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Zum Tod von Prinz Philip Der royale Querkopf

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Prinz Philip im Juni 2017 in Ascot.

(Foto: picture alliance / Steve Parsons)

Jahrzehntelang war Prinz Philip der wichtigste Ratgeber seiner Frau Queen Elizabeth II. Er wahrte bis zuletzt eine gewisse Distanz zu seinen Aufgaben in der königlichen Familie. Er hinterlässt eine große Lücke in der britischen Monarchie.

Seine öffentlichen Auftritte hatte er bereits auf ein Minimum reduziert. Ab Herbst 2017 wollte Prinz Philip keine offiziellen Verpflichtungen mehr wahrnehmen. Es war die schwindende Gesundheit, die ihm einen Strich durch die Rechnung machte. Die Krankenhausaufenthalte hatten sich zuletzt gehäuft. Nun ist die Lebensuhr des Hochbetagten abgelaufen. Queen Elizabeth II. verliert ihren Ehemann, den Vater ihrer vier Kinder - und ihren wichtigsten Ratgeber. Für sie ist es ein schwerer Schlag. Es bleibt abzuwarten, wie sie diesen verkraftet.

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Immer hinter der Queen.

(Foto: dpa)

Obwohl er nicht das Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs war, stellt Philips Tod dennoch eine Zäsur für die britische Monarchie dar. Ein Grund ist seine lange Ehe mit der Königin - fast ein Dreivierteljahrhundert währte sie allein aufgrund der Tatsache, dass beide ein gesegnetes Alter erreichten. Dazu kommt die lange Regentschaft der Queen, die längste einer britischen Monarchin überhaupt. Die meisten Menschen auf dem Planeten kennen nur die Queen als britisches Oberhaupt und ihren Mann, der bei offiziellen Anlässen immer zwei Schritte hinter seiner Frau ging. Diese Bilder gehören nun endgültig der Vergangenheit an.

Ein anderer Grund ist die Unabhängigkeit, die sich Philip trotz des strengen Hofprotokolls immer bewahrt hatte. Im Gegensatz zur Queen erlaubte er sich es schon einmal, das Protokoll einmal etwas durcheinanderzubringen, weil ein Schwatz geführt werden oder eine Lebensweisheit an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht werden musste. Auch Philips unkonventionelle Art, seine Distanz zu dem, was er jahrzehntelang an der Seite der Queen tat, war ein Novum im britischen Königshaus, das sich nicht immer volksnah gab. Der Herzog von Edinburgh, der sich einmal als "enteigneter Balkanprinz für Balkonszenen" bezeichnete, präsentierte die Windsors auf seine eigene Weise. Für ihn war die Royal Family eine "Firma", die ihren Dienst für das Volk zu verrichten hat. Und er ließ das so manchen Höfling alter Schule spüren.

Familiäre Odyssee

Philip war ein wichtiges Zahnrad im königlichen Getriebe, aber er hatte darum nie viel Aufheben gemacht. Für seine Ehe und die damit verbundene Arbeit an der Seite der Queen opferte er eine vielversprechende Karriere bei der Marine. Philip war es, der Hintergrundarbeit leistete und hinter den Kulissen die Fäden zog. Viele ihm Nahestehende bestätigten in Interviews, dass er der eigentliche Chef des Windsor-Clans war und die Familie in guten wie in schlechten Zeiten zusammenhielt.

Die ersten Jahre an der Seite von Elizabeth waren für Philip alles andere als einfach. Sie kannten sich schon lange vor ihrer Hochzeit am 20. November 1947. Erstmals trafen sich Elizabeth und Philip 1934. Zu diesem Zeitpunkt war überhaupt noch nicht absehbar, dass das achtjährige Mädchen überhaupt einmal den Thron besteigen würde. Erst der Thronverzicht von Elizabeths Onkel Edward VIII. Ende 1936, der sich für die Ehe mit der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson entschied, brachte ihrem Vater Georg VI. die unfreiwillige Königswürde. So wurde Elizabeth im Alter von elf Jahren Kronprinzessin.

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Philips Eltern Alice von Battenberg und Prinz Andreas von Griechenland.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Bei einem erneuten Wiedersehen 1939 funkte es dann. Die Thronfolgerin verliebte sich in den griechischen Prinzen mit dänischen und deutschen Wurzeln, der eine wahre familiäre Odyssee hinter sich hatte und als mittellos galt. Elizabeths Eltern waren dagegen, dass der Neffe des 1922 gestürzten griechischen Königs Konstantin I. Ehemann ihrer ältesten Tochter wurde. Vor allem die Mutter der Queen mochte ihn nicht wegen seiner deutschen Herkunft. Nach zwei Weltkriegen, in denen Großbritannien und Deutschland Gegner waren, war der Hof antideutsch gestimmt. Auch galt Philip, der durch die politischen Ereignisse nach dem Ersten Weltkrieg ziemlich dramatisch ins Leben gestartet war, bereits als junger Mann als nicht gerade pflegeleicht.

Wie sollte er auch? Innerfamiliäre Konflikte durchzogen seine Kindheit und Jugendzeit - und das auch noch im Exil. Philips Mutter Alice von Battenberg, die nach Paris ging, war psychisch krank und musste in eine Klinik eingewiesen werden. Sein Vater Prinz Andreas von Griechenland lebte mit seiner Geliebten in Monte Carlo. Alice war auf die Unterstützung von Verwandten und Freunden angewiesen. Philip, jüngstes ihrer fünf Kinder, wurde zu Verwandten abgeschoben - auch zu den in Deutschland lebenden älteren Schwestern. Philip musste wie ein Waisenkind sehr früh auf eigenen Beinen stehen. Onkel Louis Mountbatten, ein Bruder von Alice von Battenberg, der eine enge Verbindung zum Königshaus hatte, nahm sich seiner an. Er war auch maßgeblich daran beteiligt, dass die Ehe mit Thronfolgerin Elizabeth dann doch zustande kam. Als Philip schließlich auf seinen griechischen und dänischen Titel verzichtete und zur anglikanischen Kirche konvertierte, führte Georg VI. seine Tochter zum Altar.

"Was hast du denn für einen Hut auf?"

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Nach Elizabeths Krönung am 2. Juni 1953 mit den Kindern Charles und Anne auf dem Balkon des Buckingham-Palastes.

(Foto: dpa)

Aber in ihr Herz schlossen König und Königin ihren Schwiegersohn nicht. Dazu trug neben dem schwierigen deutsch-britischen Verhältnis auch seine Unangepasstheit bei. Es waren wohl die schweren ersten beiden Lebensjahrzehnte, die Philip mit seinem berühmten schwarzen Humor ausstatteten. Den Hofschranzen im Buckingham Palast war der junge Blonde nicht geheuer, sie fürchteten seine brüske, zuweilen arrogante Art. Dass Philip seinen Namen Mountbatten (er ersetzte Battenberg) ablegen und durch Winsor ersetzen musste, erzürnte ihn. Er fühle sich wie ein "geschlechtsloser Einzeller, wie eine Amöbe", tobte der junge Ehemann.

Und die Zeiten wurden noch komplizierter, denn Elizabeth wurde nach dem frühen Tod Georgs VI. bereits 1952 Königin. "Was hast du denn für einen Hut auf?", fragte Philip seine Frau bissig, als sie mit der Krone vor ihm stand. Allerdings sah auch er sich nun einer neuen Situation ausgesetzt, war er nicht mehr nur Ehemann des britischen Staatsoberhaupts, sondern nach Schwörens ewiger Treue im Rahmen der Krönung 1953 auch ihr Lehensmann und Diener. Dazu übernahm Philip die Erziehung der zu Beginn von Elizabeths Regentschaft bereits geborenen Kinder Charles und Anne. Wie Philip musste auch Charles die harte Internatserziehung im schottischen Gordonstoun über sich ergehen lassen - auf Betreiben seines Vaters.

Philip erschloss für sich aber auch Freiräume. So lernte er in den 1950er-Jahren zum Entsetzen des Hofes das Fliegen. Er floh auch schon mal aus dem königlichen Gefängnis und war Stammgast in einem berüchtigten Londoner Herrenklub. Es gab Spekulationen über Affären des Herzogs von Edinburgh - Philip wiegelte immer ab, und der Hof hielt sich bedeckt. Er war maßgeblich an der Entwicklung der königlichen Jacht "Britannia" beteiligt, die 1953 getauft wurde und bis zu ihrer Stilllegung durch die Regierung von Premierminister Tony Blair Ende 1997 von der Königin und ihrer Familie genutzt wurde.

Um Aussöhnung mit Deutschland bemüht

Aber Philip setzte auch politische Akzente. So trug er maßgeblich zur deutsch-britischen Aussöhnung bei. Am Zustandekommen des ersten Staatsbesuchs der Queen in der Bundesrepublik Deutschland 1965 war er entscheidend beteiligt - natürlich in aller Diskretion. Fernab der Kameras pflegte Philip die Beziehungen zu seiner deutschen Verwandtschaft. Einen fachkundigeren Deutschlandkenner als ihren Mann konnte Elizabeth gar nicht haben.

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Auf Staatsbesuch in der Bundesrepublik im Jahr 1965.

(Foto: picture alliance / dpa)

Philip hielt seiner Frau den Rücken frei, und die Queen war ihm sehr dankbar dafür. Sie ging mit der ihr eigenen Gelassenheit mit den Eigenarten ihres Mannes um. "Prinz Philip hat mir schon viel zu oft zuhören müssen, fürchte ich", sagte Elizabeth II. anlässlich ihres 50. Hochzeitstages 1997: "Oft sprechen wir meine Reden vorher durch, und seine Ansichten trägt er mit Überzeugung vor. Er gibt nicht viel auf Komplimente, aber er war ganz einfach in all den ganzen Jahren meine Stärke und mein Rückhalt."

Der Herzog von Edinburgh, der seine Frau auch schon mal "cabbage" (Kohlkopf) oder "sausage" (Würstchen) genannt haben soll, blieb nichts schuldig. "Wir haben gelernt, dass Toleranz die wichtigste Zutat für eine Ehe ist. Sie mag nicht so wichtig sein, wenn es gut läuft, aber sie ist überlebenswichtig, wenn es schwierig wird. Und glauben Sie mir, die Queen verfügt über Toleranz im Überfluss." Eine Augenbraue der Königin ging daraufhin leicht nach oben.

"Erfahrenster Gedenktafel-Enthüller der Welt"

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Prinz Philip läuft mit den Enkeln William und Harry sowie Prinz Charles und Earl Spencer hinter dem Sarg von Prinzessin Diana.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es gab diese Krisenzeiten. Die Ehen der Kinder Charles, Anne und Andrew zerbrachen. 1992 - die Queen nannte es ihr "annus horribilis" - brannten Teile von Schloss Windsor. Vor allem das öffentliche Ausschlachten des Zerwürfnisses zwischen Charles und Diana setzte der Monarchie zu. So wurde in diesem Zusammenhang kolportiert, dass Prinz Philip seinen Ältesten, der in die verheiratete Camilla Parker Bowles verliebt war, zur Hochzeit mit der wesentlich jüngeren Diana gedrängt haben soll. Später soll er in Briefen der ihr Leid klagenden Princess of Wales seine Hilfe angeboten haben. Nach Dianas Unfalltod am 31. August 1997 kümmerte er sich gemeinsam mit der Queen rührend um die Enkel William und Harry. Die Scharte der zu späten Rückkehr nach London wetzte Philip aus, indem er seine Enkel hinter dem Sarg ihrer Mutter begleitete.

Philip war ein sehr fleißiger Arbeiter im Dienste der Krone. Noch im Jahr 2016 hatte der 95-jährige Herzog an 110 Tagen offizielle Verpflichtungen wahrgenommen. Er war Schirmherr, Präsident oder Mitglied von insgesamt 780 Organisationen. Seine royale Querköpfigkeit bewahrte er sich aber bis ins hohe Alter. In seinem ihm eigenen Humor bezeichnete sich Philip einmal als "erfahrensten Gedenktafel-Enthüller der Welt". Diese Aufgabe wurde allerdings schon zu seinen Lebzeiten von den nachfolgenden royalen Generationen übernommen. Denn das hohe Alter forderte seinen Tribut: Am 2. August 2017 absolvierte Philip seinen letzten öffentlichen Auftritt und zog sich auf Schloss Sandringham zurück. Während der Corona-Krise lebte er gemeinsam an der Seite der Queen in Windsor Castle.

Prinz Philip starb am 9. April im Alter von 99 Jahren in Windsor.

Quelle: ntv.de

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