"Institutionelles Schweigen"Haltung zu Gaza: Filmschaffende kritisieren Berlinale
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Insgesamt 81 Filmschaffende, werfen der Berlinale in einem offenen Brief eine Zensur in Bezug auf den Krieg in Gaza vor. Darunter sind Stars wie Javier Bardem, Tilda Swinton, Tobias Menzies und Brian Cox.
In einem offenen Brief haben mehrere Filmschaffende der Berlinale mangelnde Positionierung zum Gaza-Krieg vorgeworfen. Das Branchenblatt "Variety" veröffentlichte das Schreiben. Unterschrieben wurde es demnach von etwa 80 Künstlern, darunter dem Schauspieler Javier Bardem, der Künstlerin Nan Goldin und der Schauspielerin Tilda Swinton, die im vergangenen Jahr den Goldenen Ehrenbären der Berlinale erhalten hatte.
Sie seien entsetzt über das "institutionelle Schweigen der Berlinale zum Völkermord an den Palästinensern", heißt es in dem Schreiben. Ihrer Meinung nach gebe es eine "Beteiligung an der Zensur von Künstlern, die Israels andauernden Völkermord an den Palästinensern im Gazastreifen ablehnen" - und die deutsche Regierung spiele "eine Schlüsselrolle bei der Ermöglichung". Zu Gräueltaten im Iran und in der Ukraine habe sich das Festival dagegen klar positioniert.
Berlinale-Chefin Tricia Tuttle wies die Zensurvorwürfe zurück Es stimme nicht, dass sie Filmemacher "zum Schweigen gebracht" oder 2eingeschüchtert" hätten. Sie sei von dem Brief überrascht worden und es sei "unglaublich hart" gewesen, ihn zu lesen. Einige der Unterzeichner kenne sie und sie habe sich gewünscht, dass sie sie zuerst kontaktiert hätten.
Israel streitet ab, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen. Das ist auch die Position der Bundesregierung. Vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag läuft eine von Südafrika angestrengte Völkermord-Klage gegen Israel. Wann das Gericht ein Urteil fällen könnte, ist unbekannt.
Künstler widersprechen Wim Wenders
Während einer Pressekonferenz am 12. Februar hatte der Journalist Tilo Jung die Jurymitglieder gefragt, wie sie zur Haltung der Berlinale und der deutschen Regierung bezüglich Gaza stünden. Jurypräsident Wim Wenders hatte daraufhin betont, dass Filmschaffende ein Gegenwicht zur Politik seien und man sich "aus der Politik heraushalten" müsse. In dem offenen Brief heißt es nun: "Wir widersprechen entschieden der Aussage des Jurypräsidenten der Berlinale 2026, Wim Wenders, dass Filmemachen 'das Gegenteil von Politik' sei." Man könne eines nicht vom anderen trennen.
Internationale Medien wie "Variety" oder "Deadline" berichten, dass es ausgerechnet bei Jungs kritischer Frage im Livestream der Konferenz zu Einschränkungen gekommen sein soll und ob es sich hier womöglich um Zensur gehandelt haben könnte. In einem Statement erklärten die Verantwortlichen den Vorfall mit "technischen Problemen". In einem auf Youtube über den offiziellen Berlinale-Kanal veröffentlichten Mitschnitt sind die erwähnten Stellen in Gänze zu sehen. Jung kommentiert dort, dass letzten Endes offenbar keine Zensur vorliege, es allerdings "interessant" sei, dass es im Stream ausgerechnet "technische Probleme" gegeben habe, als über Palästina gesprochen wurde.
Respekt vor der Würde des Menschen
Festivalchefin Tricia Tuttle betonte am Wochenende in einer Stellungnahme, viele Filmschaffende bei der Berlinale eine der tief verwurzelter Respekt vor der Würde jedes Menschen. "Wir glauben nicht, dass es unter den hier vertretenen Filmschaffenden jemanden gibt, dem gleichgültig wäre, was in dieser Welt geschieht - jemanden, der die Rechte, das Leben oder das immense Leid der Menschen in Gaza und im Westjordanland, in der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan, im Iran, in der Ukraine, in Minneapolis und an einer erschreckend großen Zahl weiterer Orte nicht ernst nähme."
Der Nahostkonflikt hatte die Berlinale auch in den vergangenen Jahren beschäftigt. So war die Berlinale zum Beispiel nach der Abschlussgala 2024 dafür kritisiert worden, dass einzelne Preisträger das Vorgehen Israels im Gazastreifen massiv kritisiert hatten, ohne den Terrorangriff der islamistischen Hamas vom Oktober 2023 zu erwähnen. Es folgte eine Debatte bis hin zu Vorwürfen von Antisemitismus.