"Verniedlichung von Femiziden"Hella von Sinnen kritisiert Dieter Nuhr scharf

Nach Dieter Nuhrs umstrittenen Aussagen zu Femiziden meldet sich nun auch Hella von Sinnen zu Wort. In einem Interview findet sie deutliche Worte und wirft dem Kabarettisten "Verleugnung dieses Frauenhasses" vor.
Dieter Nuhrs Aussagen über Femizide haben in Deutschland eine große Debatte ausgelöst. Nun meldet sich auch Hella von Sinnen zu Wort und kritisiert den Kabarettisten scharf. Die Entertainerin, die 1988 gemeinsam mit Hugo Egon Balder mit der RTL-Show "Alles Nichts Oder?!" TV-Geschichte schrieb, äußerte offen Zweifel an Nuhrs Zukunft im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. "Jedes Jahr werden an die 350 Frauen von ihren Männern ermordet - und er sagt das? Was ist das für eine unfassbare Unverschämtheit von Nuhr?", erklärte von Sinnen im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Dem 65-Jährigen wirft die Komikerin "Verniedlichung von Femiziden und Verleugnung dieses Frauenhasses" vor: "Ich finde das wirklich unglaublich. Ich bin gespannt, ob Herr Nuhr seinen Job bei der ARD behält."
Ihre Kritik bezieht sich auf Dieter Nuhrs Aussagen in der Sonderausgabe "Nuhr im Ersten XXL" vom 18. Juni. In der Sendung sagte er, dass alle der "300 bis 350" jährlichen Frauenmorde selbstverständlich zu viele seien. Doch die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland unter den vielen Männern "in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null. Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt".
Die Vorwürfen, er habe sich über Frauenmorde lustig gemacht und Opfern eine Mitschuld gegeben, wies Nuhr zurück. "Habe ich nicht", schrieb der 65-Jährige auf Facebook. "Kein Witz über Femizide, nirgends. Habe ich noch nie gemacht. Werde ich nicht tun." Nuhr betonte, ihm sei es vielmehr darum gegangen, eine aus seiner Sicht pauschale Verurteilung von Männern zu kritisieren.
Seit 2014 präsentiert Nuhr das Kabarettformat "Nuhr im Ersten", das aus der Sendung "Satire Gipfel" hervorging. Der für die Sendung zuständige Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) erklärte in einem Statement, dass die Kritik nachvollziehbar sei. "In Satireformaten gilt es jedoch auch die künstlerische Freiheit zu achten", führte er gleichzeitig an. Vor dem Hintergrund der Kunstfreiheit dürfe er "provozierend und zugespitzt formulieren".
Nachsicht bei Thomas Gottschalk
Im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" äußerte sich Hella von Sinnen auch zur Debatte um Thomas Gottschalk. Der frühere "Wetten, dass..?"-Moderator stand wiederholt wegen Vorwürfen eines unangemessenen Umgangs mit Frauen in der Kritik. Gottschalk habe "nur spielen" wollen und sei sich seiner Wirkung als "gutaussehender charming Boy" bewusst gewesen, erklärte von Sinnen.
Dass vor allem ihn Sexismusvorwürfe in der TV-Landschaft der 1980er- und 1990er-Jahre trafen, habe mit seinem Promistatus zu tun, glaubt sie: "Thomas Gottschalk war der Beliebteste. Und wir alle haben es ihm nachgesehen." Beim ZDF habe niemand gesagt: 'Mensch, Tommy, lass mal.' Alle fanden das irgendwie normal." Frauenfeindlichkeit oder Sexismus unterstelle sie ihm allerdings nicht: "Er war all die Jahre mit seiner superstarken Thea zusammen."