Auto

Van TI Plus Knaus bringt Wohnmobil auf MAN-Basis

Knaus_VanTIPlus_650_MEG4.JPG

Dieses Gelände wird im Normalbetrieb des Van TI Plus wohl eher selten durchlaufen, aber mit Allrad könnte man es.

(Foto: Knaus)

Wer an MAN denkt, denkt zuerst an die dicken Brummis. Mit dem Transporter TGE erschließt sich der Lkw-Hersteller jetzt neues Terrain. Zudem entstand daraus gemeinsam mit Knaus das erste MAN-Reisemobil in der 3,5-Tonnen-Klasse.

Der verschärfte Wettbewerb bei den Basis-Fahrzeugen hat in den vergangenen zwei Jahren den Reisemobil-Markt spürbar belebt. Kein Wunder, der Zulassungsboom hält mittlerweile seit gut einem Jahrzehnt an, und die Zukunftsprognosen rechnen auch in den nächsten fünf Jahren mit einem anhaltenden Wachstum. Das lockt auch Newcomer an - wie etwa die Lkw-Marke MAN, die bei den großen Motorhomes schon mit der Branche Kontakt hatte, nun aber mit dem Transporter TGE ein Basis-Fahrzeug auch für die populäre 3,5-Tonnen-Klasse ins Angebot nimmt.

Knaus_VanTIPlus_650_MEG2.JPG

Das teilintegrierte Modell von Knaus Van TI Plus kostet knapp 66.900 Euro.

(Foto: Knaus)

Die Knaus-Tabbert-Gruppe hat als erster Wohnmobil-Hersteller zugeschlagen: Das teilintegrierte Modell Van TI Plus, das in der Einzelbett-Variante 650 MEG zur Testfahrt bereit stand, ist zu einem Grundpreis von knapp 66.900 Euro zwar beileibe kein Schnäppchen, wer Wert auf einen guten, fast schon Pkw ähnlichen Fahrkomfort legt, wird die Investition aber sicher nicht bereuen.

Der MAN-Schriftzug im Kühlergrill und der darüber platzierte Löwe als Markenemblem mögen für eine eindeutige Zuordnung sorgen, aber natürlich weiß der Transporter-Kundige, dass der TGE technisch mit dem VW Crafter absolut identisch ist. Für den TI Plus 650 MEG heißt das: Frontantrieb, manuelles Sechsganggetriebe und ein 2,0-Liter-TDI-Motor mit 140 PS Leistung und 340 Newtonmeter Drehmoment. Alternativ gäbe es den teilintegrierten Knaus auch in der stärkeren 177 PS-Ausbaustufe, mit Achtgang-Automatik und Hinterrad- oder Allradantrieb, wobei der Aufschlag auf die 4x4-Variante mit 4320 Euro tatsächlich recht günstig ist.

Alles sehr vertraut

ktg-knaus-2018-2019-vanti-plus-cards-fahrerhaus.jpg

Auf dem Arbeitsplatz am Volant wirkt im Van TI Plus alles sehr vertraut.

(Foto: Knaus)

Auf dem Arbeitsplatz am Volant wirkt alles sehr vertraut: Ein Cockpit mit einem für Transporter-Verhältnisse erfreulich kleinen, nicht überladenen Multifunktions-Lenkrad, das längs- und höhenverstellbar ist, zwei große Rundinstrumente mit VW-typischem Display dazwischen für Bordcomputer und ähnliche Anzeigen, Getränkehalter und jede Menge Ablagen sowie ein leicht bedienbares 8-Zoll-Infotainment-Display, wie es in Wohnmobilen noch immer keine Selbstverständlichkeit ist.

Im Fahrbetrieb beweist der TGE, dass man auch in einem rollenden Eigenheim angenehm leise unterwegs sein kann. Selbst der kernige Motorsound bei höheren Drehzahlen ist unaufdringlich. Die 140 Pferde halten den Van TI gut in Schwung. Allerdings machen sich an Steigungen schnell die 3,5 Tonnen Lebendgewicht bemerkbar und dem Motor geht zumindest im sechsten Gang schnell die Puste aus. Das lässt sich dann auch nur mit fleißiger Schaltarbeit beheben.

ktg-knaus-2018-2019-vanti-plus-cards-kueche.jpg

Auf den Drehsitzen in der ersten Reihe sitzt man wesentlich tiefer als in der Vierergruppe.

(Foto: Knaus)

Wer flott ans Reiseziel gelangen will, bekommt allerdings die Quittung an der Zapfsäule: 13,2 Liter Diesel über 100 Kilometer sind bei schneller Autobahnfahrt die Norm. Wer regelkonform über die Landstraße schaukelt, der bringt es auf 9,5 Liter. Das Regulativ ist also auch hier der rechte Fuß. Ein echter Pluspunkte sind die feinfühlige, elektromechanische Servolenkung und der hohe Fahrkomfort auch auf schlechter Wegstrecke, unter anderem ein Verdienst der serienmäßigen 2-Kanal-Luftfederung an der Hinterachse. Der 6,99 Meter lange und mit 2,20 Meter Breite recht schmal bauende Van TI Plus lässt sich daher tatsächlich fast so handlich wie ein Pkw pilotieren und rangieren – was mit einer Rückfahrkamera gewiss noch einfacher gewesen wäre.

Einige Minuspunkte gibt es doch

Minuspunkte sammelt der TGE, wenn das Fahrerhaus sich zum Wohnraum verwandelt und in den Knaus-Aufbau integriert wird. In den ansonsten bequemen Drehsesseln, die sich zusammen mit Halbdinette und Tisch zu einer Vierer-Sitzgruppe vereinen, sitzt man nämlich eine ganze Stufe tiefer als auf der Zweierbank, muss also jedes Mal das Gestühl mühsam hoch- und nach Gebrauch wieder runterdrehen. Dass trotzdem für diese um 180 Grad drehbaren Fahrersitze fast 1000 Euro extra bezahlt werden müssen. Auch, dass die Verdunklungsvorhänge aus Stoff für die Front- und Seitenscheiben nicht ganz lichtdicht abschließen muss bemängelt werden.

ktg-knaus-2018-2019-vanti-plus-cards-durchschuss.jpg

Der Innenraum des Van TI Plus ist recht wohnlich eingerichtet.

(Foto: Knaus)

Insgesamt wirkt der Van-TI-Wohnraum aber durchdacht, gut aufgeteilt, sauber verarbeitet und mit einem Leuchtenkonzept vom Ambientelicht bis zur hellen Leselampe sehr wohnlich. Gegenüber der Sitzgruppe befindet sich direkt neben der 60 Zentimeter breiten Aufbautür der Küchenblock mit Zwei-Flammenkocher, Spüle und zwei riesigen, über die gesamte Länge reichenden Schubladen. Für zwei Personen ist reichlich Platz, um alle Küchenutensilien unterzubringen – auch wenn große Flaschen nicht aufrecht stehen können. Die Arbeitsfläche lässt sich durch ein ausklappbares Brett noch vergrößern. Der Kühlschrank fasst 142 Liter und hat zudem ein 15-Liter-Tiefkühlfach.

Zu den beiden zwei Meter langen Einzelbetten im Heck führen zwei breite Stufen hinauf. Allerdings lassen sich die beiden Kojen nicht zu einer geschlossenen Liegefläche vereinen. Dort gibt es zwei offene und drei geschlossene Staufächer sowie zwei Kleiderschränke unter den Fußteilen der Betten, die natürlich immer etwas schwerer zugänglich sind als Hängeschränke auf Stehhöhe. An Stauraum und Ablagen mangelt es aber auch über der Sitzgruppe und in Fächern oberhalb des Fahrerhauses nicht. 220-Volt-Steckdosen, sechs an der Zahl, sind gleichfalls üppig verteilt. Ein weiterer USB-Anschluss im Schlafbereich, ergänzend zu dem einzigen Port über der Zweierbank hätte allerdings nicht geschadet.

Praktische Detaillösungen

ktg-knaus-2018-2019-vanti-plus-cards-bett.jpg

Die zwei Einzelbetten lassen sich nicht zu einem großen Doppelbett vereinen.

(Foto: Knaus)

Im besser gegen Hagel geschützten GfK-Dach sorgen vorn wie hinten große Panoramafenster für einen hellen Innenraum, was allerdings ebenso extra bezahlt werden will wie seitliche Rahmenfenster anstelle der serienmäßigen vorgehängten Ausstellfenster. Schwenk-Waschbecken, Dusche und Banktoilette erweisen sich als pfiffige Lösung für eine ausreichend große Kombi-Nasszelle. Die Alu-Lamellen-Schiebetür ist jedoch eine fragile Angelegenheit. Mehrere Kleiderhaken an der Aufbautür und im Wohnraum sowie ein ausklappbare Querstange im Bad für nasse Klamotten oder Handtücher bescheinigen den Knaus-Konstrukteuren ein Händchen für praktische Detaillösungen. Großzügig dimensioniert präsentiert sich die beleuchtete Heckgarage mit 250 Kilogramm Traglast und zwei Befestigungsschienen samt Verzurrösen. Ein ganz dickes Lob verdient sich die zentrale Versorgungsklappe auf der linken Seite hinter der Fahrertür. Dort sind sämtliche Ablasshähne für Boiler, Frisch- und Abwassertanks leicht und sauber zugänglich untergebracht. Ebenso der Einfüllstutzen für die maximal 100 Liter Frischwasser. Der Grauwasserbehälter fasst 73 Liter.

Fazit: Der Knaus Van TI Plus 650 MEG ist 5000 Euro teurer als das gleiche Modell auf Fiat-Ducato-Basis, bietet dafür neben einem stärkeren Motor aber hohen Fahrkomfort, Pkw-Feeling und elektronische Helferlein, von denen der Berganfahr- und Notbremsassistent sowie die Multikollisionsbremse sogar serienmäßig an Bord sind. Allerdings lässt sich der Basispreis von knapp 67.000 Euro mit vielen Häkchen in der langen Aufpreisliste mühelos noch um einen fünfstelligen Betrag in die Höhe treiben.

Quelle: n-tv.de, Michael Lennartz, sp-x

Mehr zum Thema