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Inszenierung der Schwangerschaft Behaltet eure Selfies für euch!

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Wunderschöner Zufall! Ellen DeGeneres schreibt zu Beyoncés Babynews: "Ich auch!"

Beyoncé ist schwanger. In China fällt ein Sack Reis um. Anyway, die Sängerin verbreitet nun ein Foto von sich, das sie halbnackt, mit rundem Bauch, runden Brüsten und einem erwartungsfroh-runden Gesicht, als Mutter Maria in Szene gesetzt, abbildet.

Es gibt diesen Bauch, der sagt: Seht her, ist das nicht eine Meisterleistung? Gemeint ist der Babybauch, aktuell das schönste Accessoire einer Promi-Dame. So dick und ungeschminkt wie auf ihren Instagram-Accounts sieht man diese übrigens sonst selten. Nun also auch Beyoncé Knowles, die wieder guter Hoffnung ist. Ihre von Affärengerüchten belastete Beziehung zu Super-Produzent und Erfolgs-Rapper Jay Z bekommt dadurch nochmal einen Aufschub in Richtung Ablaufdatum, denn dafür sind solche Instagram-Babys ja meist da, zumindest anfangs: Die zerrüttete Beziehung soll nochmal gerettet werden, Babykacke als Kitt für die brüchige Basis.

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"Wir möchten unsere Liebe und unser Glück gerne teilen. Wir wurden gleich zweimal gesegnet. Wir sind unglaublich dankbar, dass unsere Familie um zwei wachsen wird und wir danken euch für all eure Glückwünsche."

Was ist auch einfacher, als ein Baby zu machen? Ehrlich mal, poppen kann jeder Idiot - es wäre tatsächlich aufwendiger, sich einen Hund zu kaufen. Aber das Schwangersein wird jetzt so noch einige Monate durchexerziert, als wäre es eine Leistung.

Nicht falsch verstehen, werdendes Leben ist etwas Besonderes!! Schwanger sein ist toll, Babys zu bekommen, ist hart, aber super, und Kinder zu haben, ist die Erfüllung schlechthin, wenn man es denn wollte. Aber diese Inszenierung der Schwangerschaft, das Kind als Accessoire, geht eindeutig zu weit in den letzten Jahren.

Keiner fragt, ob die Kinder inszeniert werden wollen. Kinder sind ihren stolzen und überambitionierten Eltern hilflos ausgeliefert, werden gepostet, auf niedlich getrimmt, als Super-Baby verkauft, als Lifestyle-Objekt missbraucht. Und kaum einer postet dann mehr die Phasen, wenn die Kinder größer sind, Schwierigkeiten machen. Wenn sie doch nicht so hübsch oder schlau geworden sind wie erhofft.

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Hui, Mutti hat ein Piercing ...

Ja, dieser Just-Out-of-Bed-Look ist wirklich putzig: Mutti noch mit zersaustem Haar, frisch gevögelt und schon schwanger, da geht noch was zwischen den Laken, was anderes soll es doch erstmal nicht bedeuten. Der Kerl kann noch und überhaupt, jetzt können wir wieder stundenlang guten Gewissens shoppen gehen, denn Neues muss her: Klamotten, Mobiliar, Equipment, keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran.

Jeder sollte eines haben

Alles fein! Wie gesagt, Kinder sind toll. Jeder sollte mindestens eins haben. Aber es gibt eben auch welche, die wollen gar keine Kinder, auch gut. Sehr durchdachte Entscheidung oft. Und es gibt diejenigen, die können keine bekommen oder machen: Für diese Menschen müssen diese tumben Bilder von schwangeren Frauen die reine Folter sein. Gemein! Und ja, für den Hausgebrauch, alles fein, zeigt es euren Freundinnen, eurem Friseur, den werdenden Großvätern, eurem Arzt oder Apotheker, aber nicht der ganzen Welt!

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Schlank, Baby, essen - wow!

Beyoncé ist da natürlich nicht alleine, sie hat viele Kolleginnen, die nichts anderes zu tun haben, als ihre schwangeren Bäuche und Brüste in die Kamera zu halten. Und dann, wenn die kleinen Kacker da sind, dann gibt's die nächsten Selfies: Ich backe einen fetten Käsekuchen in meiner High-Tech-Küche, seht, ich esse!!

Gleichzeitig aber trägt die Protagonistin nur eine knappe Shorts, von After-Baby-Body - sprich Fett an Hüfte und Schenkel - nichts zu sehen, sondern nein: Hoch das Bein, ich mache auch noch Yoga, während ich backe! Während ich Schulbrote schmiere. Während ich einkaufe. Während ich - ja was denn, poste? Und so seh' ich aus, wenn ich ganz natürlich bin (kein Wort von den künstlichen Wimpern, dem Permanent Make-Up, dem günstigen Licht).

Bitte, bitte, Promi-Tanten, hört auf, uns mit euren perfekten Bildern zuzuspammen. Hat allerdings auch lustige Konsequenzen, wie man einigen Tweets entnehmen kann.

"Traurig, dass in Beyoncé momentan mehr farbige Menschen sind als in Trumps Kabinett."

Sie schreit, sie singt nicht

Haben wir verlernt, einfach nur zu leben? Sind wir niemand mehr, wenn wir nicht ständig unser Dasein mit anderen - Followern, Friends - teilen? Wir freuen uns n-a-t-ü-r-l-i-c-h über eine Geburtsanzeige, über die Nachricht, dass der Nachwuchs gesund ist. Wir wollen ein Bild sehen, um zu erkennen, ob Jay-Z wirklich der Vater ist, wir lesen die Tipps, die Beyoncé mit uns teilt, wenn sie uns erklärt, wie sie ihre Figur wiedererlangt hat (und da sie noch nie eine Gräte war, kann das durchaus glaubwürdig rüberkommen), wir verstehen, wenn Vati vor Stolz platzt und mal ein Foto zeigt - Spaziergang im Park oder das erste Mal bei den Lakers oder auf einem Konzert. Aber diese Inszenierung, dieses Verkünsteln der Realität - es ist auch nicht mehr witzig. Vielleicht ist das ja aber auch ein bisschen zu hart formuliert und entspringt nur dem puren Neid, dass diese Leute anscheinend so viel Zeit haben. Und so viel Geld. Und wenn man findet, dass Beyoncés Musik sowieso immer viel mehr nach Schreien als nach Singen klingt. Dann ist man eh nicht objektiv. Sei's drum ...

Also: Lassen Sie sich nicht in die Irre führen von den angeblich ungeschminkten Schönen, die sowas das neue "Nude", also das neue Nacktsein, nennen, bloß weil Sie (oder Ihre Frau) aussehen/aussahen wie eine Planschkuh. Denn nein, Frauen, die Kinder kriegen, müssen nicht zwangsweise auch so aussehen, als ob sie selbst noch Kinder sind, es sei denn, es handelt sich um eine Teenager-Schwangerschaft.

Danke, Photoshop

Und jetzt bitte nicht diese Kommentare: "Die Alte ist doch total gefrustet (nein ist sie nicht), hat keine Kinder, kann dieses universelle Glücksgefühl also nicht nachempfinden (doch hat sie, kann sie), dann geh' doch nisch auf Facebook, Alte (macht sie trotzdem), gibt ja noch mehr zu sehen und zu lesen. Apropos Kommentare: Auch andere lassen sich das Ereignis natürlich nicht durch die Lappen gehen: Gewohnt witzig kommentierte Moderatorin Ellen DeGeneres die Baby-Ankündigung. Auf einer Montage von Beyoncés Bild lächelt DeGeneres in die Kamera. Dazu schrieb sie: "Ich auch!"

Überhaupt nehmen gerade sehr viele Photoshop-Künstler und Hobby-Komiker die Gelegenheit wahr, Witze über die anstehende Doppelgeburt im Hause Jay-Z und Beyoncé zu reißen. Ein User etwa kommentierte, dass es schließlich nicht das erste Mal sei, dass Beyoncé zwei Menschen gleichzeitig durchfüttern muss - und postete dazu ein Bild von ihrer Ex-Band Destiny's Child.

Ein anderer Scherzkeks machte sich derweil über das fünfjährige Töchterchen Blue Ivy Sorgen. Immerhin, so die begründete Befürchtung, werde sie wegen der Zwillinge statt mit einem Erbe von einer Milliarde Dollar, eines Tages nur mit 333 Millionen Dollar auskommen müssen. Ein User nahm dagegen die Mühe auf sich, mit Photoshop das Gesicht von Jay-Z auf zwei Säuglinge zu zaubern - mit sehr verstörendem Ergebnis.

Quelle: n-tv.de, mit spot