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Down under oder gen Norden?Das sind die größten ESC-Favoriten 2026

12.05.2026, 16:06 Uhr Foto-Volker-ProbstVon Volker Probst, Wien
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Fiedeln sie sich zum Sieg? Linda Lampenius x Pete Parkkonen aus Finnland. (Foto: IMAGO/STEINSIEK.CH)

Den Sieger oder die Siegerin beim Eurovision Song Contest prophezeien? Never ever. Da kann man sich nur in die Nesseln setzen. Aber zumindest die Prognosen der Wettanbieter und das Bauchgefühl darf man doch mal sprechen lassen. Bitte schön.

Eines ist beim Eurovision Song Contest (ESC) jedes Jahr so sicher wie das Amen in der Kirche: Man weiß, dass man nichts weiß. Jedenfalls fast nichts. Denn dagegen, dass der Siegessong 2026 am Ende aus Litauen, Belgien oder Georgien kommen wird, würde man doch beinahe das Fressen eines Besens verwetten.

Wenn man auf der Suche nach möglichen Favoriten lange genug im Nebel herumstochert, wird man dennoch fündig - sei es bei den Wettanbietern oder in der eigenen Magengegend. Und so kommt man zu einer überschaubaren Zahl von Beiträgen, die tatsächlich das Zeug haben könnten, den diesjährigen ESC in Wien zu gewinnen.

Australien - Delta Goodrem - "Eclipse"

Na, das wäre ja mal eine schöne Bescherung! Jedes Jahr aufs Neue treibt die Möglichkeit, dass die Eurovision-Einwanderer aus Australien tatsächlich den ESC gewinnen könnten, den Machern den Angstschweiß auf die Stirn. Denn eines ist klar: Eine Ausrichtung des Wettbewerbs down under kommt aus logistischen und finanziellen Gründen eigentlich nicht infrage.

Dennoch könnte es diesmal tatsächlich so weit kommen, dass die "Aussies" die Trophäe einheimsen. Verantwortlich dafür ist Delta Goodrem, die zu den erfolgreichsten Künstlerinnen ihres Heimatlandes zählt. Dabei hat sie sich nicht nur als Sängerin einen Namen gemacht, sondern auch als Schauspielerin in Formaten wie der Seifenoper "Neighbours" oder der Komödie "Love Is In The Air".

Mit "Eclipse" bringt sie einen lupenreinen Pop-Hit zum ESC mit, der allemal geeignet ist, über alle Grenzen hinweg Anklang zu finden. Nehmen wir es sportlich: Viele gehen davon aus, dass Deutschland als einer der Hauptsponsoren den ESC im Folgejahr ausrichten würde, sollte Australien wirklich siegen. Jippie!

Bulgarien - Dara - "Bangaranga"

Hat Dara aus Bulgarien echte Chancen auf den ESC-Sieg? Also, nein, nicht wirklich. Dazu ist ihr Song dann vielleicht doch ein zu wildes Mashup an musikalischen Versatzstücken. Allerdings hat das titelgebende "Bangaranga", das sich durch die gesamte Komposition zieht, ein gewisses Ansteckungspotenzial. Spätestens beim dritten "Bangaranga" schwingt man mit wie bei Emilíana Torrinis "Jungle Drum".

In ihrem Heimatland hat es Dara ohnehin bereits weit gebracht. Dort werden die Lieder und Videos der "The Voice of Bulgaria"-Jurorin millionenfach gestreamt. Vielleicht begeistert sie ja auch beim ESC die Millionen, wenngleich sie nicht zum Top-Favoritenkreis zählen dürfte.

Dänemark - Søren Torpegaard Lund - "Før Vi Går Hjem"

Bei Søren Torpegaard Lund aus Dänemark sieht das anders aus. Aus unerklärlichen Gründen, möchte man fast sagen. Sein Song "Før Vi Går Hjem" setzt auf ebenso viel Theatralik wie auf unüberhörbare Loreen-Reminiszenzen, die einem das Gefühl vermitteln, als hätte man ihn schon ein paar Mal gehört.

Dennoch wird der Beitrag des dänischen Musical-Sängers bei den Wettbüros ganz weit oben gehandelt. Schon seit Wochen rangiert er bei zahlreichen Anbietern in den Top drei.

Liegt es womöglich am Text? Wohl eher nicht. "Let the night go up in flames till we forget who we are. Hold on to each other till we burn in the fire. Knowing that tomorrow always pulls us apart - before we go …" ("Lass die Nacht in Flammen aufgehen, bis wir vergessen, wer wir sind. Halten wir einander fest, bis wir im Feuer verbrennen. Im Wissen, dass uns der nächste Tag immer wieder trennt. Bevor wir gehen …"), heißt es darin etwa schwülstig. Vielleicht wäre es wirklich an der Zeit zu gehen.

Finnland - Linda Lampenius x Pete Parkkonen - "Liekinheitin"

Die ultimativen Top-Top-Top-Favoriten der Buchmacher aber sind sie: Linda Lampenius und Pete Parkkonen aus Finnland. Der durch die Fernsehshow "Idols" bekannt gewordene Sänger und die klassische Geigerin packen beim Song "Liekinheitin" nicht nur die Alexander-Rybak-Gedächtnis-Fiedel aus, sie fackeln während ihres Auftritts auch gepflegt die Bühnenkulissen ab.

Das passt tatsächlich zum Text, in dem es heißt: "You set me on fire. But you're never fully mine. Oh, so hot, yet cold as ice. You are a flamethrower" ("Du hast mich in Brand gesetzt. Doch du gehörst nie ganz mir. Oh, so heiß und doch eiskalt. Du bist ein Flammenwerfer").

Vertraut man den Wettquoten, dann dürfte dem finnischen Duo der Sieg quasi schon gar nicht mehr zu nehmen sein. Dass der Mix aus Pop und Klassik beim Publikum verfangen könnte, steht außer Frage. Ebenso sicher ist jedoch, dass der Beitrag in Wien dann doch nicht so herausragt, dass seine Überhöhung im Vorfeld des Song Contests gerechtfertigt wäre.

Frankreich - Monroe - "Regarde!"

Sie ist gerade mal 17 Jahre jung - und klingt doch bereits wie eine waschechte Operndiva: Sängerin Monroe aus Frankreich. Auch sie vermischt bei "Regarde!" geschickt Popsong-Strukturen mit Klassik-Anleihen, in ihrem Fall beim Gesang.

In der Summe entsteht so ein typisches französisches Chanson im modernen Gewand. Nicht das erste Mal, dass das Nachbarland mit einem Lied in diesem Stil beim ESC punkten will - und nach übereinstimmender Meinung von vielen Beobachterinnen und Beobachtern auch könnte.

Sollte Monroe ohne die ESC-Trophäe wieder nach Hause reisen müssen, braucht sie sich dennoch nicht zu grämen. Nicht nur, weil ihr in ihrem Alter noch alle Türen offenstehen. Als Siegerin der französischen Castingshow "Prodiges" hat sie auch schon ein Album veröffentlicht und ist bereit, als Popstar durchzustarten.

Moldau - Satoshi - "Viva, Moldova!"

Dass Satoshi aus Moldau ein Sieger der Herzen ist, steht bereits fest. Sein Crossover-Song "Viva, Moldova!" aus Rap, Pop, Rock und Folklore hat vielleicht nicht das Zeug zum Jury-Liebling, aber im Voting der Zuschauerinnen und Zuschauer könnte der Party-Kracher weit vorne landen.

Und das völlig zu Recht. Denn viel sympathischer könnte der Sänger aus dem Land, das nach der Ukraine als Nächstes auf der russischen Speisekarte stehen könnte, nicht zugleich ein Bekenntnis zu Europa ablegen und Wladimir Putin nonchalant den Mittelfinger zeigen.

"Viva Moldova! Aloha! Adio, vida loca! Soroca - Europa - Palma de Mallorca! Saluti a tutti - Moldova is on duty!", lautet das nur scheinbare Kauderwelsch im Text, das hier nicht weiter übersetzt werden muss. Allein für dieses Statement muss es lauten: Moldau, 12 points.

Schweden - Felicia - "My System"

Womit wir bei dem Land wären, das mutmaßlich auch Pippi Langstrumpf zum ESC entsenden könnte und immer noch ein Liebling der Jurys wäre. Jedenfalls hatte Schweden in den vergangenen Jahren bei den Punktrichterinnen und -richtern stets einen dicken Stein im Brett.

Wird das auch in diesem Jahr so sein? Nicht, wenn sich die Jurys darauf konzentrieren werden, dass der ESC ja eigentlich ein Gesangswettbewerb sein soll. Womöglich aber dann, wenn sie stattdessen die Gesamtperformance in den Blick nehmen.

Denn der Auftritt von Felicia mit "My System" hat mit seiner Sound-Gewalt, seinem Lichtshow-Spektakel und dem ominösen Gesichtsvorhang der Sängerin definitiv Wumms. Dass sie sich verhüllt, begründet Felicia, die in ihrer Heimat ursprünglich als Fröken Snusk bekannt wurde, übrigens mit psychischen Belastungen, Depressionen und Hasskommentaren zu ihrem Körper. Ihr Gesicht wolle sie den Anfeindungen nicht ebenfalls aussetzen. Bleibt zu hoffen, dass ihr beim ESC nichts als Liebe begegnet.

Deutschland - Sarah Engels - "Fire"

Ja, okay, wir müssen zugeben, dass die Erwähnung von Deutschland und Sarah Engels an dieser Stelle nur bedingt richtig ist. Einen Sieg beim diesjährigen ESC traut ihr kaum jemand zu. Das liegt jedoch keinesfalls an ihr selbst. Dass sie sowohl in Sachen Gesang als auch bei Auftritt und Performance ein Vollblutprofi ist, ist schließlich unbestreitbar.

Es liegt vielmehr am Song "Fire", der zu sehr wie vom Reißbrett anmutet. Allerdings wurde an ihm für den ESC tatsächlich noch einmal geschraubt. Im Intro tauchen etwa auf einmal Pianoklänge auf, die so in der Ursprungsversion noch nicht zu hören waren. Zudem dürfte es bei keinem anderen Beitrag in diesem Jahr auf der Bühne so heiß werden wie bei dem von Sarah Engels - im wahrsten Sinne. Die Flammenwerfer rund um die Bühne werden beinahe im Sekundentakt angeworfen.

Einige haben bei "Fire" den Vergleich zum Auftritt von Eleni Foureira aus Zypern mit "Fuego" beim ESC 2018 gezogen - nicht nur wegen des Titels. Auch bei der Songstruktur und Präsentation gibt es gewisse Parallelen. Das könnte allerdings durchaus ein gutes Omen sein: Foureira erreichte seinerzeit schließlich den zweiten Platz.

Who's hot and who's not? Aktuell sind sämtliche Spekulationen darüber nur Schall und Rauch. Wer sich am Ende wirklich die Gesangskrone in Wien aufsetzen darf, entscheidet sich erst im großen Finale am Samstagabend.

Quelle: ntv.de

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