"Fast schon mittelalterlich"Hape Kerkeling kritisiert Obdachlosigkeit in Deutschland

Hape Kerkeling, vielen bekannt durch seine Kultrolle Horst Schlämmer, ist bestürzt. Grund ist eine Situation, die sich vor allem auf Berlins Straßen deutlich zeigt.
Der Entertainer Hape Kerkeling zeigt sich erschüttert von der zunehmenden Obdachlosigkeit in Deutschland. "Warum lassen wir es zu, dass Menschen vor unserer eigenen Haustür so verarmen?", fragte er im Interview mit dem "Tagesspiegel". "Wir vergessen die Schwächsten in unserer Mitte. Das ist ein Problem, das dringend gelöst werden muss."
Allein in Berlin hat sich die Zahl der Wohnungslosen, die in Einrichtungen untergebracht wurden, von 2022 bis 2026 auf rund 53.000 verdoppelt. Dazu kommen nochmal mehrere Tausend Menschen, die auf der Straße leben. "Jeder spürt diesen dramatischen Anstieg", sagte Kerkeling. "Die Armut wird immer sichtbarer, teilweise wirken die Szenen auf den Straßen fast schon mittelalterlich. Das ist eines Landes wie der Bundesrepublik unwürdig."
Hape Kerkelings neuer Film "Horst Schlämmer sucht das Glück" startet am 26. März in den Kinos. Die politische Landschaft habe sich seit dem Jahre 2009, in dem er den Lokalreporter zum ersten Mal im Film verkörperte, aber sehr gewandelt, sagte er. "Politik war damals fast schon etwas Langweiliges, ja fast Heiteres - und Horst war mittendrin der brutal extreme Vogel. Wenn wir uns heute, im Jahr 2026, umschauen, stellen wir fest: Die Politik ist nicht mehr lustig, sie ist toxisch geworden." Angesichts dessen wirke Horst Schlämmer gar nicht mehr extrem, vielmehr sei das Umfeld ins Extreme gekippt. "Sogar seine groteske Frauenfeindlichkeit, die er so tapfer zur Schau stellt, wirkt in der heutigen Zeit fast schon wieder versöhnlich."
Deshalb sagt er über die Figur auch: "Horst ist die Personifizierung gelebter Demokratie. Ob er nun einer Domina begegne oder Herrn Söder - er redet mit jedem auf Augenhöhe."
Comeback nach 17 Jahren
Es wird das zweite Kinoabenteuer für Hape Kerkelings berühmte Figur. In "Horst Schlämmer - Isch kandidiere" suchte er 2009 noch das persönliche Glück in der großen Politik. Über 1,3 Millionen Besucherinnen und Besucher lockte Schlämmer damals in die Kinos. 2026 will er das Glück nun in kleinen Alltagsbegegnungen im ganzen Land finden.
Erstmals tauchte Horst Schlämmer im Jahr 2005 in der RTL-Sendung "Hape trifft" auf. Im deutschen Fernsehen der 2000er Jahre erfreute sich die Figur danach großer Beliebtheit.
Bei "Horst Schlämmer sucht das Glück" führte Sven Unterwaldt Regie, der mit Hape Kerkeling zuvor die Miniserie "Club Las Piranjas" realisierte. An der Seite des Komikers spielen in dem neuen Film unter anderem Tahnee Schaffarczyk in ihrer ersten Kinorolle sowie Laura Thomas und Meltem Kaptan.