Emotionale Aussagen vor GerichtJessica Mann schildert Vergewaltigung durch Harvey Weinstein

Vor Gericht in Manhattan werden erneut schwere Vorwürfe gegen Harvey Weinstein verhandelt. Die Schauspielerin Jessica Mann schildert unter Tränen, wie aus Karriereversprechen mutmaßlicher Missbrauch wurde - und warum sie jahrelang schwieg.
Im Gerichtssaal in Manhattan geht es derzeit wieder um einen der größten Skandale Hollywoods: Gegen den ehemaligen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein wird erneut verhandelt, diesmal wegen Vergewaltigung dritten Grades an der Schauspielerin Jessica Mann. Laut der "Bild"-Zeitung schilderte die heute 40-Jährige im Zeugenstand, wie sie Weinstein kennengelernt habe - als junge Schauspielerin mit großen Hoffnungen.
Er habe ihr Rollen in Aussicht gestellt, sie mit Komplimenten umworben. "Du bist hübscher als Natalie Portman", zitierte sie ihn demnach. Für die angehende Schauspielerin sei das ein Moment gewesen, der alles verändern konnte: "Ich dachte, ich wurde entdeckt." Doch aus den beruflichen Versprechen seien zunächst noch einvernehmliche Treffen in Hotelzimmern geworden. Dort, so ihre Aussage, habe Weinstein sie Anfang 2013 erstmals sexuell missbraucht. Monate später sei es in New York zu einer Vergewaltigung gekommen.
Auch ein weiterer Vorfall in Los Angeles Ende 2013 ist Teil ihrer Aussage. Sie habe Weinstein von einem neuen Freund erzählt. "Seine Augen wurden schwarz", erinnerte sie sich der "Bild" zufolge. Kurz darauf sei die Situation eskaliert. Er habe sie gepackt und in ein Zimmer gezerrt. Immer wieder soll er gesagt haben: "Du schuldest mir noch einmal." Mann beschreibt, wie sie sich nicht habe wehren können. "Ich war wie gelähmt. Ich konnte mich nicht bewegen." Weinstein habe sie festgehalten, zu sexuellen Handlungen gezwungen und sich schließlich auf sie gelegt. "Er hat mich mit seinem Gewicht erdrückt", sagte sie unter Tränen.
"Ich wollte nicht alles riskieren"
Nach der Tat habe er sich plötzlich entschuldigt. "Tut mir leid, ich finde dich einfach so attraktiv." Anschließend habe er gefragt, ob "alles gut" sei und ob sie weiterhin befreundet seien. Mann antwortete nach eigenen Worten mit "Ja" - aus Angst: "Ich sagte ja, ich wollte einfach nur überleben. Was hätte ich sagen sollen?"
Aus Angst, ihre Karriere zu verlieren, habe sie lange geschwiegen. "Ich wollte nicht alles riskieren, wofür ich so hart gearbeitet habe. Ich hatte Angst, auf eine schwarze Liste gesetzt zu werden." Erst 2018, im Zuge der #MeToo-Bewegung, wandte sich Mann an die Polizei. Damit war sie nicht die einzige: Dutzende Frauen werfen dem damals einflussreichen Hollywood-Produzenten vor, sie missbraucht zu haben. Weinstein verbüßt derzeit eine 16-jährige Strafe wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung im Gefängniskomplex Rikers Island in New York. Im Falle einer erneuten Verurteilung dürfte sich die Haftstrafe um einige Jahre verlängern.