Unterhaltung

Zweiter "Tatort" des Dresdner Teams Eine Posse aus der Gosse

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Die Kommissarinnen gucken den Kommissar fragend an. Der Zuschauer kann das gut verstehen.

(Foto: dpa)

Alleinerziehende Mütter sind chronisch schlecht gelaunt, die Beziehung einer Kommissarin ist grundsätzlich schwierig, der Chef ein Vollpfosten und Obdachlose heißen Platte und Eumel. Der Dresdner "Tatort" macht es sich weiterhin bequem - zwischen den Stühlen.

Schon beim Stapellauf der neuen Dresdner "Tatort"-Dependance vor einem halben Jahr stand ein All-inclusive-Trip mit dem Ziel Parallelwelt auf dem Programm. Das Ermittlerinnen-Duo Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) bekam es mit einem Mord Marke Musikantenstadl zu tun.

Diesmal geht es von der Bühne zurück auf die Straße. Hans-Martin Taubert (Michael Sideris) ist von einer Brücke gestürzt worden und liegt mit lebensgefährlichen Verletzungen im Krankenhaus. Im pelzumkränzten Kamelhaarmantel sieht der gute Mann zwar aus wie ein Lude aus den 70ern (und residiert auch so), tatsächlich aber ist Taubert ein mehr oder weniger sozial engagierter Unternehmer, der sich um größere Teile der Randbevölkerung kümmert - nämlich die Obdachlosen der Elbmetropole.

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Hansi ergibt sich.

(Foto: dpa)

Drei von ihnen - Hansi (Arved Birnbaum), Platte (David Bredin) und Eumel (Alexander Hörbe) - haben die Tat mit angesehen. Dass sie sich in der Nähe des Opfers aufgehalten haben wollen, ist kein Zufall. Das Trio fungiert als eine Art Bodyguard-Derivat für den nicht unumstrittenen Taubert. Mit dessen Bruder, dem Tunichtgut Hajo (Urs Jucker), gibt es regelmäßig Auseinandersetzungen und auch mit Gutmensch-Konkurrent Gerald Schleibusch (Stephan Baumecker) steht Stress auf der Tagesordnung.

Ist das Krimi - oder kann das weg?

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Beziehungen funktionieren nicht ... meint Henni Sieland (Alwara Höfels).

(Foto: dpa)

Zweiter Fall, zweites Possenstück der Rookies aus Sachsen und über allem die Frage: Ist das Krimi - oder kann das weg? Die Privatplots der beiden Oberkommissarinnen sind doch eigentlich längst Fixpunkte auf den schwarzen Listen der Scriptschreiber: Beziehungen funktionieren nicht. Und alleinerziehende, berufstätige Mütter bekommen es mit dem pubertären Nachwuchs nicht gebacken. Dabei sind Sieland und Gorniak aus dem Stand so übelgelaunt, so burnout-gefährdet und sozial inkompatibel, dass man es ihnen beinah wünscht, zu versagen. Unterhaltsam am Ende mehrheitlich für Leute, die in der Freizeit Spaß an PMS-Studien haben. Dienstjahre sind Hundejahre - oder wie heißt es noch gleich?

Vielleicht liegt der wolkenverhangene Seelenzustand aber auch in ihrem Vorgesetzten begründet. Wie Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) an seinen Posten gekommen ist, erschließt sich zu keinem Zeitpunkt - irgendwo zwischen dem Humor von "Eis am Stiel" und dem Männer/Frauen-Bild aus einer Zeit, da Ernst H. Hilbich und Gustl Bayrhammer deutschen TV-Humor definierten, werden hier Gags und Einzeiler und Becherbeschriftungen (Schnabel-Tasse, kein Scherz) deklamiert, als hätte man sie in einem Kriechkeller-Archiv des letzten Jahrhunderts gefunden.

Völlig aus der Spur geraten ist auch das ungewaschene Penner-Trio Hansi, Platte und Eumel, deren Rollenauslegung minütlich zwischen Farce, Klamauk und schiefliegender Bertolt-Brecht-Überhöhung changiert. Und für Leute, die Herrn Angelo, den Capuccino-Mann, vermissen, lässt Robert Meller als Restaurantchef Luigi ein paar Brocken "Italienisch-Deutsch für Anfänger" in die Speisekarte purzeln. Wollte man das für einen Moment versöhnlicher sehen, lohnt sich zumindest der Blick auf das Büro-Frollein, die etwas hüftsteife Wiebke Lohkamp (Jule Böwe), die nicht nur Schnabels Resthormone und seine "Work-Wife-Balance" in Aufruhr bringt, sondern in den besseren Momenten auf dem schmalen Grat zwischen Evelyn Hamann und einer Art jugendlicheren Miss Marple agiert. Den Showdown erlebt das Team ausgerechnet auf einer Bühne, im Kreise des Obdachlosen-Ensembles der "Bettleroper". Da capo? In diesem Fall eher nicht.

Quelle: ntv.de

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