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Hoffnungsbringer aus WolfsburgVW ID.Polo feiert Weltpremiere - konservativ, klar, solide

29.04.2026, 12:14 Uhr Patrick-portraetfotoVon Patrick Broich, Hamburg
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Dank moderner Scheinwerfer-Grafik und beleuchtetem Markenlogo erhält der grundsätzlich konservativ gezeichnete Polo einen Schuss Futurismus. (Foto: Hersteller/Volkswagen)

Endlich kommt der lang ersehnte Kleinwagen aus dem Hause Volkswagen. Gestatten: Polo, ID.Polo, um genau zu sein. Kann das elektrisch angetriebene Stadtvehikel die E-Mobilität auf den Kopf stellen? ntv.de hat den Wolfsburger unter die Lupe genommen.

Dem heutigen Moment dieser Enthüllung dürften nicht wenige Menschen entgegengefiebert haben. Volkswagen-Mitarbeiter, Händler oder einfach nur Autofans, die neugierig darauf sind, was der Hersteller mit dem größten Marktanteil in Europa so an Neuigkeit präsentiert, von der er seit Monaten nicht müde wird zu erzählen: dem Stromer zum erschwinglichen Kurs. Aber eines nach dem anderen.

Der neue ID.Polo, von dem hier die Rede ist, gehört zur Konzernfamilie der „Electric Urban Cars“ - und die soll in Europa und auch in Deutschland die Elektromobilität auf ein anderes Level heben, wenn man so manchem Experten glauben möchte. Das Motto dabei heißt immer "erschwingliche Elektromobilität". Und jetzt also sollen Scharen von Menschen dieses Elektroauto kaufen?

Die Realität zeigt sich in der Tat etwas nüchterner. Erstens ist ein batterieelektrisches Fahrzeug für den Einstiegspreis von exakt 24.995 Euro nicht völlig neu - man denke an den E-Up, den es bereits günstiger gab. Zweitens ist der Wettbewerb inzwischen preiswert unterwegs - einen elektrischen Renault Twingo bekommt man bereits für unter 20.000 Euro. Und drittens ist das Kleinwagensegment zwar groß, aber auch nicht entscheidend relevanter hierzulande als Kompakt- und Mittelklasse, die ihrerseits gewaltige Volumenbringer sind. Insofern werden die neuen Electric Urbans zwar einen satten Beitrag zu mehr Elektroautos auf den Straßen leisten, aber nicht plötzlich von heute auf morgen einen epochalen Wandel herbeiführen.

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Im Innern des neuen Volkswagen ID.Polo geht es wertig zu. Der Retro-Tacho ist ein cooles Gimmick, und die Drucktasten auf dem Lenkrad sind eine Wohltat.

ID.Polo ist optisch Volkswagen pur

Dennoch - der ID.Polo dürfte von der autointeressierten Community mit großer Spannung erwartet werden. Und, voilà, da fährt an einem April-Tag um Punkt 12 Uhr ein neuer Volkswagen unter die Augen der Betrachter, der endlich wieder so Volkswagen ist, wie es für die Marke angemessen scheint. Keine Designexperimente wagen, muss sich das Team um Andreas Mindt gedacht haben, einfach Volkswagen. Klare Kante sozusagen, frei von unruhigen Spielereien, das ist das, was die Marketingabteilung wohl "True Volkswagen" nennt. Auch die klassische Tornadolinie, also die markante Blechfalte im Bereich der Gürtellinie, fehlt freilich nicht.

Aber man muss gar keine besonderen Worthülsen kreieren, um auszudrücken, was hier Sache ist: Wer sich einst mit Konsorten wie Polo 86 C oder Golf II (beide 1980er Jahre) anfreunden konnte, wird auch den neuen ID.Polo fein finden mit seinem schnörkellosen Äußeren. Ein paar Gimmicks der Moderne bekommt der Kleinwagen natürlich schon. Dazu gehören insbesondere Lichtspielereien wie die illuminierten Markenlogos oder 3D-Rückleuchten, die ihre Signatur hologrammartig über dem Asphalt schweben lassen (ausstattungsabhängig). Und der ID.Polo zeichnet sich ja nicht nur durch sein solide-klares Design aus, sondern kehrt zurück auf den Pfad der ansehnlichen Qualität. Sichtbar bessere und vor allem fühlbar angenehmere Materialien bekommen nicht nur Augen zu sehen, sondern ebenfalls Hände zu spüren.

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3D-LED-Rückleuchten sollen dem neuen ID.Polo nachts einen hohen Wiedererkennungswert verschaffen. Und eine schwebende Signatur, die ganz fancy aussieht.

Auch Bedienungsergonomie ist plötzlich wieder da, nachdem der ehemalige Volkswagen-Chef Herbert Diess der Versuchung unterlag, aus der Wolfsburger Traditionsmarke ein zweites Tesla zu machen. Und so fällt schon beim ersten flüchtigen Inspizieren der griffige Drehknopf in der Mittelkonsole auf. Außerdem bemerkt man schnell die großen, klaren Drucktasten auf dem Lenkrad - endlich! Zwar konnte der komplett enthüllte Newcomer noch nicht in Aktion erlebt werden, aber ein bisschen auf den Knöpfchen klimpern ging immerhin schon. Und allein die haptische Art und Weise, wie die klicken oder der Regler in der Mitte rastet, spricht durchaus für eine gewisse Solidität.

Über das Platzangebot kann man sich jetzt auch nicht unbedingt beschweren, vor allem die zweite Reihe des 4,05-Meter-Autos geizt kaum mit Beinfreiheit. Dafür muss das Urteil über die Sitze noch auf sich warten lassen, bis eine längere Probefahrt erfolgt. Immerhin ist schon bekannt, dass es eine Massagefunktion geben wird. Und wie ist es um die Antriebe bestellt?

Kleiner Akku für die Basis

Hier liegt der Hase so ein bisschen im Pfeffer, weil der Unterschied zum Verbrenner beim elektrischen Kandidaten auch immer darin besteht, Kompromissfähigkeit gegen Geld abzumildern. So beinhalten verschiedene Antriebsoptionen Akkus, die dann eben doch eine gewisse Flexibilität erfordern. Die Basis wird mit 37 kWh beziffert, damit traut das Werk dem Polo 329 Kilometer zu. In der Realität darf man je nach Außentemperatur sicherlich noch ein paar Kilometerchen abziehen.

Um den erschwinglichen Preis realisieren zu können, setzen die Wolfsburger auf Lithium-Eisenphosphat. In diesem Fall gibt es 116 oder 135 PS Motorleistung, was im Segment auskömmlich ist. Wer deutlich mehr Leistung möchte, dürfte die 30.000-Euro-Grenze locker reißen, wobei es ja heute weniger auf den Listenpreis ankommt als auf die Leasingrate. Wer die größere 52-kWh-Batterie bevorzugt, bekommt nicht nur 211 respektive später mit dem GTI 226 PS, sondern auch 455 Kilometer WLTP-Reichweite. Dort fängt es an, alltagstauglich zu werden.

Und worauf kommt es - selbst beim Kleinwagen - noch an? Klar, auf die Ladezeiten. Die hält Volkswagen zumindest auf dem Papier ordentlich kurz. Ob man sich nun für den kleineren oder größeren Speicher entscheidet - der 10-80-Prozent-Hub soll nach 27 oder 24 Minuten abgehandelt sein. Zwar klingen die Ladeleistungen von 90 respektive 105 kW kaum spektakulär, aber eine gut austarierte Ladekurve soll es richten. Mit anderen Worten: Die Ladeleistung fällt erst spät nennenswert ab. Doch das alles gilt es dann später zu testen.

Bei Assistenz wie Praxistauglichkeit soll der Polo außerdem klotzen statt kleckern. Demnach gibt es 441 Liter Kofferraumvolumen, damit sollte genügend Gepäck für den Familienurlaub in das hintere Abteil passen. Und wer diese Familie dann unterwegs auch noch angemessen beschallen möchte, bekommt gegen Aufpreis ein Harman-Kardon-Soundsystem mit zehn Lautsprechern. Dagegen könnte sich die Gen Z über Features wie eine Erkennung von roten Ampeln oder den digitalen Schlüssel auf dem Smartphone freuen. Der neue in Spanien im Werk Martorell gebaute Volkswagen ID.Polo kann ab sofort bestellt werden.

Quelle: ntv.de

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