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Transformation in Niedersachsen VW erfindet sich im "Walhalla" neu

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Das Ziel der Wandlung vom Saulus zum Paulus, ist für VW, die E-Mobilität.

(Foto: Volkswagen)

Seit dem Dieselskandal ist das Image von Volkswagen angekratzt. Seit einigen Jahren erfindet sich die Marke deshalb neu. Den Wandel wird der Konzern mit dem Start des ID.3 auf der IAA noch deutlicher machen. Aber es ändert sich noch mehr.

Ein großer, fensterloser Raum mit überdimensionaler Video-Leinwand, im Herzen des Wolfsburger VW-Designzentrums, gleich neben dem Büro des Chef-Kreativen Klaus Bischoff. Hier wird dem Vorstand präsentiert, was in einigen Jahren auf die Straße kommen soll, hier wird Automobilgeschichte geschrieben – oder verhindert. "Walhalla" nennen sie diesen Ort, das klingt nach kämpferischen Mannen und alten Helden, nach Winterkorn und Piëch. Die VW-Granden sind inzwischen Geschichte, der Diesel-Skandal hat sie dahingerafft.

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Mit dem ID.3 soll bei Volkswagen eine neue Zukunft eingeläutet werden.

(Foto: dpa)

Die Walhalla aber ist geblieben, und dieser Tage wird dort die Zukunft von Volkswagen präsentiert. Werbeträchtig zeigt sich auf einem Drehteller das Elektroauto ID.3 erstmals einem kleinen Publikum, seinen großen Auftritt hat der kompakte Stromer in wenigen Wochen auf der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt. Er soll exemplarisch für den Aufbruch der Marke in ein neues Zeitalter stehen.

Ein Aufbruch, der dringend nötig ist. Schon vor dem Diesel-Skandal war es um Volkswagen wirtschaftlich nicht bestens bestellt, Schadenersatzforderungen und Strafzahlungen haben die Bilanzen in den vergangenen Jahren zusätzlich belastet. In Wolfsburg herrschte Ende 2015 Aufbruchstimmung: Nur wenige Wochen nach dem Bekanntwerden der Dieselgate-Affäre machten sich, so die Aussage von VW, ein paar Dutzend Top-Manager an die Arbeit, und ersinnen einen Masterplan für die Marke Volkswagen. "Transform 2025+" nennt sich die Strategie, mit deren Umsetzung sofort begonnen wurde.

SUV-Offensive mit 30 neuen Modellen

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Eines von künftig 30 SUV im VW-Konzern ist der T-Cross.

(Foto: Volkswagen)

Der erste Schritt: VW musste radikal neustrukturiert werden. Eine SUV-Offensive wurde angestoßen, bis 2025 soll es weltweit 30 VW-Hochbeiner geben. Die einzelnen Weltregionen bekommen mehr Entscheidungshoheiten, die Baureihen werden neu organisiert und Komplexitäten abgebaut: Weniger Modellderivate, weniger Motor-Getriebe-Varianten, weniger Bauteile. Das Ziel: Günstiger produzieren, mehr Geld verdienen! Dass die Maßnahmen fruchten, zeigt ein Blick auf die Rendite: Die ist von 1,8 Prozent in der Vor-Dieselskandal-Ära auf zuletzt 5,2 Prozent im ersten Halbjahr 2019 gestiegen, sechs Prozent sollen es bis 2022 werden.

Jetzt fühlt sich VW fit genug für den zweiten Schritt auf der "Transform 2025+"-Roadmap. Die Wolfsburger starten eine "Digitalisierungs- und Elektrifizierungsoffensive". Alle Unternehmensbereiche sollen umgekrempelt werden, agile Arbeitsweisen eingeführt und Prozesse digitalisiert werden. Außerdem will VW in fünf Jahren Marktführer bei den E-Autos sein, pro Jahr soll eine Million Stromer verkauft werden. Der Gedanke der Marktführerschaft klingt aber gar nicht so neu. Den hatte man seinerzeit schon mal im Walhalla ausgerufen. Seinerzeit noch unter anderer Ägide. Schlüssel zum Erfolg soll der Modulare E-Antriebs-Baukasten (MEB) werden, eine variable Plattform auf der vom SUV über Limousinen bis zu Vans alles aufgebaut werden kann. Auch der ID.3, der jetzt in der Golf-Klasse den Startschuss geben wird.

Baukasten-Strategie und Scarlett Johansson

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Das neue VW-Logo zeigt sich erstmals auf den Trikots des VfL Wolfsburg. Etwas schlanker und Weiß auf Schwarz.

(Foto: VfL Wolfsburg)

Dass die Baukasten-Strategie – die übrigens auch von anderen Autobauern genutzt wird - aufgeht, hat VW bereits bei den Verbrenner-Fahrzeugen mit dem Modularen Querbaukasten (MQB) bewiesen, die hohen Stückzahlen senken die Kosten pro Auto massiv. Bis zu 20 Modelle sollen auf dem MEB aufbauen. Dazu kommen mehrere Hunderttausend Elektroautos von Ford, denn die Niedersachsen verkaufen den MEB auch an die US-Amerikaner.

Apropos Logo: Als Zeichen des Aufbruchs in eine neue Ära verpasst sich VW auch ein neues Marken-Emblem. Das chromschwere Logo hat ausgedient und soll durch eine filigrane, leichte Zeichensprache ersetzt werden. Einen Vorgeschmack geben die aktuellen Trikots des VfL Wolfsburg, zum ersten Mal richtig zu sehen ist das neue Logo auf der IAA – und auf dem ID.3, wo es schlicht weiß-auf-schwarz an Front und Heck prangt.

Die Wolfsburger Marketing-Strategen rund um Jochen Sengpiehl haben aber nicht nur das Erkennungszeichen auf Vordermann gebracht, sondern der Marke einen komplett neuen Auftritt verpasst. Eine neue Schriftart, bunte Farben, eine komplett neue Webseite und eine neue Stimme. Zukünftig hört man in den Werbespots, bei Navigationsansagen oder im Zwiegespräch mit den immer stärker ins Auto drängenden digitalen Assistenten erstmals eine Frau: Luise Helm, die deutsche Synchronsprecherin der Hollywood-Schauspielerinnen Megan Fox, Scarlett Johansson und Sienna Miller.

Gemeinsam mit den Kunden

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Die neue Stimme bei VW ist die von Luise Helm, Synchronsprecherin von Scarlett Johansson (Bild).

(Foto: dpa)

Der Schritt in die Zukunft geht auch an den rund 10.000 Handelspartnern in 171 Märkten nicht spurlos vorbei. Nicht nur, dass Sie alle Logos austauschen müssen, sie sollen zukünftig Teil einer komplett neuen Customer Journey sein, also dem Weg, den VW-Kunden gemeinsam mit der Marke gehen und an dessen Ende im Idealfall ein Neuwagenkauf steht.

Nahtlose "Integration aller Kanäle, authentische Werbung, digitale Services, direkter Kontakt vom Hersteller zum Kunden und persönliche Betreuung durch den Händler vor Ort" sind nur einige Stichworte, die Vertriebs-Vorstand Jürgen Stackmann laut durch die Walhalla klingen lässt. Von Spaltmaßen, Materialgüte, Sicherheit oder Lenkrädern, wo "nix scheppert", spricht in Wolfsburg niemand mehr. Doch an diesen Kernwerten soll nicht gerüttelt werden, versichert Beschaffungs-Vorstand Ralf Brandstätter, und Chef-Designer Klaus Bischoff pflichtet ihm bei: "Auch die Elektro-Autos der ID-Familie werden echte Volkswagen!"

Quelle: n-tv.de, hpr/sp-x

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