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"Wie in einem Fiebertraum" So war das Comeback von "Wetten, dass..?"

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Als wären sie nie weggewesen: Michelle Hunziker und Thomas Gottschalk.

(Foto: picture alliance/dpa)

Helene Fischer ist wirklich ergriffen, ABBA haben Agnetha und Frida vergessen und Thomas Gottschalk pfeift auf politische Korrektheit: Die Kult-Show feiert ein gelungenes Jubiläums-Comeback. Doch das Beste kommt zum Schluss!

"Fernsehen hat sich wahnsinnig verändert", sagt Thomas Gottschalk. Tatsächlich aber fühlt man sich gerade zu Beginn der Jubiläumsshow ein bisschen, als sei die Zeit stehengeblieben und es ist wieder einer jener Samstage in der Kindheit, an dem man vor "Wetten, dass..?" gebadet, sich ordentlich die Haare gekämmt hat und Oma den Eierlikör und die Salzstangen auf dem Wohnzimmertisch bereitstellte.

Nun feiert die Kult-Show Comeback und dieses beginnt, als der 71-jährige Star-Moderator die Bühne betritt, mit minutenlangem Stehbeifall. Er habe keine Angst vor einem Shitstorm, sagt der Entertainer gleich vorab und wird in der Sendung so manchen politisch unkorrekten Spruch ablassen, für den ihn etliche Twitter-Nutzer am liebsten gleich wieder vom Hof jagen würden. Aber in seinem Alter, so Gottschalk gelassen, sei ihm egal, was die Leute reden. Er mache einfach sein Ding und Fernsehen und wolle nur eines: dass alle einen schönen Abend haben und sich gut unterhalten fühlen.

Die Wetten waren und sind es, die die Show immer zu etwas ganz Besonderem gemacht haben. Und in Zeiten von Social Media, wo Menschen bei Tiktok lächerlich in Endlosschleife rumhampeln, denkt man auch, man könne mit einer uralten Show unmöglich an alte Erfolge anknüpfen. Aber der Schein trügt. Gleich die erste Wette ist ein voller Erfolg. Nun liefen Tierwetten - insbesondere Hundewetten - natürlich seit jeher bombastisch, aber ein kleiner Racker namens Uno, der akkurat den Müll trennt, zwei Schwestern, die Songs daran erkennen, wie eine Klobürste im Lokus bewegt wird oder ein junger Mann namens Leon Krampe, der Dartpfeile auf einer weißen Weltkarte auf den richtigen Kontinenten und dem korrekten Land platziert: Das ist nicht nur spektakulär, das ist heute wie damals Unterhaltung für die ganze Familie.

ABBA ohne Agnetha und Frida

Und so gibt es die einen, die sich in den sozialen Medien auf jeden politisch unkorrekten Spruch von Gottschalk stürzen wie die Hyänen, diejenigen, die nostalgisch verklärt mit nassen Augen auf dem heimischen Sofa sitzen und die, die sich einfach nur freuen, wenn sie einer ebenfalls zu Tränen gerührten Helene Fischer lauschen. "Die erfolgreichste deutschsprachige Sängerin aller Zeiten" nimmt neben Co-Moderatorin Michelle Hunziker auf dem berühmten Sofa Platz und man sieht es ihr an: Sie ist wirklich ergriffen. Von dem warmen Empfang, aber auch von der legendären Aura, die diese Show damals wie heute umflort.

Man plaudert ein bisschen in altbewährter Manier, Helene will nicht so viel über ihre Schwangerschaft verraten, Michelle erzählt, sie habe während ihrer 18 Kilo zugenommen und "jedes Kilo geliebt" und naja, palim palim, die nächste Wette steht auch schon in den Startlöchern - eine Kinderwette. Der 8 Jahre alte Emil hängt mit den Füßen in den Halte-Schlaufen einer U-Bahn und bewegt sich kopfüber nach vorn, um seine Fahrkarte zu stempeln.

Und auf einmal sind sie wirklich da: ABBA. Aber, Momentchen, da fehlen doch zwei! Benny und Björn betreten die große Showbühne, aber von Frida und Agnetha fehlt jede Spur. Das tut der Freude des Publikums aber keinen Abbruch. Dafür, dass die legendäre schwedische Kult-Band "nur eine Pause einlegte, die 40 Jahre währte", fühlt man ihre Songs heute genauso wie damals.

Es gibt ein gemeinsames Ständchen mit Frau Fischer und was früher oft unsäglich nervte, nämlich, dass Stars für Promo-Zwecke schnell hereinschneiten, dann aber "leider zum Flieger mussten", ist in diesem Moment wie ein Aufflackern am Lagerfeuer, das man längst vergessen hatte. Der berühmt-berüchtigte Flieger, den man noch ganz schnell erreichen muss, ist wieder da. Aber dafür haben sie ein Album mitgebracht, das vermutlich wie ihre anderen auch Musikgeschichte schreiben wird.

"Man fühlt sich ein bisschen wie im Fiebertraum"

Irgendwann hat man damals auch angefangen, auf die Uhr zu schauen. Menschenskinder, muss der Gottschalk wirklich immer überziehen? Die nachfolgenden Sendungen verspäten sich um gefühlte 40 Minuten. Auch zu Gast in der Jubiläumsshow: Joko und Klaas. Und sie sprechen genau das aus, was viele Zuschauer denken: "Man fühlt sich ein bisschen wie im Fiebertraum." Heufer-Umlauf bringt es auf den Punkt, als es um die Veränderung des Fernsehens geht. Diese Entwicklung, die sich da nämlich seit einiger Zeit vollziehe, die sei "wie eine Schraube". Die Menschen wollen diese Richtung nicht: "Alles wird immer noch schlimmer und noch schlimmer."

So sollte man in einer Zeit, in der Streaming-Dienste immer mehr Zulauf haben, auch endlich einsehen, dass man den Zuschauer nicht ewig mit leidenschaftslosem Konservendosen-Programm abfrühstücken kann. Fernsehen muss wieder mehr Inhalte liefern, echte Emotionen, Leidenschaft. Jeder Fiebertraum ist besser als das, was heute vielerlei geboten wird. Und so fiebern wir mit, wenn die legendäre Außenwette von Giovanni Zarrella präsentiert wird und Udo Lindenberg ohne Panik die Bühne rockt. Sein Wunsch an Gottschalk: "Ich finde, das sollte auch weitergehen." Darauf "Tommi": "Da sind wir mal vorsichtig!" Aber hey, lieber ZDF-Programmchef, "einmal im Jahr", das könnte doch durchaus drin sein!

Am Ende wird es dann noch einmal hochemotional: Frank Elstner, der Erfinder der Show, präsentiert die letzte Wette - eine Baggerwette. Und es kommt gar nicht darauf an, ob sie gewonnen oder verloren wurde, es ist dieses Gefühl an der Seite der Wettkandidaten. Das Gefühl von Gemeinschaft. Und so fasst Elstner das Konzept der Show, das damals wie heute so stimmig war - wie auch die Musik von ABBA - zusammen: "Das ist für mich der Platz für 'Wetten, dass..?': Dinge zu zeigen, die außergewöhnlich sind." Alles hat mit der Zeit Abnutzungserscheinungen, die Karosserie kann oft neu lackiert werden, manchmal ist der Lack aber auch einfach ab. Aber wenn der Motor immer noch läuft, ist vieles machbar.

Quelle: ntv.de

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