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"The Rain": Tod von oben Apokalypse in Dänemark

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Eine Gruppe junger Erwachsener kämpft in "The Rain" ums Überleben.

(Foto: Netflix)

Es geht mal wieder die Welt unter. Nur dieses Mal eben in Dänemark. Die Netflix-Serie "The Rain" entledigt sich mit giftigen Regentropfen erst einmal eines Großteils der Weltbevölkerung und legt dann einer Gruppe junger Erwachsener das Schicksal der Menschheit in die Hand. Im Zentrum der Geschichte stehen die Geschwister Simone und Rasmus. Die haben die Apokalypse dank ihres Vaters recht unbeschadet in einem unterirdischen Hightech-Bunker überstanden und müssen sich einmal zurück an der Erdoberfläche eingliedern in das, was sich jetzt Leben nennt.

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Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das die Macher von "The Rain" - Jannik Tai Mosholt, Esben Toft Jacobsen und Christian Potalivo - da realisiert haben. In Deutschland weiß man um das Debakel: Man würde so gern Sci-Fi-Spektakel erzählen und dann sieht das Ergebnis doch wieder aus wie "Tatort" mit Aliens oder so. Doch was auch immer hätte bei "The Rain", einer durch und durch dänischen Produktion, schiefgehen können, es wurde umschifft. Die Show macht sogar richtig was her und wird sicherlich auch außerhalb Skandinaviens, ja, außerhalb Europas ankommen.

n-tv.de hat mit zwei Hauptdarstellern der Serie, Alba August und Lucas Lynggaard Tønnesen, gesprochen. Die beiden Jungschauspieler mimen besagtes Geschwisterpaar. Im Interview offenbaren sie Überlebenstricks, Führungsqualitäten und ein kleines bisschen Nervosität.

n-tv.de: "The Rain" ist die erste skandinavische Netflix-Serie. Fühlen Sie sich als Teil eines Experiments?

Alba August: Es ist natürlich irre aufregend. In Dänemark spricht einfach jeder darüber. Eine Sci-Fi-Geschichte ist dort eine große Sache. In Skandinavien werden viele Krimiserien gedreht. Wir zeigen, dass da verdammt nochmal mehr geht!

Ist "The Rain" trotzdem noch irgendwie typisch dänisch?

Lucas Lynggaard Tønnesen: Wir haben eine bestimmte Art, Geschichten zu erzählen - so ein düsterer Nervenkitzel. Außerdem haben wir in Dänemark mit einem dänischen Cast gedreht, bis auf Alba. Es hat sich nie angefühlt, als würden wir an einer Netflix-Serie arbeiten. Die Atmosphäre war wie bei einer gewöhnlichen skandinavischen Produktion.

August: Typisch skandinavisch ist es, authentisch arbeiten zu wollen. Alles muss möglichst realistisch aussehen, nicht so poliert. Deswegen wirkt unser apokalyptisches Universum rauer, als man es vielleicht von anderen Produktionen kennt. Wir sind nicht nur schmutzig, wir sehen auch mal richtig hässlich aus.

In "The Rain" bedrohen die Welt zur Abwechslung mal keine Aliens. Davon ausgehend, dass Science-Fiction immer etwas über die Gegenwart erzählen will: Wofür steht der Regen?

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Lucas Lynggaard Tønnesen und Alba August spielen in "The Rain" die Geschwister Rasmus und Simone.

(Foto: Netflix)

August: Im Vordergrund geht es um das Verhältnis des Menschen zur Natur, um ein Umweltbewusstsein. Unsere Erde ist eine Katastrophe. Wir wollen, dass die Menschen beginnen, Fragen zu stellen und Verantwortung zu übernehmen. Stellt euch vor, was alles möglich wäre, wenn wir endlich beginnen würden, unsere schädlichen Gewohnheiten abzulegen.

Lynggaard Tønnesen: Technologie und Klimawandel sind wichtige Themen, die "The Rain" anschneidet. Es könnte aber in dem Zusammenhang noch ein anderer Aspekt interessant sein - gerade für junge Erwachsene. Wir spielen eine Gruppe junger Leute, die versuchen, die Menschheit zu bewahren. Sie versuchen, eine Welt zu entwerfen, ohne das Wissen und die Werte der Generationen vorher über Bord zu werfen.

Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, was im Falle einer Katastrophe Ihr Platz in der Gesellschaft wäre?

Lynggaard Tønnesen: Ich würde jeden Tag auf mich zukommen lassen, einen nach dem anderen. Ich würde nicht so viel darüber nachdenken, was zu tun ist, sondern im Moment leben.

August: Ich könnte ein Anführer sein – wie in der Serie! Ich wäre die, die sagt: "Wir müssen etwas unternehmen!"

Lynggaard Tønnesen: War klar, dass du das sagen würdest … (lacht)

Bringen Sie denn entscheidende Überlebenstricks mit?

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Im Bunker hat Simone (Alba August) nicht viel übers Leben an der Erdoberfläche gelernt, das muss sie nachholen.

(Foto: Netflix)

August: Klar, ich kann ein Feuer machen!

Lynggaard Tønnesen: Sicher?

August: Nee, eigentlich nicht. Vielleicht genügt es erst einmal, Antrieb zu haben. Mit positiver Energie würde ich den Leuten vermitteln: "Wir können es schaffen!"

Lynggaard Tønnesen: Du besitzt tatsächlich mentale Stärke. Ich schaue zu dir auf!

August: (zärtlich witzelnd) Du auch, ich schaue auch zu dir auf.

Die Macher der Show haben in der Vergangenheit betont, wie leicht ihnen die Casting-Entscheidungen gefallen seien. Wissen Sie, weswegen Sie sich durchgesetzt haben?

Lynggaard Tønnesen: Unser Vorsprechen war wirklich kurz. Da hat wohl einfach die Chemie gestimmt, oder?

August: Ja, das ist immer wichtig. Außerdem muss man mutig sein, um sich bei einem Casting durchzusetzen. Man muss vorab wissen, wie man eine Szene interpretiert. Wer auf Anweisungen wartet, verliert. Selbstvertrauen ist entscheidend.

Ihre Eltern sind selbst erfolgreich in der Filmbranche tätig, Frau August. Ihr Vater ist der Regisseur Bille August, er wurde zweimal in Cannes mit der Palme d'Or ausgezeichnet. Ihre Mutter ist Pernilla August, sie hat Anakin Skywalkers Mutter Shmi in "Star Wars: Episode I" und in "Episode II" gespielt. Haben die beiden Ihnen Tipps für die Schauspielkarriere gegeben?

August: Ich kann so schlecht sagen, welche Ratschläge sie mir als Eltern gegeben haben und welche als Experten. Vor allem sorgen sie dafür, dass ich nicht abhebe. Bei meinen beruflichen Entscheidungen quatschen sie mir nicht rein. Wir reden eher über Gefühle. Bei uns in der Familie wissen wir selten, woran die anderen gerade arbeiten, aber immer, wie es uns geht.

Netflix setzt verstärkt auf die weltweite Vermarktung nationaler Formate. Zum Beispiel bei der deutschen Serie "Dark" hat das gut funktioniert. Empfinden Sie Druck, mit "The Rain" erfolgreich zu sein?

Lynggaard Tønnesen: Ich empfinde schon etwas Druck. Das liegt aber vor allem daran, dass es für mich die erste Hauptrolle überhaupt ist. Ich bin direkt nach meinem Schulabschluss ans Set gekommen und habe noch nicht so viel Erfahrung. Ich bin also nervös, aber es ist auch auf eine gute Weise aufregend.

August: Es ist schon eine irre Vorstellung, dass das so viele Menschen "The Rain" sehen können werden.

Lynggaard Tønnesen: 109 Millionen Menschen.

August: Da hat aber jemand seine Hausaufgaben gemacht!

Mit Alba August und Lucas Lynggaard Tønnesen sprach Anna Meinecke.

"The Rain" ist ab dem 4. Mai abrufbar bei Netflix.

Quelle: n-tv.de

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