Unterhaltung

"Déjà-Vu" mit Sieland & Gorniak Der Dresdner "Tatort" im Schnellcheck

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Ihre Zeit als Duo endet bald: Henni Sieland (Alwara Höfels, l.) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski).

(Foto: MDR/Wiedemann & Berg/Daniela Incoronato)

Im vorletzten Fall an der Seite von Karin Gorniak wird es für Henni Sieland nicht nur beruflich dramatisch, auch privat kündigen sich schwerwiegende Veränderungen an. Ein Fall noch, dann endet die Zusammenarbeit des Dresdner Duos, das sich gerade jetzt zu finden scheint.

Das Szenario

Rico wird vermisst. Es sind unerträgliche Stunden für seinen Vater (Jörg Malchow) und seine Mutter (Franziska Hartmann), bis deren schlimmsten Befürchtungen Gewissheit werden. Der Junge ist tot, seine Leiche wird in einer Sporttasche aus der Elbe gezogen. Ein erster Verdacht fällt auf den Schwimmlehrer Micha Siebert (Niels Bruno Schmidt), kurz darauf wird er das Opfer eines Überfalls, bei dem ihn aufgebrachte Dresdner brutal zusammenschlagen. Doch Siebert ist unschuldig, das wird wenig später klar. Der Mann von den Stadtwerken ist der Gesuchte: René Zernitz (Benjamin Lillie) hat schon sein nächstes Opfer im Visier. Dass seine Freundin Jennifer Wolf (Alice Dwyer) ihm als Vorspiel erotische Knaben-Geschichten erzählt, macht diese zwar stutzig, wahrhaben will sie es dennoch nicht, dass Zernitz abartige Neigungen hat und ein mehrfacher Mörder ist. Bis zum Schluss, als sie ihn mit einem betäubten Jungen in der gemeinsamen Wohnung auf frischer Tat ertappt.

Die eigentliche Botschaft

Etwa, wie wichtig es ist (und wie problematisch), auch im aufreibendsten Fall so etwas wie Ruhe zu bewahren. In der zusätzlich durch einen Jahrhundertsommer aufgeheizten Stadt an der Elbe sind es die überkochenden Emotionen, die der Lösung des Falles zunächst nicht nur entgegenwirken, sondern auch Unschuldige schließlich zu Opfern machen.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Möglicherweise über den generellen Sinn und Unsinn einer solchen Storyline. Krimirätsel über tote Kinder - nicht wenige Väter und Mütter unter den "Tatort"-Zuschauern dürften gegen 20.20 Uhr das erste Mal ins Kinderzimmer geschlichen sein, um nachzuschauen, ob bei den Jüngsten alles okay ist. Für ein psychologisch erhellendes Stück bleibt das Format allein zeitlich zu eingeschränkt, für klassische Suspense ist das Thema zu schwer, zu nah am Knochen. Warum also tut man sich das eigentlich an?

Der Plausibilitätsfaktor

Durchaus hoch - das zeitlich begrenzte Psychogramm des Täters konstruieren die Autoren Mark Monheim und Stephan Wagner beklemmend und ohne Effekthascherei. Die hilflose Wut der Eltern ist, wenn vielleicht auch hitzebedingt überdreht wie Martin Brambachs Kripochef Schnabel, dennoch schmerzhaft nachvollziehbar. Und wie Henni Sieland dem Täter schließlich beinah im Alleingang auf die Spur kommt, hat klassisch-kriminologischen Esprit.

Die Bewertung

7 von 10 Punkten. Ein Fall jenseits der Schmerzgrenze, leider tut auch das dauernde Ankeifen, Meckern und Brüllen auf Dauer zu sehr weh.

Quelle: ntv.de