Unterhaltung

Von "Dolchstoß" bis "Verrat" Hildmann und Wendler toben wegen Naidoo

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Haben wohl einen Freund weniger: Attila Hildmann und Michael Wendler (v.l.)

(Foto: picture alliance / Collage: ntv.de)

Jahrelang zählt Xavier Naidoo zu den größten Verschwörungserzählern des Landes. Nun will er davon auf einmal nichts mehr wissen. Kein Verständnis haben dafür bisherige Gesinnungsgenossen wie Attila Hildmann und Michael Wendler. Sie poltern erwartungsgemäß los.

Das Video, das Xavier Naidoo am Dienstag auf Youtube veröffentlicht hat, ist wie ein Paukenschlag. Er wolle mitteilen, dass er sich "von allen Extremen distanziere, insbesondere und vor allem auch von rechten und verschwörerischen Gruppen", erklärt der Sänger da und ergänzt: "Ich stehe für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander. Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus sind mit meinen Werten nicht vereinbar und ich verurteile diese aufs Schärfste."

Er bedauere, mit manchen Äußerungen und Verhaltensweisen "Menschen vor den Kopf gestoßen und verletzt" zu haben. "Hierfür entschuldige ich mich und bitte euch um Verzeihung", so Naidoo, der bislang zu den größten Verschwörungserzählern des Landes zählte und dabei auch vor Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und dem Schulterschluss mit Rechtsradikalen nicht zurückschreckte.

Dass bisherige Gesinnungsgenossen dies nicht lange auf sich sitzen lassen würden, war klar. So polterte als einer der ersten prompt Attila Hildmann los, der sich wegen drohender Strafverfolgung in Deutschland mittlerweile in der Türkei aufhalten soll. Zwischen ihn und Naidoo passte in der Vergangenheit eigentlich kein Blatt.

"Respekt: Null"

Auf seiner Webseite wirft Hildmann dem Sänger jetzt aber unumwunden "Verrat" vor. Naidoo stehe nun offenbar auf der Seite der "BRD-Propaganda" und könne sich damit mit Menschen wie Moderator Jan Böhmermann, Bundeskanzler Olaf Scholz oder Außenministerin Annalena Baerbock an einen Tisch setzen. Aufgebracht ist Hildmann wohl auch, weil Naidoo den Krieg in der Ukraine als Auslöser für seinen Sinneswandel anführt. Für Hildmann ist schließlich auch dieser "inszeniert", mit dem Ziel, einen großen Staat Israel zu schaffen.

Um Naidoo zu diskreditieren, greift Hildmann tief in die Mottenkiste historischer Schmähbegriffe. So wirft er dem Musiker vor, seinen bisherigen Wegbegleitern einen "Dolchstoß" zu verpassen. Die sogenannte "Dolchstoßlegende" verbreitete sich in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. Nicht zuletzt die Nazis griffen sie auf, um die Niederlage im Krieg Sozialdemokraten und Juden in die Schuhe zu schieben.

"Ekelerregend" ist ein anderes Wort, mit dem Hildmann Naidoos Sinneswandel charakterisiert. "Wahrscheinlich stehen ein paar Konzerte an oder irgendwelche Shows und er versucht, damit seinen Ruf geradezurücken", ätzt er weiter. "Xavier Naidoo ist jetzt brav geworden. Er möchte zurückkommen und seinen Weg zurück in die kranke, völlig geistesgestörte Gesellschaft ebnen. Respekt: Null", wettert Hildmann und zeigt sich enttäuscht: "Hier ist gerade ein ganz Großer eingeknickt, von dem ich eigentlich einiges gehalten habe."

Sprachaufnahme verifiziert

Hildmann veröffentlichte seine Meinung als Sprachmemo auf seiner Webseite. Dass er diesen Verbreitungsweg wählte, hat nach Recherchen des RTL-Verifizierungsteams seinen Grund. "Aktuell muss Hildmann seine Nachrichten und Botschaften über eine Webseite veröffentlichen, da seine alten Verbreitungswege vonseiten der Plattformen eingeschränkt oder gar komplett geschlossen werden. Sein Telegram-Kanal mit gut 35.000 Abonnenten ist nicht mehr erreichbar", erläutert RTL-Verifizierungsexperte Andreas Greuel. So öffne sich beim Abruf des Telegram-Kanals eine Meldung, dass kein Zugriff erfolgen könne, weil der Kanal "gegen lokale Gesetze verstößt", sagt Greuel. "Somit bleibt nur die Webseite, die er sich neu aufbauen musste, nachdem im letzten Jahr das Aktivistenkollektiv von 'Anonymous' seine alte Homepage und deren Hoster gleich mit gehackt hatte."

Verifiziert werden konnte auch, dass es sich tatsächlich um eine Sprachnachricht von Hildmann selbst handelt. "Aussprache, Tonalität, Wortwahl passen im Vergleich mit bekannten Aussagen überein", versichert Greuel.

Der Irrsinn geht weiter

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Doch nicht nur Hildmann hat auf Naidoos öffentliche Distanzierung von der Verschwörungsszene reagiert. Auch Michael Wendler ließ es sich nicht nehmen, von den USA aus dazu Stellung zu nehmen. "Xavier schockiert die Freiheitsbewegung mit Aussagen in seinem Video! Viele fragen sich nun, was zum Teufel seine Aussagen bedeuten. Die Wahrheit ist nicht verhandelbar", erklärt der Sänger auf seinem Telegram-Kanal, der - anders als der von Hildmann - noch zu erreichen ist.

Und natürlich ranken sich auch um Naidoos Aussagen sogleich die ersten Verschwörungsmythen. So mutmaßt etwa der rechtspopulistische Ideologe Oliver Janich, der Sänger habe sein Statement abgeben müssen, damit man die Familie seiner Frau aus der Ukraine holt. Und bei Telegram schreibt etwa ein Nutzer: "Was er für das Video wohl bekommen hat? Es bewahrheitet sich mal wieder: Trau keinem Promi." Naidoo mag seinen Wahnvorstellungen womöglich wirklich abgeschworen haben. Doch der Irrsinn geht auch ohne ihn weiter.

Quelle: ntv.de, vpr

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