Auto

Rallye-Auto alltagstauglich?Toyota GR Yaris 4x4 ist der erschwinglichste Performer der Welt

07.07.2026, 08:25 Uhr Patrick-portraetfotoVon Patrick Broich
00:00 / 07:19
Toyota Gruppe
Gemacht für den Track: Der Toyota GR Yaris ist ein halbwegs erschwingliches Werkzeug für die Rennstrecke. (Foto: Toyota)

Der Toyota GR Yaris ist zwar ein Kleinwagen, aber besitzt echte Rallye-Gene. Er steht in vielen hochkarätigen Sammlergaragen. Aber würde der Hot Hatch auch im Alltag funktionieren? Oder gar auf der Langstrecke? ntv.de war mit ihm in UK unterwegs.

Wer hat Angst vor Rallye-Biestern im Straßengewand? So eines ist der Toyota GR Yaris nämlich, und zwar mit dem Segen des Meisters Akio Toyoda, der selbst mit einem Yaris-Racer 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring bestreitet. So was triggert Enthusiasten natürlich, und irgendwann entstehen Legenden. Und der GR Yaris ist längst zur Legende geworden.

Unter dem Blechkleid, das tatsächlich aussieht wie bei einem Yaris von der Stange, steckt ambitionierte Technik. So handelt es sich um einen veritablen Racer mit permanentem Allradantrieb plus Torsendifferenzial sowie Doppelquerlenker an der Hinterachse. Und der Treibsatz besteht aus drei Zylindern mit 1,6 Litern Downsizing-Hubraum sowie Turboaufladung.

Wie fühlt sich das denn bitte an? Das wird noch Thema sein, aber wichtig ist auch das Umfeld, in dem der wilde Kleinwagen von gerade mal 3,995 Metern Länge hier und heute zum Einsatz kommt. Der Verzicht auf das Runden der Abmessung sei hier bewusst vollzogen - der Japaner misst unter 4 Meter und hat auf den ersten Blick eher Stadt- als Track-Format. Allerdings soll er in diesem Kontext ausnahmsweise mal seine Alltagskompetenz unter Beweis stellen, und wie wäre es mit einem kleinen Ausflug ins Vereinigte Königreich?

Toyota_GR_Yaris_HI
Typische Straßenszene in London. Ein Rolls-Royce Wraith ist hier keine Besonderheit. Aber der dreizylindrige Toyota GR Yaris erzeugt nicht weniger Freude als der dicke V12-Brummer. (Foto: Patrick Broich)

Warum gerade die Insel? Die Briten lieben schließlich Hot Hatches, also kleine Knallbüchsen mit viel Schmalz. Überhaupt hat die britische Autoszene locker so viele Fans wie die hiesige, also auf in den Kampf! Reinplumpsen lassen in die ausgeprägten Sportsitze und schauen, wie es sich so sitzt im kleinen Performance-Floh. Und der wiederum sitzt wie ein maßgeschneiderter Rennanzug; ntv.de tauscht bei dieser Tour Kehre gegen Autobahn, deutsche Autobahn sogar, bevor es durch die Niederlande und Belgien ins französische Calais zur Fähre geht. Und bevor die rigiden Verkehrsregeln der Nachbarländer den weißen Athleten einbremsen, darf er seinen Auslauf auf der A44 genießen.

Erstens, ja, er drückt dich mit Schmackes in den Sportstuhl und jagt das dreistellige Ziffernensemble auf dem digitalen Tacho gen 230. Zweitens, und das ist eigentlich die wichtigere Information: Der GR Yaris tritt dir zwar ins Kreuz, aber auf die gute Art durch Längsbeschleunigung (5,5 Sekunden auf 100 km/h) und nicht vertikal durch Fugen auf der Straße. Um jetzt keine Missverständnisse entstehen zu lassen: Dieser Racer ist schon ein harter Hund, überhaupt keine Frage. Aber er benimmt sich nicht unerträglich, wenngleich längere Autobahn-Touren keineswegs sein natürliches Habitat sind.

Toyota_Yaris_Ausstellung
Sogar auf der Classic Restoration Show sieht man den Yaris mit den breit ausgestellten Kotflügeln. Das Homologationsmodell ist Fanauto durch und durch. (Foto: Patrick Broich)

Mit dem GR Yaris auf die Classic Show, das hat Stil

Aber hey, die Route endet immerhin im quirligen und genauso überfüllten London, und hier in den engen Gassen ist der Toyota GR Yaris top. Erstens als Blickfänger, denn die Briten - selbst die wohlhabenden McLaren- und Rolls-Royce-Besitzer haben ein Faible für spezielle Fahrzeuge. Und zweitens ist er einfach kompakt und daher angenehm.

Aber vorher muss dieser Yaris noch einen Termin in Birmingham wahrnehmen. Und zwar Stippvisite bei der Classic Restoration Show, wenn man schon mal in der Nähe ist. Entweder hier jeden März oder stets im November auf der Classic Motor Show fahren die Briten ihr schrulligstes Blech auf, das man auf dem Kontinent kaum findet und das die ganze Exzentrik der Briten in automobiler Weise auf den Punkt bringt.

Bedford_Kadett
Im Königreich heißt alles anders - der Kadett D Caravan ist hier ein Bedford. (Foto: Patrick Broich)

Kennen Sie etwa Konsorten wie seltene Austin-Modelle, einen Bedford im Gewand eines Kadett D Caravan, einen Reliant Kitten oder einen Riley Pathfinder? An dieser Stelle sollen diese Exoten gar nicht im Detail erläutert werden, dafür gibt es inzwischen künstliche Intelligenz oder Suchmaschinen. Nur so viel: Der Kitten ist spannend, weil er als Nachfolger des dreirädrigen Robin (dieser erlangte Weltberühmtheit durch Mr. Bean) die erwachsenere, aber deutlich unbekanntere Alternative ist - genau der richtige Stoff für Fans abseitiger Autos also.

Und der Pathfinder? Das ist nicht etwa ein Nissan, sondern ein Gewächs einer längst versunkenen Marke, die später mal zum British-Leyland-Imperium gehörte. In den 1930er-Jahren gab es übrigens auch mal einen Riley Stelvio, dieser Modellname ist also keine Erfindung von Alfa Romeo. Der Pathfinder ist eine große, elegante Limousine aus den frühen 1950er-Jahren, die einfach nur Fragezeichen in den Augen von Passanten erzeugte, würde man mit ihr in unseren Gefilden herumkurven.

Riley_Pathfinder
Der Riley Pathfinder ist in Deutschland eher eine Seltenheit. Wenn man ihn doch mal auf der Straße sieht, wäre das eine Sensation. (Foto: Patrick Broich)

In UK sieht man viele Exoten

Zu Beginn des Besuchs dieser heiligen Hallen habe ich gedanklich eine kleine Wette formuliert. Ob man wohl einen weiteren Toyota GR Yaris sehen würde? Wette gewonnen! In einer der vielen Hallen hat ihn jemand ausgestellt neben günstigen Offerten wie Austin Metro, Extrem-Exoten à la MG ZT-260 oder teurem Bentley-Kram. Nach den ganzen Eindrücken geht es über einen kleinen Umweg wieder zurück in heimische Breiten, wo der Japaner ein willkommener Gast auf den Landstraßen sowie Autobahnen ist.

Im Zuge der leichten Überarbeitung gibt es übrigens auch ein eigens für den Mini-Sportler entwickeltes, besonders kompaktes Automatikgetriebe mit acht Übersetzungsstufen. Die Wandlerausführung agiert geschmeidig und prompt und macht den Giftzwerg für den Alltag ein wenig komfortabler. Sogar auf den aktiven Tempomat verzichten die Produktspezialisten nicht. Bei der Bedienung seines Infotainments ist ein bisschen Übung erforderlich. Über leicht fummelige Lenkradtasten lassen sich Werte wie G-Kräfte oder Ladedruck abrufen.

Toyota_GR_Yaris_VO
Der kleine GR Yaris hat kein Problem mit dem Kilometerabspulen. Und obwohl sein Fahrwerk stramm ist, überleben die Rücken der Passagiere ein paar Hundert Kilometer ganz gut. (Foto: Patrick Broich)

Zum Schluss vielleicht noch mal ein paar Worte zur Alltagstauglichkeit. Das Datenblatt bleibt dem User das Kofferraumvolumen zumindest schon mal schuldig. Über 200 Liter sind es wohl aber nicht laut Sekundärquellen, mit dem ausgedehnten Familienurlaub könnte es demnach eng werden. Mit drei Personen einen Wochenendtrip bestreiten sollte hingegen möglich sein. Immerhin ist Toyota so ehrlich und bekundet Viersitzigkeit für diesen Yaris - also eingequetscht in der Mitte wie auf einem Klappstuhl sitzen, das ist hier keine Option. Weißte Bescheid!

Wer den Yaris als Allrounder einsetzen möchte und ein paar praxisrelevante Abstriche in Kauf nimmt - machbar ist das definitiv. Und der Fahrspaß entschädigt schließlich dafür, gehört das für einen Allradler mit 1,3 Tonnen Leermasse eher fliegengewichtige Vehikelchen immerhin zu den ganz schnellen Kandidaten - sowohl längst als auch quer.

Toyota innen
Mit der Fahrmaschine Toyota GR Yaris bekommt man ein äußerst fahrerzentriertes Cockpit. Und keine Sorge: Die Versionen für den Kontinent tragen das Lenkrad links. (Foto: Toyota)

Lass über Preise sprechen. Ab 47.590 Euro listet Toyota seinen schnellsten Kleinwagen. Das ist nicht wenig Geld, aber für das Gebotene mehr als fair. Wo sonst bekommt man schon für einen bürgerlichen Betrag ein echtes 4x4-World-Rallye-Championchip-Homologationsfahrzeug? Dass man dann im Alltag Kompromisse eingehen muss, aber selbigen dennoch bestreiten kann, ist eigentlich eine sehr coole Sache.

Quelle: ntv.de

Japanische AutobauerToyota-ModelleKleinwagenFahrberichte