Unterhaltung

"Wir küssen deine Augen, Brudi!" Filip Pavlovic ist neuer Dschungelkönig

Am Ende wuchsen die "drei Musketiere" noch einmal über sich hinaus und trotzten Krokodilen wie Maden. Eric Stehfest sichert sich den zweiten Platz und Manuel Flickinger die Herzen der Zuschauer. Die Augen aber küssen wir nun vom neuen Dschungelkönig Filip Pavlovic, "Brudi, der I."

"Daaaaanke, oh mein Gott", ruft Publikumsliebling Pavlovic in den südafrikanischen Dschungel. Tränen kullern über seine Wangen. Er schnieft und schreit seine Freude laut heraus, wohl auch, weil dieses Amt nun wirklich eines ist, das seine Eltern stolz mache.

Er, der Luftikus, der, statt eine Ausbildung zu absolvieren, lieber Augen küsst, und sich nach etlichen Reality-TV-Formaten nun endlich auch "Brudi, der I." nennen darf. Womöglich sei er, wie er selbst sagt, "der erste und der letzte König von Südafrika." 16 Tage liegen hinter ihm. Am meisten herausfordernd an diesem Abenteuer war nicht der oft knurrende Magen, sondern mit elf "verrückten Leuten unterwegs zu sein, von denen jeder einen größeren Knacks hat als der andere." Diese 15. Staffel, sie hatte viele Premieren. Noch nie gab es "ein reines Männer-Finale".

Den zweiten Platz sichert sich Eric Stehfest, der in einer seiner letzten Bewerbungs-Ansprachen für die Dschungelkrone einen solchen Kokolores von sich gab, dass man nur mit dem Kopf schütteln konnte. Man kann es vielleicht auf die Aufregung schieben, aber es klingt mehr als hanebüchen, seine Community aufzufordern für ihn anzurufen, "um ein Zeichen zu setzen". Was denn bitte für ein Zeichen? Dafür, dass wir uns freuen, dass Ritter aus dem Jahre 1311 auch im Jahre 2022 noch durch die Prärie stromern?

Falsche Energien und ein König der Herzen

Höchst unangenehm wurde es, als Stehfest die 20 Sekunden seiner letzten Rede an die Zuschauer allen Ernstes wieder benutzte, um erneut von seiner Frau anzufangen. Der Phrasendrescher, der sich im Camp ein paar Tage lang "auf die falschen Energien konzentrierte", könne die 100.000 Euro sehr gut gebrauchen, um für seine "Familie ein sicheres Zuhause zu bauen." Das ist - mit Verlaub - nicht nur manipulativ, weil es an das Mitleid des Zuschauers appelliert, sondern auch dreist, weil es suggeriert, als sei Familie Stehfest einer ständigen Gefahr ausgesetzt.

Auf dem dritten Platz landete Manuel Flickinger, der ob seiner Liebenswürdigkeit vor allem auf Social Media rasch als neuer König gefeiert wurde. Er ist und bleibt in dieser emotionalen wie auch streitlustigen Dschungelcamp-Staffel der "König der Herzen".

Nun aber zieht kein Geringerer als "Brudi, der I." in die "Krönungskathedrale" ein. Und wie wir Pavlovic kennenlernen durften, ist er kein Mann der großen Worte. Dies ist aber um Längen angenehmer und ehrlicher, als Leute, die sich den lieben langen Tag gern selber reden hören. Nicht nur den Zuschauern, auch einigen Insassen gingen "diese Reality-Stars", die nichts im Leben gerissen haben, schon früh auf den Zeiger. So wenig Wahrhaftigkeit, so viel Berechnung.

"Die drei Musketiere" geben alles

Am Finaltag mussten die "drei Musketiere", wie wir das bereits aus den Vorjahren kennen, eine letzte große Dschungelprüfung absolvieren, um sich das gemeinsame Abendessen zu verdienen. Filip ließ sich für die Vorspeise von zehntausenden Tierchen ankrabbeln. Maden, Mehlwürmer, Ameisen, später kamen Krokodile und Kakerlaken hinzu.

Stehfest erspielte souverän den Hauptgang. Für vier Sterne war er sich nicht zu fein, die Larven eines Maikäfers, Impala-Augen und Kudu-Hirn zu verspeisen. Und Manuel versagten ob seiner Wasserphobie leider die Nerven. In einem Glashelm steckend musste er ausharren, während dieser immer mehr mit Wasser volllief und ihm zugleich Aale und Krallenfrösche auf dem Kopf herumtanzten. "Ich bin erleichtert, dass ich es probiert hab", sagte der 33-Jährige nach dem Prüfungsaus.

Ein letztes Wort noch zu Harald Glööckler, den viele Zuschauer fast bis zuletzt als Dschungelkönig wähnten. Es sind immer diese fast unauffälligen Nuancen, die im Laufe der zwei Dschungelwochen zu einem großen Gesamtbild werden. Oft glänzte der Modedesigner und zeigte seine sensible und bodenständige Seite. Und auch am Tag des Auszugs sagte er etwas sehr Reflektiertes, nämlich, negative Kritiken seien ihm egal. Er mache sich keine Gedanken darüber, was andere Leute von ihm halten.

Doch plötzlich sprach da nicht mehr der Harald, der die Herzen der Zuschauer erobern wollte, plötzlich sprach da der Kapitalist, der Peter nahezu blasiert kundtat, die 100.000 Euro habe er mit seiner "Tapetenkollektion" längst schon wieder drin, die gebe es in "500 Baumärkten".

"Nur wer stattfindet, ist interessant"

Und das ist es eben, worum es im Grunde allen jederzeit geht. Nicht um die Herzen irgendwelcher Zuschauer. Es geht um Geld, Einfluss und Reichweite. Nur Anouschka sprach das offen und ehrlich an. Für die vielen Reality-Leute, die leider nun auch solche Kult-Formate fluten, ist das Dschungelcamp ein Karriere-Booster. Dafür inszenieren sie sich den lieben langen Tag. Fake wird als Realness verkauft. Man packt die x-te traurige Familiengeschichte auf den Tisch, kreiert für Sendezeit Streitereien, obschon man im wahren Leben da draußen seit Jahren befreundet ist. Das ewige Geseier von der Authentizität ist mittlerweile sehr ermüdend.

Mehr zum Thema

Und dann fällt er, der Satz, der den Irrglauben, dem viele anheimfallen, perfekt zusammenfasst: "Nur wer stattfindet, ist interessant." Dieser Satz zeigt die pervertierte Wahrnehmung einer ganzen Branche. Denn so viele Egomanen, die sich dank der sozialen Netzwerke wichtig fühlen, mögen zwar "stattfinden", aber deswegen sind sie noch lange nicht "interessant". Es bringt nichts, das Harald zu sagen, denn diese Kritiker, so Glööckler, die "sollen sich f*****."

Somit endet die 15. Staffel des Dschungelcamps. An dieser Stelle an alle Leser ein herzliches Dankeschön für Ihre Treue, hier auf ntv.de und vor allem für die viele liebe Leserpost und das wunderbare Feedback! Was waren das für zwei harte, wunderbare, traurige, aber auch lustige Wochen! Frei nach Ringelnatz: "Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt."

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen