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Tommy Gottschalk forever? Es wird eng für "Wetten, dass..?"

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Mister "Wetten, dass..?": Thomas Gottschalk.

(Foto: picture alliance/dpa)

Es ist ein phänomenales Comeback: Fast 14 Millionen Zuschauer und knapp 50 Prozent Marktanteil weiß Thomas Gottschalk am Samstagabend mit "Wetten, dass..?" hinter sich. Unweigerlich werden nun Rufe laut, die Show wieder dauerhaft zu etablieren. Doch ist das wirklich realistisch?

Eine Frage wurde nach dem großen "Wetten, dass..?"-Comeback noch gar nicht gestellt: Was hat eigentlich Markus Lanz am Samstagabend gemacht? Hat er dreieinhalb Stunden in den Tisch gebissen? Hat er sich eine Tierfellmütze aufgesetzt und sackhüpfend in Mainz demonstriert? Hat er mit Richard David Precht eine Corona-Party gefeiert? Oder sich gemeinsam mit Wolfgang Lippert in Erinnerung an ihre guten, alten, wenn auch kurzen "Wetten, dass..?"-Zeiten betrunken?

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Unvergessen: Tom Hanks mit Tierfellmütze und Markus Lanz beim Sackhüpfen in einer "Wetten, dass..?"-Ausgabe 2012.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es war ja klar: Wenn es noch einmal ein Revival der Show geben würde, dann nur mit Thomas Gottschalk. Seine Ex-Assistentin Michelle Hunziker durfte zur (ersten) Neuauflage natürlich auch kommen. Und das war auch gut so - nahm sie "Wetten, dass..?"-König (nicht zu verwechseln mit dem "Wettkönig") Tommy doch ein ums andere Mal das Zepter aus der Hand und half ihm so aus dem Moderations-Dickicht, in das er sich gerade zu verheddern drohte.

Auch der von seiner Parkinson-Erkrankung gezeichnete "Wetten, dass..?"-Erfinder Frank Elstner durfte selbstredend nicht fehlen. Zwischen ihn und Gottschalk passt schließlich nach wie vor kein Blatt. Doch auch andere Gäste wie Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt lobten die Verdienste des Grandseigneurs um die TV-Unterhaltung - und um ihre eigene Karriere.

Samuel Koch war bei "The Masked Singer"

Über die, die auf dem Altar von "Wetten, dass..?" geopfert wurden (oder die sich vielleicht auch selbst auf diesem geopfert haben), hüllte sich dagegen nonchalant der Mantel des Schweigens. Und das betrifft nicht nur Lanz und Lippert, sondern auch den Mann, dessen tragisches Schicksal einst zur Initialzündung für Gottschalks Abschied von seiner Parade-Show wurde: Samuel Koch.

Was er am Samstagabend machte, wissen wir übrigens: Er ließ sich parallel zu "Wetten, dass..?" als Phönix beim Pro7-Format "The Masked Singer" enttarnen. Also just bei dem Sender, nach dessen Nennung Gottschalk seinen Gästen Joko und Klaas am liebsten den Mund mit Seife ausgespült hätte. Oder mit dem Wasser aus dem Spülkasten bei der "Schrubbe meinen Song"-Wette mit der Klobürste.

Koch, der seit seinem Unfall als "Wetten, dass..?"-Kandidat 2010 querschnittsgelähmt ist, konnte sich einen kleinen Seitenhieb dann auch glatt nicht verkneifen. Von der "Bild"-Zeitung darauf angesprochen, dass er mit "The Masked Singer" ja Gottschalks Comeback ein kleines bisschen Konkurrenz gemacht habe, erwiderte er: "Darüber habe ich mir, ehrlich gesagt, keine Gedanken gemacht. Das wäre ja Schadenfreude." Und der 34-Jährige ergänzte: "Ich habe mich eher gefreut, dass ich hier bei 'The Masked Singer' war und nicht woanders."

Franky und Tommy

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Frank Elstner präsentierte nicht nur die Bagger-Wette - er baggerte auch an Thomas Gottschalk.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nun ja, was das Gesamtpublikum angeht, das freute sich dann doch eher über die Rückkehr von "Wetten, dass..?" mit Thomas Gottschalk. Im Schnitt 13,8 Millionen Zuschauer und eine Traumquote von nahezu 50 Prozent sprechen eine deutliche Sprache. So deutlich, dass nun auch kommt, was unweigerlich kommen musste: Die Frage, ob es wirklich nur bei diesem einmaligen Revival bleiben kann und darf oder die Show nicht doch in mehr oder weniger langen Abständen zurückkehren sollte.

Schöne Idee, angesichts der Nostalgie, der TV-Lagerfeuer-Romantik und der unbestreitbaren Kurzweiligkeit, die "Wetten, dass..?" am Samstagabend noch einmal für drei reguläre Stunden und unvermeidliche 30 Minuten Überziehungszeit versprühte. Doch dürfte es gerade die Neugier, der jahrelange Entzug von der Show und der Reiz des einmaligen Comeback-Ereignisses gewesen sein, der viele Zuschauer vor die Geräte bannte. Kann es wirklich gelingen, aus diesem Strohfeuer der Samstagabend-Unterhaltung noch einmal einen Flächenbrand zu entfachen?

Es gäbe wohl eine Grundvoraussetzung: Man müsste Thomas Gottschalk klonen. "Wetten, dass..?" scheint so sehr mit seiner Person verknüpft, dass es jeder andere Zampano an seiner Stelle schwer hätte. Lippert und Lanz sind damals schon krachend gescheitert, Hape Kerkeling hat bereits vor Jahren dankend abgewunken. Florian Silbereisen, Barbara Schöneberger oder Joko und Klaas? Sie alle müssten sich an einem 13,8 Millionen Zuschauer großen Fußstapfen messen lassen. Sie könnten nur scheitern.

Dementsprechend laut sind die Rufe nach Gottschalk - nicht zuletzt der von Frank Elstner höchstpersönlich, der seinen Nachfolger am liebsten noch während der laufenden Live-Sendung zur "Wetten, dass..?"-Karriere auf Lebenszeit überredet hätte. Man sollte jedoch eins nicht vergessen: Zu Frank Elstner sagt zwar keiner Franky, doch der ewige Tommy ist auch nur rund acht Jahre jünger als er. Wenn Elstner im April kommenden Jahres seinen 80. Geburtstag feiert, wird Gottschalk einen Monat darauf 72.

Gerettet von Hunziker und Selbstironie

Keine Frage: Dafür hat es Gottschalk immer noch verdammt gut drauf, auch wenn einige seiner Aktionen in der Show am Samstag dann doch schon etwas schrullig anmuteten. Dann etwa, als er Helene Fischer wie aus dem Nichts auf den Schwimmunterricht ihres Vaters ansprach. Dann etwa, als er plötzlich mit feuchter Klobürste herumfuchtelte, um so offenbar Hunzikers Liebesglück den Segen zu geben. Oder dann, als ihm der Name seines Gastes Svenja Jung entfiel - und er mal wieder von Hunziker gerettet werden musste.

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Sich selbst rettete Gottschalk hingegen ein ums andere Mal mit viel Selbstironie. Schon zu Beginn, als er erklärte, ein möglicher Shitstorm nach der Sendung könne ihm in seinem Alter nichts anhaben. Später, als er scherzte, er nutze jede Gelegenheit, um sich zu setzen. Oder als er den achtjährigen Knirps aus der Kinderwette geradezu dazu anstachelte, ihn als Relikt aus der Vergangenheit bloßzustellen.

Doch dass ihm diese Selbstironie auch noch über viele weitere "Wetten, dass..?"-Ausgaben hinweghelfen würde, ist fraglich. Gottschalk hat schon so manche Karrieredelle in seinem Leben weggesteckt. Nicht zuletzt die, als er prompt nach seinem einstigen "Wetten, dass..?"-Abschied mit einer Vorabend-Talkshow bei der ARD entsetzlich auf die Nase flog. Das Publikum mag nun noch so laut nach ihm rufen - sich selbst würde er wohl einen größeren Gefallen tun, jetzt im Augenblick des aktuellen Triumphs und mit Würde abzutreten. Für "Wetten, dass..?" jedoch wird es so oder so früher oder später eng. Die Sendung ohne oder auch noch mit einem 80-jährigen Gottschalk? Beides ist schwer vorstellbar.

Quelle: ntv.de

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