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Ringo Starr wird 80 Der beste Rock'n'Roll-Drummer der Welt

Die Beatles ohne seinen Beat? Kaum vorstellbar. Ohne seinen Humor? Unmöglich. Die Musikhistorie hat Ringo Starrs Anteil am Erbe der Fab Four längst geradegerückt. Jetzt feiert der Mann seinen 80. Geburtstag. Happy Birthday, Ringo. Peace und Love!

Die Geschichte macht auch heute noch, mehr als 50 Jahre danach, die Augen etwas feucht, selbst bei jenen, die die einst lebensentscheidende Frage "Beatles oder Stones?" immer noch mit Letzteren beantworten. Im August 1968 hat Ringo es einfach satt. Die Sessions zu jener Platte, die als weißes Album in die Popgeschichte eingehen sollte, sie verlaufen alles andere als zufriedenstellend. Während die anderen drei sich in ihre Oberstübchen zurückziehen und in Missmut schwelgen, platzt Ringo der Kragen. Er verabschiedet sich erst von John, dann von Paul. Als er ihnen davon erzählt, dass er sich außen vor fühlt und die Band womöglich am Ende ist, gestehen die beiden ihm, dass es ihnen ähnlich geht. Den Gang zu George spart er sich, schnappt sich stattdessen seine Familie und nimmt einen Flieger nach Sardinien. Weg aus London, nach Bella Italia, um auf andere Gedanken zu kommen.

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Drummer Ringo Starr (r.) war stilprägend und visionär für die vier Pilzköpfe.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auf der Insel angekommen, leiht Familie Starr sich die Segeljacht von Peter Sellers, dümpelt auf dem Meer. Als Ringo Geschichten über die reiche Unterwasserwelt rund um das Eiland hört, greift er zur Gitarre und schreibt einen Song.

"I'd like to be under the sea in an octopus's garden in the shade. He'd let us in, knows where we've been, in his octopus's garden in the shade. I'd ask my friends to come and see an octopus's garden with me"

Ein Stammgast in Beatles-Bestenlisten würde "Octopus's Garden" nicht werden und dennoch hat das Stück jene ganz besondere Grandezza, die Ringos Songs, ob geschrieben oder "nur" gesungen, innewohnt, eine philosophische Tiefe zwischen kindlicher Neugier und Altersweisheit. Das Lied vom Oktopus ist eigentlich schon ein Muppets-Song, noch bevor Jim Henson ihn zum ersten Mal hört. Lennon/McCartneys "With A Little Help From My Friends" wäre ohne Ringos nasales Organ undenkbar, ein Evergreen, noch bevor Joe Cocker die Arme dazu erhebt und "It Don't Come Easy", Starrs Hit von 1971, einer der besten Solo-Songs diesseits des Beatles-Splits überhaupt.

Entwaffnend, charmant, bodenständig

Zum Schlagzeugspiel kommt Richard Starkey, am 7. Juli 1940 in Liverpool geboren, eher zufällig. Als Kind ist er immer wieder krank, muss lange Zeit im Hospital verbringen. Irgendwann gibt es zum Trost eine Trommel. Der Rest wird Geschichte. Seiner Vorliebe für Klunker an den Fingern verdankt er schließlich den Spitznamen Ringo. Nachdem er zunächst Rory Storm & The Hurricanes Dampf unterm Hintern macht, werden die Beatles auf ihn aufmerksam, küren ihn 1962 zum Nachfolger von Pete Best. Anfangs noch protestiert das Publikum im Cavern Club, bald aber geht das alles in einem weltweiten Kreischen unter.

Im Spannungsfeld der vier Pilzköpfe fällt dem offenkundig Gutgelaunten die Rolle des Spaßvogels zu und überaus leicht, so scheint es. Dem Schwiegersohn-Glanz McCartneys, dem zynischen Humor Lennons und der Verschwiegenheit Harrisons setzt er den britischen Lad entgegen, entwaffnend im Witz, charmant für drei und bodenständig wie ein Pint Lager im Pub. In Kinofilmen spielt er mit sich selbst Fußball, später wird er von Eingeborenen gejagt. Die verworfenen Szenen aus "Hi-Hi-Hilfe" zeigen Ringo als verschmitzten Komödianten mit grandiosem Timing und Präsenz.

In einer der wundersamsten Anekdoten aus dem Popkosmos jener Zeit ist es ausgerechnet der party-erprobte Kumpel Keith Moon, den Ringo zum Patenonkel seines Sohnes Zak macht - eine Entscheidung mit Folgen. Onkel Keith schenkt dem Dreikäsehoch - was sonst - ein Schlagzeug. Als er eines Tages Ringo besucht, um den Nachmittag mit ein paar Drinks einzuläuten, hört Moon vertraute Beats aus dem Kinderzimmer, sein Patenkind ist gerade dabei, "Quadrophenia" nachzutrommeln. Eine selbsterfüllende Prophezeiung: Zwei Dekaden später ist Zak Starkey tatsächlich Schlagzeuger bei The Who.

"Komm' nach Hause, wir lieben dich"

Beiden, sowohl Moon als auch Ringos Sohnemann, erweist die Riege der Musikschreiber ungetrübten Respekt: Virtuos und einfallsreich im Spiel, innovativ in den Arrangements, prägend für Zeitgenossen und Nachfahren, so heißt es. Ringo Starr muss auf derlei Ritterschläge lange warten. So knuffig man den Typen mit der großen Nase auch findet, so sehr man sein Kopfschütteln hinter den Becken auch liebt, sein Schlagzeugspiel fliegt lange Zeit unter dem Radar, wird mal belächelt, dann wieder, im Schatten der Großtaten seiner Vorderleute, vornehm verschwiegen.

Erst im Laufe der Dekaden ändert sich das, ergreifen immer mehr Kollegen das Wort. Alternative-Helden wie Dave Grohl, Filigran-Grover wie Stewart Copeland oder großkopferte Taktgeber wie Phil Collins, Chad Smith und Max Weinberg feiern sein Spiel. Und das mit Recht: Wie Ringo Starr Songs vom Schlage "Can't Buy Me Love" oder "Eight Days A Week" so leicht anshuffelt, die Beats von "Ticket To Ride" oder "Come Together" zur tragenden Trademark des jeweiligen Stückes macht, sich der Groove von "Tomorrow Never Knows" zur Blaupause von Bigbeat, Hip-Hop und Neo-Funk entwickelt - nur einige Beispiele dafür, wie stilprägend und visionär der Mann aus Liverpool die Drumsticks führt und geführt hat.

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Eine Erfahrung, die auch die drei verbliebenen Beatles machen müssen, während Ringo in die italienische Sonne blinzelt. Mal setzt sich Paul im Studio an die Drums, mal jemand anders. Wirklich gut klingt es nicht. Schließen fassen die drei einen Entschluss, schicken ein Telegramm Richtung Sardinien. "You're the best Rock'n'Roll-Drummer in the World. Come on Home, we love you", steht da geschrieben. "Du bist der beste Rock'n'Roll-Drummer der Welt. Komm' nach Hause, wir lieben dich". Ringo folgt dem Ruf, kehrt nach London zurück, macht sich auf den Weg ins Studio, wo sein Drumkit steht, über und über mit Blumen geschmückt. Bis zum endgültigen Split dauert es keine zwei Jahre, für den Moment aber sind die Beatles im Spätsommer 1968 wieder einmal John, Paul, George - und Ringo.

Jetzt feiert der ewige Beatle seinen 80. Geburtstag. Mögen noch viele dieser Ehrentage folgen. Happy Birthday, Ringo Starr. Und natürlich: Peace & Love.

Quelle: ntv.de