier Meter verlängerten Radstand und einer gemeinsam entwickelten, breiteren Spur an der Hinterachse.
Das alles sorgt für mehr Fahrstabilität und -komfort und beeinflusst zudem die Wohnqualität positiv. So ist wegen des Flachrahmens der Innenraumboden durchgängig stufenlos, beträgt die Stehhöhe an der Face-to-Face-Sitzgruppe zwei Meter und ist die Ladekante an der großen Heckgarage, über die oft schwere E-Bikes gehievt werden müssen, besonders niedrig.
Weitere Highlights sind das Panoramadach aus Echtglas über der Fahrerkabine, ein Raumbad mit vielen Verstaumöglichkeiten, Dieselheizung und 157-Liter-Kompressor-Kühlschrank, Alu-Rahmenfenster sowie eine serienmäßige 100-Ah-Lithium-Eisenphosphat-Aufbaubatterie für längeres autarkes Stehen.
Der Sky TI wird in drei Versionen angeboten. Als knapp unter sieben Meter langer 650 MEG mit Halbdinette und Variobad samt Schwenkwand, aber ebenso mit Einzelbetten wie der längere 700 MEG. Außerdem als 700 DX mit Queensbett im Heck. Preise stehen noch nicht fest. Zumindest in der Grundversion soll der Teilintegrierte aber unter der 100.000-Euro-Marke liegen.
"Golf unter den Wohnmobilen"
Als der "Golf unter den Wohnmobilen" wird der Weinsberg CaraCompact bezeichnet - und tatsächlich gilt der Bestseller als meistverkaufter Teilintegrierter in Europa. Das Erfolgsrezept: umfangreiche Ausstattung zu günstigem Preis. Bis zu 10.000 Euro soll der Preisvorteil für potenzielle Kunden sein, die sich über ein neues Komfort-Schwenkbad, Ambientebeleuchtung, bessere Raumnutzung und ein neues Sitzkonzept freuen können. Die Sitzflächen der Zweierbank lassen sich jetzt einige Zentimeter ausziehen - Weinsberg nennt das "Lümmelfunktion".
Die wichtigste Neuerung bei der Fiat-Ducato-Baureihe ist die Einstiegsversion CaraCompact 580 MEG, die den Basispreis auf 66.900 Euro drückt und auf nur 6,30 Meter Länge Einzelbetten bietet. Sie ergänzt die bereits verfügbaren Modelle 600 MF (ab 67.990 Euro) und 600 MEG (ab 68.990 Euro).
Gleich mehrere Neuheiten in Caravan-Sparte
Während sich ein Traditionshersteller wie Bürstner zum Modelljahr 2027 ganz aus der Wohnwagen-Produktion verabschiedet hat, bekennt sich die Knaus-Tabbert-Gruppe mit gleich mehreren Neuheiten zur Caravan-Sparte. Mit dem Knaus Nordwind streben die Jandelsbrunner auch bei den Wohnwagen den Weg in die Oberklasse an.
Als Gegenstück zum Klassiker Südwind ist der Nordwind auf Ganzjahrestauglichkeit ausgelegt und hat eine Alde-Warmwasser-Bodenheizung an Bord. Dazu machen Alu-Rahmenfenster mit Plissee-Verdunklung, ein zentrales Service-Modul, Kompressor-Kühlschrank, Hybrid-Kocher mit Gas und Induktion sowie ein Komfort-Schlafsystem mit Federteller-Lattenrost den Premiumanspruch deutlich.
Das bisher einzige Modell 660 PXB bietet von vorn: Küche im Bug, Rundsitzgruppe und Coach, quer eingebautes Queensbett und wagenbreites Heckbad. Ab 47.000 Euro. Zum Caravan-Salon sollen auch noch die Varianten 600 UE mit Einzelbetten (ab 47.000 Euro) und 660 UDF mit Längsdoppelbett (ab 52.500 Euro) fertig sein.
Vivaldi in vier Varianten
Bei Tabbert kehrt die 2022 eingestellte Vivaldi-Baureihe in vier Varianten zurück, von 35.990 bis 45.690 Euro. Die beiden größten Versionen sind mit 2,50 Metern Breite 20 Zentimeter breiter als die kleineren Modelle. Highlight ist die variable Küche: Zunächst bis auf das Spülbecken unsichtbar, lässt sich nach dem Verschieben der großen Arbeitsplatte der versenkte "Gas-on-Glas"-Kocher mit einem weiteren Handgriff an die Oberfläche holen. Zwei Gasflammen und ein Induktionsfeld stehen dann zur Verfügung.
Ganz auf Gas verzichtet dagegen der Weinsberg CaraLife. Seine vollelektrische Serienausstattung mit Induktionskochfeld, Kompressor-Kühlschrank und Klimaanlage ist ganz auf Elektromobilität ausgelegt. Im Prinzip handelt es sich um einen aus namensrechtlichen Gründen umbenannten CaraCito - gleichwohl spricht er zu günstigen Preisen ab rund 15.000 Euro eine jüngere Klientel an.