Unterhaltung

Münster-"Tatort" im Schnellcheck "Fangschuss" mit Boerne und Thiel

Boerne philosophiert über Stummelschwanzmakaken und schießt auf Wildschweine, Thiel bekommt unverhofften Besuch einer jungen Dame mit blauen Haaren und die Toten fliegen tief. Die Comedy-Filiale des "Tatorts" wird zum Fall fürs Entmüdungsbecken.

Das Szenario

Als sich IT-Experte Sebastian Sandberg vom Balkon stürzt, sieht alles nach Selbstmord aus, aber der erste Eindruck täuscht. Der gute Mann wurde in die Tiefe gestoßen. Beim zweiten Toten ist die Sachlage eindeutiger, der Journalist Jens Offergeld (Christian Maria Goebel) wurde erschossen. Das Münsteraner Quartett - Frank Thiel (Axel Prahl), Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter), Professor Boerne (Jan Josef Liefers) und Alberich (Christine Urspruch) - übernimmt die Ermittlungen.

ACHTUNG_Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Sendung.jpg

Boerne und Thiel - der Snob und der Grantler auf dem Hochsitz.

(Foto: Thomas Kost/WDR/dpa)

Nicht ganz einfach, vor allem, weil das Privatleben der beiden Alphatiere so einiges an Ablenkung bereithält: Boerne geht das Haupthaar aus, zudem raubt ihm die anstehende Jagdschein-Prüfung den Schlaf. Thiel bekommt unerwarteten Besuch. Vor seiner Tür steht plötzlich die junge Leila Wagner (Janina Fautz) und behauptet, die Liebesfrucht eines Flirts von vor zwei Dekaden zu sein. Thiel hat also plötzlich eine Tochter? Ein DNA-Test muss das Rätsel lösen.

Die eigentliche Botschaft

Münster und Botschaft - das ist ja seit ehedem nicht eben eine Liebesheirat. Es soll gelacht werden und wenn nebenbei noch ein Fall gelöst wird - auch gut. Leider verkommen Kalauer und Kalamitäten mehr und mehr zum Selbstzweck. Boerne gibt wie gewohnt den Snob auf der Suche nach neuen Betägigungsfeldern, Thiel agiert als notorischer Grantler mit chronisch kurzer Hutschnur, ermittelt wird oftmals nur nebenbei.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

ACHTUNG_Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Sendung.jpg

Thiel bei einem Einsatz im Museum, hinten steht Leila - seine Tochter?

(Foto: Martin Menke/WDR/dpa)

Vielleicht darüber, wie gut dem angejahrten Thiel eine Frischzellenkur in Gestalt einer Tochter zu Gesicht gestanden hätte. Blaue Haare, loses Mundwerk - durchaus eine Herausforderung für den ollen Pauli-Fan zwischen Tiefkühlpizza und Flaschbier. Die wenigen ruhigen Momente zwischen "Vater" und "Tochter" - das Ergebnis des DNA-Tests, der die Vaterschaft Thiels letztlich ausschließt, steht da noch aus - zählen durchaus zu den stärksten Szenen des 31. Falls aus Münster. Den Fuß vom Gag-Pedal, zumindest ein bisschen, stattdessen Mut zu Kontemplation - das könnte ein Weg sein, um hier mal den angesetzten Staub wegzupusten.

Der Plausibilitätsfaktor

Siehe Botschaft. Sinnstiftende Crime-Rätsel waren und sind in Münster eher selten das Thema. Wie die Handlungsbaustellen diesmal jedoch aufs Tapet geworfen werden, ist fast schon dreist: Freya Freytag (überzeugend kühl: Jeanette Hain) ist nicht nur Göttin der Jagd, sondern auch noch die skrupellos mordende Haarwuchs-Beauftragte, der Seitenstrang mit dem Futtermittelbetrieb und seinem Rosinenkuchen mampfenden Chef wirkt wie kurz vor der ersten Klappe hinzuimprovisiert, ebenso wie der Hauch des Verdachts, der sich kurz mal über den in seiner Miniaturrolle arg unterforderten André M. Hennicke legt.

Die Bewertung

4 von 10 Punkten. Storylines aus dem Zufallsgenerator und Gags im Dutzend, zwischen genial und gaga.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema