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Deutschland nur Drittletzter Duncan Laurence holt ESC-Krone

Wer als Sieger aus dem Eurovision Song Contests 2019 hervorgeht, bleibt bis zuletzt spannend. Erst das Publikumsvotum bringt die Entscheidung für Duncan Laurence aus den Niederlanden. Das deutsche Duo S!sters fällt bei den Zuschauern dagegen auf ganzer Linie durch.

Die Niederlande haben mit der Liebeskummerballade "Arcade" des Interpreten Duncan Laurence den 64. Eurovision Song Contest in Tel Aviv gewonnen. Deutschland landete weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Das Duo S!sters setzte mit Platz 24 die deutsche Misserfolgsserie fort, die nur im vergangenen Jahr unterbrochen wurde, als Michael Schulte überraschend auf Platz vier kam.

In Tel Aviv blieb der deutsche Auftritt im Schatten zugkräftigerer Titel: Der Auftritt des deutschen Duos Laurita Spinelli aus Wiesbaden und Carlotta Truman aus Hannover hatte die Startnummer vier und ging bereits kurz vor 21.30 Uhr über die Bühne. Zwar lief die Show ganz nach Plan, doch das Lied konnte niemanden so recht begeistern. Besonders enttäuschend: Deutschland bekam vom Publikum keinen einzigen Punkt.

Für die Niederlande ist es der fünfte Sieg bei dem Musikwettbewerb - zuletzt gewann das Land vor 44 Jahren. In Tel Aviv sang der 25-jährige Duncan Laurence am Piano sitzend eine berührende Ballade über die schmerzhaften Seiten der Liebe und ein gebrochenes Herz und traf damit den Geschmack von Publikum und Jury. Auf Platz zwei kam Italien, auf Rang drei Russland. Den vierten Platz belegte die Schweiz mit Luca Hänni, der 2012 die RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" gewonnen hatte.

Politische Botschaften auf der Bühne

Der Eurovision Song Contest fand in der Mittelmeermetropole Tel Aviv statt, weil die israelische Sängerin Netta Barzilai im vergangenen Jahr mit ihrem Song "Toy" den ersten Platz belegt hatte. Wegen der jüngsten israelischen militärischen Angriffe auf Syrien gab es mehrere Aufrufe zum Boykott der Veranstaltung in Israel, keine der Delegationen sagte jedoch ihre Teilnahme ab. Rund 20.000 Polizisten waren während der ESC-Woche im Einsatz. Schätzungen zufolge waren an den Bildschirmen in aller Welt wieder rund 200 Millionen TV-Zuschauer dabei.

Für Misstöne in der Show sorgte die isländische Musik- und Performance-Gruppe Hatari. Während ihr Lied "Hatrið mun sigra" (Hass wird siegen) mit Platz 10 im satten Mittelfeld landete, eckten sie bei den Ausrichtern der Show mit dem Hochhalten von schmalen Bannern in den Farben der palästinensischen Flagge und mit der Aufschrift "Palestine" (Palästina) bei der Bekanntgabe ihres Punkteergebnisses an.

Auch Superstar Madonna konnte sich eine politische Botschaft nicht verkneifen. Bei ihrem Auftritt gegen Mitternacht sang die Popsängerin ziemlich schief ihren 30 Jahre alten Hit "Like a prayer" sowie als Weltpremiere den neuen Song "Future" mit US-Rapper Quavo. Neben ihr auf der Bühne waren auf den Rücken von zwei Tänzern die israelische und die palästinensische Flagge zu sehen.

Politische Botschaften sind beim Eurovision Song Contest eigentlich nicht gestattet: Die Europäische Rundfunkunion (EBU) als Veranstalterin betont immer wieder, dass der ESC aus Rücksicht auf die teils sehr unterschiedlichen Teilnehmerländer generell unpolitisch sein solle. Berichten zufolge soll die Kosten für Madonnas teuren Auftritt ein israelisch-kanadischer Geschäftsmann übernommen haben. Schätzungen zufolge bezahlte er dafür rund 1,15 Millionen Euro.

ESC-Fans konnten am Fernseher, vor Ort oder beim Public Viewing ein dicht gepacktes Programm verfolgen: In der Abstimmungspause traten frühere ESC-Gewinner wie Conchita Wurst (2014 Platz eins für Österreich) und der Schwede Måns Zelmerlöw (Sieger 2015) auf sowie Eurovisions-Stars wie Verka Serduchka (2007 Platz zwei für die Ukraine) und Eleni Foureira (2018 Platz zwei für Zypern). Sie sangen ESC-Hits, darunter auch den israelischen Gewinner-Hit von 1979 "Hallelujah" mit Gali Atari.

Bar Refaeli hat Mitleid

Wie jedes Jahr konkurrierten beim Finale 26 Lieder aus 26 Nationen. Insgesamt nahmen an dem Wettbewerb 41 Länder teil. 15 Beiträge wurden in den beiden Semifinals aussortiert, darunter die Lieder aus Belgien, Polen, Portugal und Österreich. Neben Deutschland sind als große Geldgeber automatisch Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien fürs Finale gesetzt, ebenso der Gastgeber, also diesmal Israel.

Neben den europäischen Teilnehmern war zum fünften Mal auch das ferne Australien als Ehrengast dabei, weil es dort viele Fans der Show gibt. Der Auftritt von Kate Miller-Heidke mit dem Lied "Zero Gravitiy" im Opernstil gehörte zu den spektakulärsten der Show. Mit einer Performance auf schwankenden Stangen in etwa fünf Metern Höhe erweckte die Sängerin die Illusion, sie schwebe schwerelos über der Erde. Publikum und Jury honorierten diesen Auftritt mit Platz 9 in der Gesamtwertung.

Die Zuschauer konnten wie immer über den Sieger mit abstimmen, jedoch nicht fürs eigene Land. Ihr Voting wurde ergänzt von Juroren. Von den europaweiten Fernsehzuschauern gab es null Punkte für den deutschen Beitrag, was Model und Moderatorin Bar Refaeli beim Vorlesen leidtat: "I'm sorry". Auch beim Jurydurchlauf waren nur 32 Punkte zusammengekommen. Die Jury-Punkte aus Deutschland gab zum fünften Mal Barbara Schöneberger bekannt. Sie war live von der ESC-Party auf der Hamburger Reeperbahn zugeschaltet. Deutschlands Höchstpunktzahl der Jury ging nach Italien. Für die Zuschauer des Ersten kommentierte inzwischen zum 22. Mal der Musikjournalist Peter Urban (71) die Show.

Den ESC gibt es seit 1956. Deutschland hat den Wettbewerb bisher zweimal gewonnen: 2010 mit Lena ("Satellite") und 1982 mit Nicole ("Ein bisschen Frieden").

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Quelle: n-tv.de, lou/mli/dpa

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