Zwei Scooter, zwei CharaktereKymco Downtown GT 350i TCS und Kymco Xciting VS 400i ABS im Vergleich

Der taiwanesische Hersteller Kymco schickt 2026 seine Mittelklasse-Scooter Downtown GT 350i TCS und Xciting VS 400i ABS gemeinsam in den Kampf um Marktanteile. Wir haben erfahren, welche Gemeinsamkeiten sie haben und wodurch sie sich unterscheiden.
Klarer Fall: Der auffälligste Unterschied zwischen Xciting und Downtown ist der Hubraum. 50 Kubikzentimeter trennen die beiden, daraus resultiert eine nicht wirklich gravierende, aber doch spürbare Leistungsdifferenz: Der Kleinere schafft es aus 321 Kubikzentimeter auf 21 kW/28,6 PS und liefert ein maximales Drehmoment von 30 Nm. Der Größere schöpft - ebenfalls mit einem Einzylinder - die vollen 400 Kubikzentimeter aus der Modellbezeichnung aus, leistet 24,5 kW/33,3 PS, dazu liefert er bis zu 37,5 Nm. Und zwar wie der kleine Cousin per stufenloser Variomatik und Riemenantrieb ans Hinterrad.
Trockene Zahlen, die in der Praxis einen kleinen, feinen Unterschied machen. So wirkt der Xciting trotz seines Mehrgewichts von 28 Kilogramm (213 zu 185 Kilogramm) erkennbar spritziger, etwa beim Ampelstart oder bei Überholmanövern. Aber auch der Downtown schlägt sich wacker, liefert ebenso ein ordentliches Maß an Dynamik ab.
Mit beiden Rollern recht zügig unterwegs
Bei der Spitze ist der Stärkere dem Downtown 10 km/h voraus - Kymco gibt 140 und 130 km/h an. Wenn man den Digitaltachos trauen kann, geht aber auch noch mehr. Beim Xciting kamen wir auf Anzeigen bis 160 km/h, beim Downtown auf knapp über 150 km/h. Anders ausgedrückt: Man kann mit beiden Rollern recht zügig unterwegs sein.
Und recht komfortabel. Die Sitzbänke sind ergonomisch geformt, die fünffach manuell ohne Werkzeug verstellbare Plexiglasscheibe des Xciting hält den Wind besser von Fahrerhelm- und Oberkörper ab als das knapper geschnittene Pendant des Downtown. Vorteil 350er: Unter seiner Sitzbank gibt es deutlich mehr Platz für Helme und Gepäck.
Beim Verbrauch halten sich die in fesches Plastik gekleideten und aerodynamisch günstig geformten Taiwaners bei artgerechter Nutzung erfreulich zurück. Der 350er schaffte im Test den Normwert von 3,5 Litern je 100 Kilometer problemlos, der 400er kam auf 3,9 Liter (Herstellerangabe: 4,1 bis 4,2 Liter/100 Kilometer). Angesichts der akzeptablen Werte und der jeweils 12,5 Liter großen Tanks sind also Reichweiten möglich, die zu Rollern dieses Formats passen. Und die man wegen des gebotenen Komforts gerne auch mal auf längeren Trips in Anspruch nimmt.
Die Bedienung erschließt sich allen Zweiradfahrern mit einigermaßen aktueller Scooter-Erfahrung ansatzlos. Besonders angenehm: die beiden großen, gut ablesbaren und alle relevanten Informationen liefernden Displays und der schlüssellose Zugang.
Beim Fahrwerk inklusive serienmäßiger Traktionskontrolle erkennt man in Aktion keine gravierenden Unterschiede. Die hydraulische Telegabel vorn und die hintere Triebsatzschwinge mit zwei Federbeinen der 400er scheinen ein bisschen knackiger, der 350er ein bisschen komfortabler abgestimmt zu sein. Drei statt nur zwei Bremsscheiben hat der stärkere Roller wohl auch wegen seines um 18 Kilo höheren zulässigen Gesamtgewichts (360 zu 378 Kilogramm) zu bieten.
Das Nichtvorhandensein der zweiten Scheibe vorn macht den 350er aber nicht weniger sicher, auch er verzögert wie sein Pendant ABS-gesteuert sehr zuverlässig. Auch bei der Sitzhöhe von 80 (Downtown) und 81,5 Zentimetern nehmen sich die beiden Kandidaten wenig. Auf beiden ist es nützlich, eher etwas längere Beine zu haben. Nur dann kann man sich beim Ampelhalt oder beim Rangieren ordentlich abstützen.
Welchen also nehmen, wenn der Preisunterschied (Downtown 5.800 Euro, Xciting 6.900 Euro) keine entscheidende Rolle spielt? In diesem Fall kommt es auf den Einsatzzweck und die persönlichen Vorlieben an. Der 350er bietet den deutlich größeren Stauraum und ist ein bisschen gemütlicher zum Sitzen. Der 400er liefert mehr Leistung und damit Fahrspaß, sein verstellbares Windschild bietet den deutlich besseren Wind- und Wetterschutz.