Unterhaltung

Dschungelcamp - Tag 6Die Moralmaschine läuft heiß

29.01.2026, 01:29 Uhr Verena-Maria-DittrichVon Verena Maria Dittrich
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Auch das moralische Gewissen des Camps muss mal duschen. (Foto: RTL)

Nicole stellt Gil zur Rede, Samira hört zu und nur einer beißt sich durch die Prüfung. Doch unsere Ariel schafft es, selbst beim Loben wieder abzuwerten. Tag 6 im Dschungel zeigt, dass selbst die Zuschauer von der wandelnden Haltung der Schweizerin langsam genug haben.

"Ich würde gerne darüber reden, ich kann es aber nicht", sagt Gil. Herrschaftszeiten, Kinder des Dschungels - natürlich ist es verständlich, dass man Antworten möchte, gerade dann, wenn jemand schweigt. Aber zu glauben, man könne sich beim Publikum Pluspunkte sichern, indem man immer wieder auf derselben Person und demselben Thema herumreitet, ist inzwischen vor allem eines: ermüdend.

Hier steht niemand vor Gericht. Und das Dschungelcamp ist auch kein Gerichtssaal, auch wenn manche Camper diesen Ort nur allzu gern dafür halten. Tag 6 ist ein klassischer Wiederkäuer, und der von Ariel als "Verbrecher" bezeichnete Musiker wird dabei einmal mehr zur Projektionsfläche für all das, was man selbst gern richtig machen möchte. Und wieder ist es vor allem eine, die sich daran abarbeitet: die selbsternannte Moralbeauftragte des Camps. Jaha, wir haben es jetzt alle verstanden.

Auffällig ist, wie sehr sich alles immer wieder um Gil Ofarim dreht, ohne dass er selbst viel dafür tut. Der Sänger sitzt da, antwortet ruhig, wägt jedes Wort ab und erklärt zum wiederholten Mal dasselbe: dass es eine Verschwiegenheitserklärung gibt, dass sie nicht nur ihn schützt, sondern auch den Hotelangestellten, der in dieser Debatte so gern stellvertretend bemüht wird. Dass Schweigen nicht automatisch Gleichgültigkeit bedeutet, scheint dennoch kaum jemand hören zu wollen.

Jedes falsche Wort entfacht ein neues Feuer

Nicole Belstler-Boettcher platzt beim Abwasch schließlich der Kragen. "Du kommst hier rein und sagst: Ich möchte wieder Musiker werden. Und ich denke, der Hotelangestellte will auch einfach nur sein Leben", sagt sie. Problematisch wird es dort, wo aus Fragen ein Tribunal wird. "Man darf dich also nicht anrühren, aber du darfst dich hier rehabilitieren?", wirft sie dem Mann mit der Klausel vor. Er bleibt ruhig, fast übervorsichtig. "Ich würde gerne darüber reden wollen", sagt er erneut, beinahe flehend, "mehr kann ich nicht machen."

Das Dschungelcamp bei RTL und auf RTL+

"Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" läuft ab 23. Januar bis zum Finale am 8. Februar täglich um 20.15 Uhr bei RTL. Alle Folgen, vorherige Staffeln und Infos zur Show gibt es zudem natürlich auf RTL+

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(Foto: RTL)

Interessant ist, dass die Eskalation ausgerechnet dort am lautesten wird, wo sie am wenigsten etwas verändert. Nicole sagt später im Dschungeltelefon: "Ihm macht das gar nichts aus." Doch natürlich macht es etwas mit ihm. Diese Zurückhaltung, dieses ständige Abtasten - das wirkt nicht kalt, sondern eher wie jemand, der gelernt hat, dass jedes falsche Wort ein neues Feuer entfacht.

Ganz anders das Gespräch mit Samira während der Nachtwache. Kein Tribunal, keine erhobenen Zeigefinger. Sie fragt schlicht: "Wie kann man das alles aushalten, wenn man es nicht anspricht?" Und Ofarim fragt zurück: "Was soll ich machen? Soll ich mich verstecken?"

Simone trifft später einen Nerv, als sie sagt: "Ich weiß auch nicht, ob man so ewig auf Leuten rumprügeln muss. Er hat genug Shit abbekommen." Und noch deutlicher: "Er ist so ein bisschen wie ein geprügelter Hund. (...) Ich bin nicht mit ihm befreundet, aber ich werde ihn nicht fertig machen", so ihr Plädoyer für das richtige Maß.

Das Camp in der Dauerschleife

Während sich diese Dauerschleife um den 43-Jährigen weiterdreht, sorgt die kleine selbsternannte Moralmaschine zuverlässig dafür, dass es an anderer Stelle wieder eskaliert. Das Handtuch-Gate ist dabei nur der Auftakt. "Ich möchte sofort ein Handtuch, ansonsten packe ich und gehe", ruft die wandelnde Haltung aus der Schweiz. Ja, bitte, bitte, denkt der Zuschauer inzwischen, einfach nur, damit es wieder ruhig wird.

Man fragt sich bei Ariel zunehmend, ob sie merkt, wie sehr sie sich selbst zur Karikatur macht. Alles ist maximal. Dass am Ende ausgerechnet Ofarim freundlich nachfragt und die Handtücher organisiert, kommentiert er trocken mit: "Anscheinend muss man für manche Dinge nur nett fragen."

Der Bettenstreit treibt diese Dynamik auf die Spitze. "Ich sehe nicht ein, einem Gil mein Bett zu geben", erklärt die 22-jährige Prinzipienhüterin, während sie gleichzeitig Solidarität einfordert und auf Prüfungen verweist, die sie täglich machen müsse.

Dazu kommen noch Bauchschmerzen, Periode, Angst vor Tieren - alles Argumente, die einzeln absolut nachvollziehbar sind, in der Summe aber vor allem eines erzeugen: Widerstand. "Es ist nicht dein Bett", hält Stephen dagegen. Am Ende ist es Samira, die schlichtet und selbst auf den Boden geht. Spätestens hier wird klar: Es geht längst nicht mehr um Fairness.

In der Dschungelprüfung setzt sich dieses Bild fort. Wieder eine dieser harten Fressprüfungen. Während Gil und Eva schweigend essen, schreit, würgt und kommentiert die Lautsprecherin jede einzelne Sekunde: "Das ist widerlich", "Ich muss kotzen", "Scheiße!" Viel Gequake, null Sterne. Ofarim dagegen zieht fokussiert durch und holt als Einziger drei Sterne fürs Camp. Als Ariel ihn danach lobt, schiebt sie sofort hinterher: "Auch wenn ich ihn nicht leiden kann." Anerkennung gibt es bei ihr nur in Kombination mit Abwertung. Er bittet sie schließlich, doch wenigstens die Bewertung mal wegzulassen. Vergeblich.

Ariel ist keine Rebellin

Viele Zuschauer haben inzwischen die Geduld verloren. Ein Kommentar auf X fordert, RTL solle Ariel rausnehmen und die Gage kürzen. Das ist überzogen, klar, aber es zeigt, wie sehr sich ob dieses Stresskekses Ermüdung breitmacht.

Was sonst noch geschah, lief ein weiteres Mal beinahe beiläufig ab: Gespräche über Kinder, Verantwortung und lange Beziehungen, ein handfester Regelverstoß wegen einer Kippe, eine erfolglose Schatzsuche. Und doch dreht sich am Ende wieder alles um jene Frau, die in der Prüfung nichts gerissen hat, aber mit großer Geste ins Camp zurückkehrt, als habe sie gerade zwölf Sterne erspielt.

Kleiner Hinweis an alle, die hier Haltung demonstrieren wollen: Permanentes Draufhauen ersetzt keine Einordnung. Gil Ofarim ist kein Held, aber auch kein Punchingball für kollektive Erregung. Und Ariel ist keine Rebellin, sondern eine Drama-Queen, die Lautstärke mit Bedeutung verwechselt. Das Publikum merkt das. Und wählt sie folgerichtig wieder in die nächste Prüfung. Oder, um es mit ihren eigenen Worten zu sagen: "Scheiße, was ist mit der Menschheit los?" Kurze Antwort: einfach mal in den Spiegel schauen.

Quelle: ntv.de

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