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Freitag, 13. April 2018

"Das ist für mich Blödheit": Ein Stinkefinger für den Echo

Während der eigentlichen Preisvergabe an Kollegah und Farid Bang traut sich beim Echo keiner aus der Deckung. Einzige Ausnahme: Campino. Aber nachträglich gehen schließlich doch noch ein paar Promis auf Distanz - mehr oder weniger deutlich.

Mit der Vergabe des Preises in der Kategorie Hip-Hop/Urban National an Kollegah und Farid Band hat sich der Echo alles andere als mit Ruhm bekleckert.

Offene Kritik an den beiden Rappern und ihrer viel zitierten antisemitischen Textzeile "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen" wollte während der Zeremonie kaum einer üben. Einzig und allein Tote-Hosen-Sänger Campino hatte den Mumm, in seiner Dankesrede seinen Unmut zu äußern: "Für mich ist eine Grenze überschritten."

Erst im Nachhinein trauen sich nun doch noch einige prominente Gesichter, in Interviews oder Beiträgen in den sozialen Netzwerken ebenfalls Stellung zu beziehen. Am deutlichsten wurde dabei wohl Moderator Thore Schölermann. Auf seinem Instagram-Account postete er ein Bild seines Stinkefingers vor einem Echo-Plakat. Für ihn seien mit der Auszeichnung von Kollegah und Farid Bang alle Ehrungen keine Ehre mehr, sondern einfach nur peinlich.

Christensen: "Ich bin aufgestanden"

Der Comedian Oliver Polak, dessen Vater als deutscher Jude den Holocaust überlebte, fand auf Facebook ebenfalls deutliche Worte. Dass der Echo die beiden Künstler am Holocaust-Gedenktag auftreten lasse, sei an Zynismus und Rohheit nicht zu übertreffen, so der 41-Jährige. Es sei eine makabre Doppelmoral, sich von den Inhalten zu distanzieren und diese gleichzeitig zur Primetime ausstrahlen zu wollen. Er hoffe auf Widerstand. Von seinem Kollegen Micky Beisenherz, mit dem er zusammen seit 2015 in der WDR-Sendung "Das Lachen der Anderen" zu sehen ist, gab es für den Beitrag ein "Like".

Auch Moderatorin Ruth Moschner erklärte in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung, für sie hätten die kritisierten Textzeilen von Kollegah und Farid Bang nichts mit Kunst zu tun: "Das ist für mich Blödheit."

Musik-Produzent Alex Christensen, der zu den Gästen beim Echo zählte, ging sogar noch weiter: "Ich bin aufgestanden. Es ist ein ungutes Gefühl. Es ist uns allen ein bisschen peinlich." Wenn man über Opfer rappe, die sich nicht wehren könnten, sei auch für ihn eine Grenze überschritten: "Dann brauch' ich mich mit der Musik auch nicht mehr auseinanderzusetzen."

Maffay: "Öl ins Feuer"

Zu den wenigen, die schon vor der eigentlichen Preisvergabe kein Blatt vor den Mund genommen hatten, gehörte Peter Maffay. Auch er sprach mit der "Bild"-Zeitung und zeigte sich in dem Interview entsetzt über die Entscheidung, Kollegah und Farid Bang für einen Echo zu nominieren und sie in der Show auftreten zu lassen. Er könne sich zwar nicht "in die Gefühle der Überlebenden und der Angehörigen der Opfer des Holocaust versetzen. Das wäre anmaßend", so der Sänger. "Aber ich kann beurteilen, dass die Nominierung besonders diesen Menschen gegenüber respektlos und in höchstem Maße unsensibel ist."

Dass Farid Bang und Kollegah "bewusst antisemitische Gedanken in ihre Texte bringen", könne er zwar nicht beurteilen, da er beide nicht persönlich kenne, so Maffay. "Aber in der heutigen Zeit, in der unsere Gesellschaft zerrissen und voller Spannung ist, gießen sie zusätzlich Öl ins Feuer. Und die Verantwortlichen des Echo tun es mit der Nominierung auch."

Quelle: n-tv.de