"Krass kriminelle Energie"Fernandes über Ulmen: "Ich sehe keine Einsicht"
Collien Fernandes wirft Christian Ulmen vor, weiter Lügen über sie zu verbreiten. Im Gespräch mit Frauke Ludowig spricht sie über "Psychoterror", die Ermittlungen gegen ihren Ex-Mann - und darüber, wie schwer sich falsche Behauptungen wieder aus der Welt schaffen ließen.
Zwei Monate ist es her, dass Collien Fernandes im "Spiegel" schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen öffentlich gemacht hat. Dabei geht es unter anderem um häusliche, aber auch um digitale Gewalt: Der TV-Star soll über Fake-Profile pornografisches Material von Frauen verbreitet haben, die Fernandes ähnlich sehen - verschickt auch an Männer aus der Medienbranche. Zudem soll er unter ihrem Namen Telefonsex angeboten haben.
Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt inzwischen gegen Ulmen wegen mehrerer mutmaßlicher Vorfälle, für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Die Ermittlungen sind für Fernandes ein "Erfolg", wie sie im Gespräch mit Frauke Ludowig verrät (das ausführliche Interview ist auf RTL+ abrufbar). Behörden würden schließlich nur dann ermitteln, wenn ausreichend Beweise vorlägen, so die 44-Jährige. In einem Prozess um die Fake-Accounts und die Gewaltvorwürfe sei bereits festgestellt worden, dass genügend Beweistatsachen existierten - weshalb weiterhin über den Fall berichtet werden dürfe. Was sie aber sehr ärgere: "Trotzdem gibt es immer noch Leute im Internet - ich weiß nicht, ob die Faktenallergie haben oder was auch immer -, die sagen: Es gibt ja gar keine Beweise!"
Die aktuellen Ermittlungen beziehen sich laut Fernandes allerdings zunächst nur auf mutmaßliche häusliche Gewalt. Bei digitaler Gewalt gebe es weiterhin große rechtliche Lücken. "Man weiß nicht, in welche Kategorie man das packen soll", erklärt sie. Deutschland habe bislang keine passenden gesetzlichen Regelungen dafür geschaffen. Zwar begrüße sie aktuelle politische Vorstöße, die Gesetzeslage anzupassen - für ihren eigenen Fall komme das jedoch zu spät.
"Er verbreitet Lügen"
Die vergangenen Monate beschreibt Fernandes als "emotionales Auf und Ab". Besonders belastend sei für sie das Verhalten der "Gegenseite" - ihres Ex-Manns. Immer wieder würden Falschbehauptungen verbreitet, die sich später kaum noch einfangen ließen. Als Beispiele nennt sie Behauptungen, das Gerichtsverfahren in Spanien sei mangels strafrechtlicher Relevanz eingestellt worden oder dass Ulmen nie eine Nacht im Gefängnis verbracht habe. Auch sei behauptet worden, beide seien bei seiner Festnahme im Jahr 2023 nach einem mutmaßlichen Gewaltvorfall gleichermaßen beschuldigt worden.
Dieses Vorgehen bezeichnet Fernandes als typische "Täterstrategie". Sie stehe mit vielen Frauen in Kontakt, die ähnliche Erfahrungen gemacht hätten. Immer wieder höre sie denselben Satz: "Er verbreitet Lügen und ich fühle mich so machtlos." Für Betroffene sei es ein weiterer Gewaltakt, wenn nach den eigentlichen Taten zusätzlich falsche Narrative verbreitet würden. Sie selbst habe oft das Gefühl, mit dem Richtigstellen gar nicht mehr hinterherzukommen.
Trotz allem habe sie die Hoffnung nicht verloren, "dass es da draußen auch ordentliche Typen gibt". Männer müssten aber ebenfalls laut werden und sich klar für Gleichberechtigung positionieren. Nur gemeinsam lasse sich eine wirklich gleichberechtigte Gesellschaft erreichen. Deswegen sei sie froh, dass etwa an Himmelfahrt so viele Männer an einer Demo in Berlin teilgenommen hätten.
Auf Ludowigs Frage nach Warnsignalen in ihrer Ehe reagiert Fernandes nachdenklich. "Wenn ich das wüsste ...", sagt sie. "Die (Männer, Anm.d.Red.) kommen ja nicht zum ersten Date und sagen: 'Ich bin ein perverser Creep, aber das wirst du erst später merken!'" Die physische Gewalt habe sie in ihrer Ehe zunächst als gemeinsames Problem betrachtet - etwas, das sich mit Therapie lösen lasse. Heute sehe sie das anders: "Das ist das Problem der Täter." Nur etwa fünf Prozent aller Fälle häuslicher Gewalt würden angezeigt, erklärt Fernandes. Viele Frauen hätten Angst, als diejenigen dazustehen, die die Familie zerstörten. Dabei sei es eigentlich der Täter, der durch seine Taten das familiäre Gefüge zerstöre. Die "Mauer des Schweigens" helfe am Ende nur den Tätern. "Alles, was eine Straftat ist, gehört vor Gericht."
Fernandes ist "zumindest phasenweise stabil"
Zuletzt hatte Fernandes erklärt, sie würde sich heute gut überlegen, ob sie ihren Ex-Mann erneut anzeigen würde. Im Gespräch mit Ludowig präzisiert sie diese Aussage. In Spanien, wo sie zunächst Anzeige erstattet hatte, habe sie sich von den speziell geschulten Polizeikräften ernst genommen und sensibel behandelt gefühlt. In Deutschland höre sie dagegen immer wieder von Frauen, denen bei Anzeigen "unterirdische Dinge" gesagt worden seien. Vor allem die langen Verfahren und Wartezeiten könnten retraumatisierend wirken. Deshalb könne sie einer Frau eine Anzeige hierzulande "nicht wirklich guten Gewissens empfehlen".
Fernandes berichtet außerdem, bei ihr sei eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden. Sie habe häufig mit Panikattacken im Bett gelegen. Inzwischen sei sie "zumindest phasenweise stabil". Schwer falle ihr aber weiterhin das Alleinsein im großen Haus, insbesondere wegen des Wechselmodells mit der gemeinsamen Tochter, die noch oft bei ihrem Vater sei. Gleichzeitig merke sie aber auch, dass sie langsam wieder Vertrauen fassen könne - sie date inzwischen gelegentlich wieder.
Besonders enttäuscht zeigt sie sich darüber, dass Ulmen weiterhin versuche, bestimmte Vorwürfe umzudeuten. Eigentlich habe sie mit einem öffentlichen Geständnis gerechnet, "weil es ja auch schon ein Geständnis gab". Die zentralen Vorwürfe würden auch gar nicht direkt bestritten, sondern nur "irgendwelche Nebenaspekte, die gar nicht behauptet wurden": "Zum Beispiel hat er ganz klar Deepfakes von mir verbreitet. Und dann geht das Dementi so: 'Ich habe ja gar keine Deepfake-Videos selbst hergestellt und verschickt.' Oder ich sage, er hat eine Geschichte verbreitet, in der ich vergewaltigt werde. Dann lautet das Dementi: 'Ich habe so eine Geschichte nicht geschrieben.' Und dann sagt man: Moment, aber dass du das geschrieben hast, hat ja nie jemand behauptet." Für Fernandes ist das ein bewusstes Ausweichen. Sie spricht von "Nachbeziehungsgewalt" und "Psychoterror".
Sie trennte sich nicht sofort
Besonders schmerzhaft sei für sie der persönliche Vertrauensbruch. Ulmen habe miterlebt, wie sehr sie unter den Fake-Pornos gelitten habe, sei sogar zu Gesprächen mit ihrem Anwalt mitgegangen und habe gesehen, wie viel Geld sie ausgegeben habe, um Material aus dem Internet entfernen zu lassen. "Und dann geht er nach Hause und verbreitet genau das", so die 44-Jährige.
Als Ulmen ihr an Weihnachten 2024 gestanden habe, hinter den Fake-Aktivitäten zu stecken, habe sie sich nicht sofort getrennt. "Ich konnte das gar nicht richtig greifen erstmal." Anderthalb Jahre später erkenne sie bei ihm keine echte Einsicht. Statt Verantwortung zu übernehmen, kämpfe er trotz verlorener Prozesse weiter. "Ich glaube, er hofft trotzdem noch, irgendwie da rauszukommen."
Dass ihr Fall mittlerweile auch international Aufmerksamkeit erregt und politische Diskussionen auslöst, überrascht Fernandes selbst. Gleichzeitig sehe sie darin ein Zeichen dafür, wie relevant das Thema geworden sei. Durch die rasante Entwicklung von KI-Technologien seien viele Länder juristisch nicht ausreichend vorbereitet. Dankbar zeigt sie sich gegenüber den Männern, die von den Fake-Accounts kontaktiert worden seien. Wie viele es genau sind, möchte Fernandes im Gespräch mit Ludowig nicht verraten - "damit er (Ulmen, Anm.d.Red.) nicht weiß, wie viele Zeugen wir haben." Diese Männer sehe sie nicht als Täter, sondern ebenfalls als Opfer eines Täuschungsmanövers durch ihren Ex-Mann.
Ob sie heute sagen würde, dass sie Christian Ulmen wirklich kenne? Fernandes antwortet darauf, sie habe inzwischen "ein rundes Bild" von ihm - allerdings ein völlig anderes als zu Beginn ihrer Ehe. "Und es geht auch über alles, was im weitesten Sinne normal ist, hinaus. Mit so einer krass kriminellen Energie hätte ich im Leben nicht gerechnet."
