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"Raus aus den Schulden" Der Chancen-Tod der Nadja Abd el Farrag

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Raus aus den Schulden? Peter Zwegat bietet Nadja Abd el Farrag erneut seine Hilfe an.

(Foto: MG RTL D)

Peter Zwegat nimmt Naddel erneut unter seine Fittiche. Es soll einer seiner schwersten Fälle werden. Doch der Schuldnerberater "reißt sich den Arsch auf". Am Ende steht eine Frage im Raum: "Wie viele Chancen verdient ein Mensch?"

"Ich habe mehrere Chancen in meinem Leben gehabt, aber ich habe sie nicht wirklich wahrgenommen", sagt Nadja Abd el Farrag zu Schuldnerberater Peter Zwegat. Sie lächelt ihr schneeweißes Lächeln; sie wird gefilmt und nach ihrem Leben befragt. Das Interesse an ihrer Person ist sie gewohnt - die Kameras, die Berichte, sie lebt davon. Aber sie ärgert sich auch über schlechte Presse wegen angeblicher Suff-Abstürze.

Schon einmal hat Zwegat die 52-Jährige unter seine Fittiche genommen, damals im Dezember 2016, als Naddel verschuldet und am Ende war und sich nicht zu erzählen traute, dass sie Hartz IV bezieht. "Ich habe es nicht gesagt, denn es waren so viele Leute hier."

"… nicht alle Latten am Zaun"

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Die Rechnung geht - natürlich - wieder mal nicht auf.

(Foto: MG RTL D)

Zwegat, den Naddel auch schon mal "Herrn Zwieback" nennt, versuchte sie in Lohn und Brot zu bringen. Es stellte sich heraus, dass die "unstrukturierte Naddel" an Erwachsenen-ADHS leidet und Probleme hat, sich zu konzentrieren. In einem Altenheim zu arbeiten, lehnte sie ab. Es ist schwierig, mit ihr zusammenzuarbeiten, sogar, wenn man nur versucht, ihr zu helfen. "Manchmal glaube ich, Sie haben nicht alle Latten am Zaun", sagte Zwegat resigniert.

Nach der Ausstrahlung der ersten "Raus aus den Schulden"-Sendung ging es bergauf, Nadja erhielt etliche Jobangebote. Sie assistierte einem Magier, kochte für sonnenklar.TV, wurde für Auftritte auf Malle gebucht. Naddels Problem: Bei dem Zauberer musste sie "einen ganzen Tag arbeiten", es war auch oft "zu langweilig", sie saß dann nur so "in der Kantine rum und wartete". Und bei dem Reisesender sollte sie plötzlich nach "Ägypten fliegen und Hotels präsentieren". Alles zu viel für Naddel, die sich zwischenzeitlich dreifach den Knöchel gebrochen hatte und deshalb auch nicht zu lange stehen konnte. Der Zauberer schickte ihr daraufhin einen Chauffeur.

35.000-Euro-Angebot in den Wind geschlagen

Eine Sache aber macht Peter "Zwieback" richtig wütend: die Sache mit Krümel. Krümel ist eine Entertainerin, die auf Mallorca gut gebucht ist und Nadja für einen einzigen Bühnen-Auftritt 1000 Euro bezahlt - "für gerade mal zwei Songs, nur zwei Songs!"

Nadja "verdankt Krümel fast ihre gesamten Einnahmen", so der Schuldnerberater. Darauf die Frau, "die ihre verdiente Kohle sofort verschleudert": "Die redet aber auch immer viel, wenn der Tag lang ist."

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Kann das helfen? Naddel mit Peter Zwegat beim ADHS-Coach.

(Foto: MG RTL D)

"Immer sind die anderen schuld", alles wird "schlechtgeredet", Naddel steht sich selbst im Weg. Das "krümelige" Angebot, "in einer Saison" 35.000 Euro zu verdienen, inklusive kostenlosem Appartement mit Pool und Meerblick auf Mallorca, schlägt sie aus. Zwei Mal die Woche hätte sie dafür ein paar Songs im "Krümelstadl" auf der Insel singen müssen. Naddels Begründung: "Ich hocke da nur rum." Außerdem sind da "38 Grad im Hochsommer!" "Too much" für Naddel.

Die Frau mit den messihaften Zügen und dem Deko-Fimmel wartet lieber: auf bessere Angebote, auf lukrativere "Jobs" wie Autogrammstunden, Einladungen in Shows, auf Events, zu Mode-Veranstaltungen. Sie hat es nicht eilig, sie hat sich mit ihrer Situation arrangiert. Sie ist berühmt, Menschen wollen Selfies mit ihr machen; eine Autorin fragt sie, ob sie ein Buch mit ihr schreiben möchte.

"Ich lass mich nicht verarschen!"

Arbeitende Menschen, die morgens aufstehen, malochen bis zum Umfallen und am Ende des Monats trotzdem finanziell auf dem Zahnfleisch gehen, können nur den Kopf schütteln. Eine Wohnung mit Meerblick, 35.000 Euro für wenige Monate, zwei kleine Auftritte in der Woche: Es ist nur schwer zu begreifen.

Wer nicht schon wütend ist, wird es spätestens, als herauskommt, wie Naddel mit ihren "Kunden" umspringt: "unzuverlässig, unpünktlich, undankbar." Längst gebuchte Termine sagt sie kurzfristig ab, 1000 Euro für einen Auftritt sind sowieso zu wenig, Naddel "lässt sich nicht verarschen".

Das Geld, das sie verdient, wirft sie "mit vollen Händen zum Fenster raus": 6000 Euro für Klamotten, 4000 Euro für ihre eingelagerten Möbel, 3600 Euro für Kippen, "den Rest für Deko". Mit dem Hotelier, der sie umsonst bei sich wohnen lässt, legt sie sich gern schon mal an, obwohl er sich so um sie kümmert, sogar ihre Rechnungen schreibt. "Ja, das ist schon ein bisschen blöd." Der Berliner Zahlenmann Zwegat spricht zum ersten Mal von "Chancen-Tod", eine Psychologin sagt, "der Promi-Status tue ihr nicht gut", eine Stiftung finanziert ihr einen ADHS-Coach. Olivia Jones hört sich auf St. Pauli nach einer Bleibe um.

Es ist nicht so, dass Naddel keine Hilfe bekommt - so viele offene Türen, durch die sie nicht geht. Wenn sie verspätet und "ohne ihre Songs" bei einem ihrer Gesangsauftritte aufschlägt. Und wenn sie ihre Rechnung für den Veranstalter aus dem Hotelzimmer holen soll, sagt sie: "Ich bin doch nicht dein Laufbursche."

"Wie viele Chancen verdient ein Mensch?"

"Wie viele Chancen verdient ein Mensch?", fragt der Mann der Stiftung, die ihr den ADHS-Coach finanziert. Naddel nimmt viel und gibt wenig. Zwegat "reißt sich den Arsch auf", um eine Wohnung für "die verwöhnte Bohlen-Ex" zu finden und hat tatsächlich - Glück.

Glück: Diesem kleinen großen Wort scheint Nadja nicht zu trauen. Sie schaut die Wohnung in Hamburg-Winterhude gar nicht erst an. "So, das wars!", sagt der freundliche Schuldenberater und zieht einen Schlussstrich.

Aber das neue Jobangebot ist schon da: Ein Trachtendesigner findet Naddel "nett und liebenswürdig". Das Buch ist inzwischen auch draußen. Es heißt "Achterbahn" - ein Klagelied, ein larmoyanter Abgesang auf die Jahre an Bohlens Seite, ein Buch über das Leben, das draußen an Naddel vorbeizieht, während sie noch immer wartet, ohne genau definieren zu können, worauf eigentlich. Auf irgendwas oder irgendjemanden. Vielleicht auf neue Chancen - an denen sie "nicht mit Absicht" vorbeigeht.

Quelle: n-tv.de

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