Unterhaltung

"Keine Angst" live in BerlinDanger Dan und Levit wollen lieber über rechte Gewalt reden als über ihre Ausladung

22.07.2026, 01:44 Uhr
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Der Gewinn aus dem kurzfristig anberaumten Konzert soll gespendet werden. (Foto: picture alliance/dpa)

Im ZDF läuft am Abend die Jubiläumsfolge der "Anstalt" - allerdings nicht wie ursprünglich vorgesehen mit einem Auftritt von Danger Dan und Igor Levit. Nachdem der Sender die beiden Musiker kurzfristig ausgeladen hatte, spielen sie live in Berlin.

Die Musiker Danger Dan und Igor Levit haben nach dem abgesagten Auftritt im ZDF ein Ersatzkonzert in Berlin gespielt und sich für einen entschiedenen Kampf gegen Rechtsextremismus ausgesprochen. In der vergangenen Woche habe es eine große Debatte gegeben, ob es okay gewesen sei oder nicht, sie aus einer ZDF-Sendung auszuladen, sagte Danger Dan im Columbia Theater. Das sei aber nicht die entscheidende Frage, ergänzte Pianist Levit.

Die Debatte, die "wir eigentlich hätten führen müssen", sei vielmehr: Wie gehe man mit Faschistinnen und Faschisten um, die gerade in die Parlamente gingen und auf der Straße seien, fragte Danger Dan. "Wie gehen wir um mit rechter Gewalt, die explosionsartig anwächst und immer brutaler wird?"

"Und wie helfen wir?", fragte Pianist Levit bei dem Konzert, das bei Youtube übertragen wurde. Wie unterstütze man Menschen, die in Gegenden lebten, in denen sie Angst haben müssten, aus dem Haus zu gehen, weil Nazis patrouillierten? Wie nehme man ihnen die Angst und zeige ihnen, dass sie nicht alleine seien? "Das ist die entscheidende Frage."

Mitglieder des ZDF-Fernsehrats kritisieren die Entscheidung

Eigentlich wollte Danger Dan sein neues Lied "Keine Angst" gemeinsam mit Levit bei der 100. Ausgabe der Kabarettsendung "Die Anstalt" spielen, die sich mit Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie beschäftigt. Kurz vor der Aufzeichnung entschied das ZDF jedoch, den Auftritt zu streichen, da der Liedtext als Aufruf zu Gewalt verstanden werden könne.

Intendant Norbert Himmler sagte der "Süddeutschen Zeitung", seiner Ansicht nach habe man es "unzweifelhaft mit einer Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand zu tun", der in freundliche Grüße an linksextreme, zum Teil rechtskräftig verurteilte Gewalttäter münde.

Mitglieder des ZDF-Fernsehrats kritisierten die Ausladung in einem offenen Brief an Himmler. Das ZDF habe eine Gelegenheit verpasst, eine Debatte über Rechtsextremismus in Deutschland und die vielfältigen Möglichkeiten seiner Bekämpfung anzustoßen, heißt es darin. Die Absage des Auftritts von Danger Dan und Igor Levit zeuge nicht nur von fehlendem Mut, sondern auch von fehlendem Vertrauen in die Redaktion der Sendung "Die Anstalt", sich angemessen mit dem Lied auseinanderzusetzen, heißt es in dem von acht Mitgliedern des Gremiums unterschriebenen und auf netzpolitik.org veröffentlichten Schreiben.

Danger Dan und Levit sprachen von einem Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit. Auch die Macher der Sendung "Die Anstalt" kritisierten die Ausladung. Einige von ihnen saßen nun in Berlin im Publikum, am gleichen Abend wurde ihre Jubiläumsfolge im Fernsehen gezeigt, in der Mediathek ist sie schon länger zu sehen. Beim Ersatzkonzert in Berlin spielten Danger Dan und Levit dann unter dem Motto "Keine Angstalt" auch das Lied "Keine Angst".

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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