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Zwei Frauen, ein Kreuz, Europa Doro Bär und Mia Florentine Weiss begeistern

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Leidenschaft für die Sache: Künstlerin und Politikerin bei der Arbeit.

Was passiert, wenn eine Konzeptkünstlerin und eine Staatsministerin für Digitalisierung aufeinandertreffen? Ganz einfach - sie bringen ein gemeinsames Projekt voran, und zwar flott. Mia Florentine Weiss fragt bereits seit Jahren Menschen auf der ganzen Welt "What is your Place of Protection?" und Dorothee Bär liebt es - nicht erst, seit sie in Amt und Würden ist - Menschen miteinander zu verbinden, aufzuklären und sie davon zu überzeugen, Europa als das zu sehen, was es wirklich ist: eine riesige Chance! In Bezug auf Kunst ist sie der Meinung, dass die Digitalisierung es ermöglicht, diese nicht nur zu betrachten, sondern selbst dazu beizutragen. Deshalb war sie Feuer und Flamme, als sie von Weiss' Installation "Kreuzweg" und der dazugehörigen Plattform #LOVEUROPE hörte: "Das Projekt unterstreicht den Gedanken der Gemeinsamkeit, denn nur gemeinsam können wir den Herausforderungen unserer Zeit von Klimawandel über Nationalismus bis hin zu religiösem Extremismus entgegentreten".

Weiss und Bär scheinen auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam zu haben und doch verbindet sie inzwischen eine Freundschaft, die von Respekt und Interesse für andere Menschen geprägt ist. Weiss, die in ihren Werken am liebsten die Extreme menschlicher Emotionen gegenüberstellt (ihre Skulptur "Love Hate" vor dem Münchener Siegestor ist das neue Symbol für Frieden in Europa, zur Europa-Wahl Ende Mai wird sie in die EU-Flagge gehüllt) hat sich zur Aufgabe gemacht, "den wachsenden, allgegenwärtigen Hass auf der Welt in Liebe umzuwandeln". Mit ihrer Instagram-affinen Freundin im Bundeskanzleramt ist sie auf dem besten Weg, dieses Ziel zu erreichen. Mit den beiden "Kreuzritterinnen" sprach n-tv.de über das, was frühere Bundeskanzler gern mal als "Gedöns" abgestempelt haben, was heute aber mehr zählt als alles andere: in diesem Gespräch geht es nämlich um sämtliche weiblichen Kernkompetenzen. Achtung - das Gespräch ist nicht kurz.

n-tv.de: Wie ist es zur Kooperation zwischen Ihnen beiden gekommen?

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"Kunst lebt vom Wandel, aber auch vom Erleben dürfen und mit allen Sinnen begreifen," sagt Doro Bär, hier in München mit Mia Florentine Weiss.

Doro Bär: Ich kannte Frau Weiss schon länger aus den Medien - und genauso lange habe ich gedacht, ich sollte sie endlich einmal kennenlernen. Sie stammt schließlich aus Würzburg, ist also Fränkin wie ich. Wir sind uns nicht auf den ersten Blick ähnlich, haben aber viele Gemeinsamkeiten. Und: Sie macht Kunst, ich liebe Kunst. Kunst hat mich in meinem Leben immer begleitet, sei es in der Schule oder im Beruf. 

Sind Sie denn auch eine Künstlerin?

DB: Sagen wir mal so: Ich bin interessiert. Aber leider nicht talentiert (lacht). An dem Tag jedenfalls, an dem ich erfahren habe, dass ich Staatsministerin für Digitalisierung werden soll, habe ich an der Skulptur LOVE HATE vor dem Münchener Siegestor angehalten und von dort aus meinen ersten Instagram-Gruß als designierte Staatsministerin für Digitalisierung gesendet - und zwar in der Skulptur stehend.

Und sich damit für die bereits erhaltenen Glückwünsche bedankt … 

DB: Genau. Jemand hat Mia Florentine Weiss und mich dann unter meinem Post verlinkt und keine drei Wochen später haben wir uns in Berlin getroffen. 

Sie wurden also im Internet verkuppelt … 

DB: (lacht) Ja, aber alles ganz seriös!  

Mia Florentine Weiss: Genau, und dann haben wir uns in Berlin getroffen, ausgetauscht, und dann ging es ganz schnell um Inhalte. Darum, was jede von uns transportieren, erreichen möchte. 

Was da wäre?

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Think big - ja warum denn nicht?! Doro Bär hat viel vor.

(Foto: imago/Metodi Popow)

MFW: … dass wir gerne andere begeistern und auch bewegen möchten. Letztendlich lief es auf das Projekt zu, an dem ich schon seit drei Jahren arbeite. Das passt so gut, weil der Berlin-Bezug da ist, und das Stichwort "Grenzenlosigkeit" ist für uns beide sehr wichtig. Wenn man heute irgendwohin durchdringen will, dann muss sich mit den Medien beschäftigen, und deswegen empfand ich die Schnittstelle zur Politik über die Digitalisierung geradezu wie eine Erleuchtung. Ich liebe es, Informationen zu sammeln, ich liebe es auch, Menschen zusammenzubringen, vor allem aus unterschiedlichen Bereichen. Und deswegen erschien mir die Grenzenlosigkeit des Internets, wenn sie auf einer digitalen Ethik beruht, sehr stimmig in Bezug auf das Europa-Projekt, was die Ausstellung angeht. So kam dann die Schirmherrschaft zustande. 

Das Projekt heißt KREUZ WEG.

MFW: Genau, der Titel stammt von Kurator Paul Spies. Der Titel impliziert eine Doppeldeutigkeit, nämlich entweder den KREUZWEG oder KREUZ WEG. Ich mag diese doppelten Auslegungen ja sehr, denn es bleibt eine gewisse Offenheit, von der wir nicht wissen, in welche Richtung wir uns bewegen werden. Der Titel steht natürlich auch für "Quo Vadis - Religion", "Quo Vadis - Europa", und vielleicht auch "Quo Vadis" für jeden von uns selbst. 

KREUZ WEG symbolisiert auch eine Kreuzung, an der sich jeder neu überlegen kann, wo er langgeht. In Europa stehen wir gerade an vielen Kreuzungen.

DB: Als Erstes ist es ja so, dass ein Kreuz grundsätzlich polarisiert. Mich hat in letzter Zeit sehr stark die Rede meines Parteifreundes Manfred Weber beeindruckt, in der er sagte, wie groß Europa tatsächlich ist, und uns quasi auf einen virtuellen Flug über Europa mitgenommen hat. Was schon auffällt ist, egal, wo man startet, egal, wo man entlangfliegt - man sieht immer Kirchtürme in Europa. Das heißt, dass der christliche Glaube eine große Rolle spielt, auch wenn er unterschiedlich gelebt oder interpretiert wird, aber er ist ein verbindendes Element. Und ich denke, das ist auch das, was Mia meint, nämlich dass die Ethik und die Werte uns verbinden. Das passt gut zum Internet. Und auch zu Deutschland, denn wir sind das einzige Land, das nicht nur die technischen Aspekte des Internets beleuchtet, sondern auch eine Datenethik-Kommission hat.

In der es um die Fragen geht … 

DB: … was darf Digitalisierung? Darf das Internet alles, was es theoretisch kann?

Und?

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Zwei Frauen, ein Gedanke: Mia Florentine Weiss und Doro Bär beim Bambi 2018.

DB: Nein, das sieht man zum Beispiel anhand der Gen-Forschung. Es kann nicht alles erlaubt werden, bloß weil es technisch möglich ist. Das Gleiche gilt für das Thema Gesichtserkennung in China, es findet ein Scoring der Bürger statt und das hat nichts mit der Ethik und den Werten in Deutschland - und auch in Europa - zu tun, finde ich. Ursprünglich ging es bei Mia und mir auch mit dem Thema "100 Jahre Versailler Friedensvertrag" los, und dann habe wir aber vor allem herausgearbeitet, wie wichtig es ist, ihr Projekt #LOVEUROPE, gerade vor der Europawahl im Mai, bekannt zu machen. Um die Werbetrommel für Europa zu rühren! Gerade in der heutigen Zeit, denn wir brauchen keine weiteren Parteien oder Strömungen, die sagen, dass wir nach dem Brexit den Dexit bräuchten oder dass Europa keine gute Idee sei. Für mich als Vertreterin der zweiten Nachkriegsgeneration ist es wahnsinnig wichtig, zu betonen, dass Europa eine Stellung als Friedensunion hat. Wir haben meines Erachtens Europa in den letzten Jahrzehnten zu sehr den Finanzministern überlassen, es wurde  oft rein fiskalisch diskutiert und argumentiert, das ist aber nichts, was für die Menschen greifbar ist. Und um jetzt auf unser Thema wieder zurückzukommen: Über Kunst und Kultur gelangt man am ehesten in die Herzen der Menschen und kann vielleicht erreichen, Europa als großes Friedensprojekt zu betrachten. 

Kann man Europa denn tatsächlich mit Kunst und Kultur retten? 

DB: Nehmen wir das Beispiel Großbritannien - dort werden Themen wie Reisefreiheit und grenzenloser Warenverkehr deutlich eingeschränkt werden. Die jungen Wähler, die sich gegen den Brexit entschieden haben, werden nun abgestraft von älteren Wählern, die für den Brexit gestimmt hatten. Absurd! Wenn ich mit jüngeren Leuten spreche, höre ich eigentlich immer Hoffnung und Zuversicht, was Europa angeht. Ich bin natürlich Fränkin und Bayerin und Deutsche, aber eben auch Europäerin. Man muss sich zum Glück nicht entscheiden, es ist kein Widerspruch. Aber wir brauchen eben Themen, die übers Finanzielle hinausgehen, die einen erwärmen, die uns unterscheiden von den USA und auch von China. Und wenn wir es doch nochmal wirtschaftlich betrachten wollen: Menschen, die miteinander Handel betreiben, die an einem Tisch sitzen, die führen keine Kriege gegeneinander. 

Das Thema Glauben spielt eine große Rolle für euch - welche?

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Eher auf der Seite der Liebe als auf der des Hasses: Mia Florentine Weiss.

(Foto: imago/Overstreet)

MFW: Ich bin in einem Elternhaus aufgewachsen, das Europa immer im Blick hatte. Ich habe alle Privilegien Europas genießen können, zum Beispiel beim Interrail. In Europa ging es ständig voran: Schengen-Abkommen, Reisefreiheit, keine Pässe, die Wunderwährung Euro … ich dachte eigentlich, das geht immer so weiter! Als Kontrast dazu bieten die Themen Flüchtlingskrise oder Umweltproblematik den Gegenpol und wie ich gerade gelernt habe, hängt Europa in Sachen Digitalisierung dem Rest der Welt anscheinend komplett hinterher. Ich glaube dennoch weiterhin an das Friedensprojekt Europa. Und vor allem glaube ich an das Grundgesetz, insbesondere an den Paragrafen "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Eine ganz normale, soziale Ethik wie im kategorischen Imperativ von Immanuel Kant - also "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde" - ist für mich Religion. Und die kann jeder so ausleben, wie er es für richtig hält. Das Thema "Glaube und Religion" steht aber für meine Ausstellung gar nicht so sehr im Vordergrund, sondern eher Folgendes: Wir haben mit dem Kreuz ein Symbol, das die Geschichte Europas mit 80 Prozent Christen sehr stark beeinflusst hat. Zwei sich kreuzende Linien - mehr ist das nicht. Und die einfache Geste, dieses Kreuz niederzulegen, das kann eine neue Perspektive eröffnen. Im Rahmen dieses Kreuzes können Menschen in den Dialog treten, das wird die Kraft dieser Ausstellung sein, es wird eine Offenheit geben, bei der es überhaupt nicht mehr darum geht, dass da mal ein Kreuz lag, denn am Ende geht es um diese Kreuzung, um Europa und diese Handvoll Erde.

Es geht also auch um die Perspektive - ich schaue nicht mehr zu dem Kreuz auf, das an der Wand hängt oder in einer Kirche steht, sondern ich bin quasi auf Augenhöhe, Teil davon, es ist erlebbar, ich kann es anfassen. 

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Glaubt an Europa: Mia Florentine Weiss in München.

(Foto: mfw)

MFW: Ja, und auch die Erde drumherum aus den 47 europäischen Staaten. Die Metapher lautet: Wir haben ein Kreuz, das wird zur Kreuzung, denn dann ist ein Dialog möglich und genau das wünsche ich mir für Europa und den Rest der Welt. Und: wir haben nicht nur eine Installation, sondern auch eine Interaktion; das macht die Mehrdimensionalität dieses Projektes aus. Deswegen ist es so toll, dass wir jetzt eine Digitalministerin haben, die sich dafür stark macht, eine Universität der Künste, die sich ebenfalls dafür stark macht, wir haben "A Soul For Europe", "A Pulse For Europe", wir haben unterschiedlichste pazifistische Bewegungen, die etwas bewegen wollen. Zu Handeln - das bin ich schon allein meinem Sohn schuldig, denn ich möchte nicht in 20 Jahren gefragt werden: "Mama, was hast du eigentlich getan?" 

Wir haben inzwischen ja wieder Menschen, die auf die Straßen gehen.

MFW: Ja, selbst wenn es regnet (lacht). Das ist so großartig!

Ich sehe der Zukunft Europas inzwischen wieder positiver gestimmt entgegen, wenn ich Ihnen beiden zuhöre. 

MFW: Schön. Wir haben Unterstützung aus der Politik, aus der Wirtschaft, von Stiftungen und von den Menschen - mehr kann man sich fast nicht wünschen. Das Interesse ist riesig. 

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Die Ministerin hat auf jeden Fall Spaß bei der Arbeit!

(Foto: dorobaer/ Instagram)

DB: Die Unterstützung kommt auch von ganz weit her, die ehemalige Botschaftergattin Kimberley Emerson zum Beispiel, obwohl schon längst wieder in Los Angeles, setzt sich für das Projekt ein. Wie viele andere auch. 

Wie wichtig ist Toleranz? 

DB: Toleranz ist natürlich äußerst wichtig, aber man kann nur tolerant sein, wenn man sich seiner eigenen Wurzeln bewusst ist. Ich gratuliere zum Geburtstag beispielsweise immer mit dem Wunsch "Und Gottes Segen" - ich habe festgestellt, dass die meisten sich darüber sehr freuen, ganz besonders auch Atheisten und generell die Menschen egal, wie gläubig sie sind. 

Brauchen wir Religionsunterricht an den Schulen? 

DB: Ich finde schon. Es ist doch traurig, dass in den neuen Bundesländern nur noch weniger als 20 Prozent der Kinder getauft werden und Religion als Fach als erstes abgewählt wird. Dabei vermittelt es so viel Allgemeinbildung. 

Brauchen wir mehr Digital-Unterricht an den Schulen? Man hat ja den Eindruck, die Kinder kennen sich bestens aus mit Handy und Co.

DB: Das schon, aber es ist ein vermeintliches Wissen. Wir haben Pläne und theoretisch genug Geld, aber die Länder finden, dass der Bund sich nicht einmischen soll und deswegen liegt vieles auf Eis. Jedes einzelne Land kann Ihnen das Prinzip des Föderalismus und der Kulturhoheit erläutern, aber es herrscht eben keine Einigkeit. Ich finde, wir als Bund haben eine Verantwortung, denn es geht nicht, dass wir 16 verschiedene Curricula haben und dass ein Kind davon abhängig ist, wo es zufälligerweise in die Schule geht. Aber ich kann Ihnen versichern: den meisten Applaus bekommen Sie, wenn Sie sich vor ein Publikum stellen und sagen: "Mir ist ein guter Unterricht mit Tafel und Kreide lieber als ein schlechter mit Tablet". Da gibt es donnernden Applaus - dabei ist das ein solcher Schwachsinn, schlechter Unterricht ist ja nie gut (lacht).

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Liebe kann nicht alle Probleme lösen, aber ohne Liebe geht es gar nicht.

(Foto: mfw)

So kommen wir keinen Schritt weiter.

DB: Genau. Lehrer, Eltern und Schüler wünschen sich vom Bund, dass die Schulen besser ausgestattet werden, inhaltlich und von der Hardware her. Und dann kommt der nächste populistische Einwand der ewigen Nein-Sager: Ja, aber erstmal müssen die Toiletten in Ordnung gebracht werden … 

Als ob das die Alternativen wären … 

DB: Deswegen ist meine Digitalpolitik auch mit einem großen "Sowohl als auch" betitelt und nicht mit einem "Entweder oder" - aber das in die Köpfe zu bekommen, ist schwer. Wir dürfen die Kinder doch gar nicht allein lassen, wir sind es den Kindern schuldig, sie fit zu machen für die Zukunft. Nicht alle Eltern können das zu Hause leisten, da müssen natürlich die Schulen ran. Ich kann zum Beispiel mit einer VR-Brille zeigen, wie der Verdauungstrakt funktioniert. Das ist doch viel anschaulicher und einprägsamer als ein Lehrbuch. Das heißt aber nicht, dass das gedruckte Buch vollkommen überflüssig ist, darum geht's nicht. 

Uns rinnt die Zeit durch die Finger, sowohl im Kleinen als Familie als auch als Land im Großen  … Aber zurück zur Kunst. Was steht als Nächstes an?

MFW: Das Kreuz wird gebaut, das muss vom TÜV abgenommen werden …

DB: … das klingt nicht so sehr nach Kunst, oder, Mia? Hast du dir das so vorgestellt, dass der TÜV an deine Skulpturen muss?

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Kreuzweg. Oder Kreuz weg? Da können Sie gern selbst mal anfangen, zu interpretieren.

MFW: (lacht) Nein, das ist neu und darüber könnte ich ganze Abhandlungen schreiben. Man muss sich das so vorstellen, dass ich quasi ein Haus hineinbaue in eine der ältesten, denkmalgeschützten Kirchen Berlins, in einer Dimension, die so noch nie dagewesen ist. Schon andere Künstler haben Korridore und Kreuztunnel gemacht und sich damit beschäftigt, und auch mit der Erde, das ist ja keine Erfindung von mir. Aber du hast gefragt, was ansteht: Im April wanderten die Love-Hate-Skulpturen nach den bisherigen Standorten Frankfurt am Main vor dem Senckenberg-Naturkundemuseum und in München vor dem Siegestor weiter auf den Vorplatz des Bayrischen Nationalmuseums, wo sie am 8. April von Direktor Frank Matthias Kammel in Empfang genommen und von Doro Bär in Anwesenheit anderer geladener Gästen feierlich eingeweiht wurden. Im Rahmen der Kooperation mit der Stiftung Zukunft werde ich dann am 13. April auf der "A Soul For Europe Conference 2019" als Rednerin auftreten und in meiner Rolle als Künstlerin Politikern kritische Fragen stellen. Im Mai werden dann die Skulpturen unter dem Motto #LOVEUROPE in der Zeit ab dem Europatag bis zum Ende der Europawahlen, vom 9. bis zum 26. Mai in den Bündnisstädten Frankfurt am Main, Berlin, Würzburg, Goslar und Erfurt temporär im Gewand der Flagge Europas mit einem generations-­ und länderübergreifenden Bildungsauftrag an ausgewählten Standorten präsentiert. Am 18. Mai findet mit der Präsentation der Love-Hate-Skulpturen rund um den symbolträchtigen Ort des Brandenburger Tores, das von der Teilung der Stadt Berlin und ihrer Überwindung kündet, ein weiterer Höhepunkt der Kunstaktion #LOVEUROPE in Anwesenheit von Doro statt. Als Botschafter für ein vereintes, friedliches und freies Europa werden die Skulpturen danach unter der Maxime MAKE LOVE NOT HATE! mit ihrer Botschaft für Europa weitere Städte in Deutschland und Europa passieren. Am 5. September ist dann die Eröffnung der Ausstellung KREUZ WEG geplant. Und in der Zwischenzeit möchte ich noch die Reise durch Europa fortsetzen, um Erde zu sammeln. Ich möchte vor allem noch mehr von Europa kennenlernen, über Frankreich und Italien nach Andorra und Georgien schauen. Und ich möchte gern den Grundsatz "Diversity in Unity" betonen.

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Doro Bär hat fast immer gute Laune - und das ist auch gut so!

(Foto: imago images / Metodi Popow)

Der da besagt?

MFW: Dass man nicht seine Besonderheiten und kulturellen Identitäten aufgeben sollte wie in einem amerikanischen Melting-Pot. Nein, ich möchte das alles erhalten, aber dennoch an einem Strang ziehen. 

DB: Was ich ja liebe - ich gebe es zu - ist der Eurovision Song Contest. Was da alles aufeinandertrifft! Millionen von Menschen erfahren, was es noch für Länder um sie herum gibt. Und wie unterschiedlich sich die Länder präsentieren, das ist schon toll! Neben Fußballübertragungen ist das der Abend, an dem ganz Europa vor dem Fernseher sitzt. 

MFW: Die Frage ist doch: Was macht Europa für jeden aus? Da kann man als Blogger, als Influencer oder Filmemacher ja auch mal drüber nachdenken, finde ich. Das ist eine Art von Bildungsauftrag, der auch bei Menschen ankommen würde, die sich sonst nicht so viel Gedanken darüber machen, was Europa eigentlich bedeutet. 

Was bedeutet Europa für dich? 

MFW: Freiheit, Neugierde, Kunst, Mut, Frieden - das steht für Europa, für mich. Humanistische Werte. 

Wie schaffen zwei Powerfrauen wie Doro Bär und Mia Florentine Weiss den Alltag? Der hat ja auch in Ihrem Fall nur 24 Stunden.

DB: Mütter schaffen alles (lacht). Und wenn man Dinge mit Leidenschaft macht, dann geht das auch. Es ist eine Gnade, in diesem Land leben zu dürfen. In Frieden und Freiheit. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich versuche mich möglichst wenig aufzuregen. Die First-World-Problems einzuordnen und auch mal dankbar zu sein. Zum Beispiel dafür, dass meine Oma noch in meinem Vier-Generationen-Haus wohnt. Außerdem gehe ich lieber um fünf in der Früh ins Bett, als um fünf aufzustehen (lacht) …  

MFW: Ich denke ja schon, dass ich hardcore bin, aber Doro ist noch viel härter im Nehmen (lacht). Und für meinen Alltag wichtig sind zwei Elemente: Wurzeln und Flügel. Ich bin verhaftet in einem Wertesystem und darf trotzdem Visionen haben. Man kann es auch Bodenhaftung mit Weitblick nennen. Und man darf keine Angst haben, zu scheitern. 

Wie gehen Sie mit Männern um, die sich Ihnen gegenüber aufspielen, die bossy sind?

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Sie kann austeilen - muss aber auch einstecken: Zum Beispiel, wenn sie mit dem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer beim Deutschen Computerspielpreis in einer "Berliner Variante für das Dirndl" auftritt ...

(Foto: imago images / Future Image)

DB: Es wird ein bisschen weniger, aber ich bin auch einfach immer feministischer geworden. Hätte ich früher nie gedacht, ich fand den Begriff "Feminismus" als Teenager eher schlimm. So hart wie mit Frauen geht man mit Männern nicht um. Ich werde auch hart angegangen, aber ich komme gut damit klar. Meine Devise ist: "Würdest du dich in einem halben Jahr noch darüber ärgern?", und wenn das nicht Fall ist, dann lass' ich es gleich ganz. Ich relativiere das, denn dafür ist mir meine Lebenszeit zu schade. Außerdem bin ich ein positiver Mensch - was per se manch andere schon nervt und provoziert (lacht)

MFW: Frauen sind ganz oft spannender, finde ich. 

DB: Ja, ich liebe Frauen-Biografien. 

Und die Frauen-Quote?

DB: Ist eine Krücke. Und sie ist noch längst nicht ausreichend. Ich achte auf eine Fifty-Fifty-Einteilung zum Beispiel, wenn wir Sprecher für eine Veranstaltung suchen. Aber ganz klar: Wir müssen uns sichtbarer machen und uns besser unterstützen. 

Mit Dorothee Bär und Mia Florentine Weiss sprach Sabine Oelmann

Quelle: n-tv.de

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