Ein schlüssiges GesamtpaketMitsubishi Grandis 1.8 Hybrid - Renault-Kopie mit Qualitäten

An technischer Eigenständigkeit mangelt es dem Mitsubishi Grandis schon, aber an Effizienz und Alltagstauglichkeit nicht. Der Hybrid arbeitet sparsam, zudem punktet er mit einem variablen Innenraum und auch die Ausstattung überzeugt.
Mit dem Grandis hat Mitsubishi einen traditionsreichen Modellnamen zurückgeholt. Statt eines Vans trägt ihn heute allerdings ein Kompakt-SUV mit Renault-Technik, der einen sparsamen Hybridantrieb mit ordentlichem Platzangebot und viel Ausstattung kombiniert.
Mit seinem namensgebenden Vorgänger verbindet das aktuelle Modell vor allem der Anspruch auf Familientauglichkeit. Ansonsten bleiben die Gemeinsamkeiten überschaubar: Das aktuelle Modell stammt nicht aus japanischer Entwicklung, sondern ist ein eineiiger Zwilling des Renault Symbioz, der bei den Franzosen seit 2024 die konventionell angetriebene Alternative zum Elektro-Crossover Scénic bildet. Immerhin haben die Mitsubishi-Designer durch geschickte Detail-Eingriffe an der Fahrzeugfront die äußerliche Ähnlichkeit so gut es ging kaschiert. Die wesentlichen Unterschiede bleiben aber die neuen Logos am Kühlergrill und auf dem Lenkradtopf.
Innenraum wie im Renault
Auch den Innenraum übernimmt der Grandis nahezu eins zu eins von Renault-Modell. Und holt sich damit auch dessen praktische Qualitäten an Bord. Eine verschiebbare Rückbank erlaubt es, den Innenraum je nach Bedarf zwischen Fondkomfort und Ladevolumen aufzuteilen. So fasst der Kofferraum je nach Stellung 492 bis 624 Liter, bei umgeklappten Lehnen lassen sich fast 1.600 Liter unterbringen. Damit eignet sich der Grandis gut als Familienauto für den Alltag, auch wenn er mit dem einstigen Van gleichen Namens in Sachen Raumökonomie naturgemäß nicht konkurrieren kann.
Im Cockpit zeigt sich der Mitsubishi modern, sachlich und alltagstauglich. Zentraler Blickfang ist der hochformatige Touchscreen, auf dem Googles Android-Automotive-Software läuft. Die lässt sich vorbildlich einfach bedienen, arbeitet schnell und bietet nicht zuletzt die vom Handy gewohnte Maps-Navigation. Wer sich mit seinem Account anmeldet, kann die Ziele zwischen Telefon und Auto problemlos austauschen.
Dazu kommen je nach Ausstattung Annehmlichkeiten wie eine induktive Smartphone-Ladeschale, ein Panorama-Glasdach, ein Harman-Kardon-Soundsystem oder eine elektrische Heckklappe. Insgesamt gibt es hier gehobenen Klassenstandard plus solide Verarbeitung und ordentliche Materialien. Da lässt es sich verschmerzen, dass zwischen der ganzen Renault-Technik ein eigener Charakter verloren geht.
Überraschend oft im Elektromodus
Im Alltag fällt das aber sowieso weniger ins Gewicht als die Frage, wie stimmig das Gesamtpaket in Kombination mit dem Antrieb ausfällt. Anders als Renault bietet Mitsubishi nur zwei Varianten an: einen eher preispsychologisch interessanten 140-PS-Benziner und einen Vollhybrid mit 116 kW/158 PS. Er kombiniert einen 1,8-Liter-Benziner mit zwei E-Motoren und einem kupplungsloses Multi-Mode-Getriebe zu einem cleveren Spritsparantrieb. Das System wechselt meist harmonisch zwischen elektrischem Fahren, Hybridbetrieb und Verbrenner-Unterstützung und lässt sich im Mixverkehr beim Verbrauch relativ leicht im Fünf-Liter-Bereich halten. Mit festem Sparwillen lässt sich auch eine Vier vor dem Komma erreichen.
Im Stadtverkehr fährt der Grandis leise und gelassen los, bewegt sich überraschend häufig im Elektromodus. Aber auch über Land wirkt der Antrieb kultiviert und ausreichend kräftig. Erst wenn mehr Leistung abgefordert wird, meldet sich der Benziner deutlicher zu Wort. Dann entsteht die typische Klangkulisse eines Vollhybriden, allerdings ohne das nervige Aufheulen, das man von älteren CVT-Konstruktionen kennt. Insgesamt passt der Antrieb gut zum Charakter des Familienautos: Der Grandis will nicht sportlich sein, sondern entspannt, sparsam und unkompliziert. Allradantrieb sparen sich die Japaner aus diesem Grunde ebenfalls - 4x4-Technik gab es allerdings auch beim Vorgänger nicht.
Bleibt der Preis. Der Einstieg liegt bei 29.000 Euro für den Benziner mit Handschaltung in der Ausstattung "Diamant", ist aber eher die Wahl für Wenigfahrer. Der empfehlenswerte 1,8-Liter-Vollhybrid kostet 5.000 Euro mehr, hat dann aber auch automatisch mehr Ausstattung zu bieten ("Diamant Plus"). Inklusive sind dann bereits Design-Upgrades wie Leichtmetallfelgen (18 Zoll), Unterfahrschutz und lackierte Seitenleisten. Hinzu kommen Komfort- und Technik-Extras wie eine Klimaautomatik, Sitzheizung und der Regensensor für die Scheibenwischer. Wer die Quasi-Vollausstattung wählt ("Diamant Top"), zahlt 41.000 Euro. Das ist kein Schnäppchen, dafür bleiben dann bis auf Matrix-LED-Licht kaum Ausstattungswünsche offen.
Der Grandis liefert ein schlüssiges Gesamtpaket aus effizientem Antrieb, guter Variabilität und ordentlicher Ausstattung. Wer sich nicht an der geringen technischen Eigenständigkeit stört, bekommt ein angenehmes, vernünftiges und im Alltag überzeugendes Kompakt-SUV.
Mitsubishi Grandis 1.8 Hybrid - technische Daten
Fünftüriges, fünfsitziges Kompakt-SUV
Länge: 4,41 Meter, Breite: 1,80 Meter, mit Außenspiegeln: 2,00 Meter, Höhe: 1,58 Meter, Radstand: 2,64 Meter, Kofferraumvolumen: 492 bis 1.582 Liter
1,8-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 80 kW/109 PS und 170 Nm, Elektromotor mit 36 kW/49 PS und 205 Nm, weiterer Elektromotor/Startergenerator, Systemleistung: 116 kW/158 PS, Frontantrieb, Multi-Mode-Automatikgetriebe, 0-100 km/h: 9,1 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h, Normverbrauch: 4,4 l/100 km, CO2-Ausstoß: 101 g/km
Preis: ab 33.990 Euro