Unterhaltung

"Wenders nahm mich nicht ernst"Jetzt meldet sich Nastassja Kinski persönlich

05.06.2026, 15:48 Uhr
00:00 / 03:44
Nastassja-Kinski-during-the-jury-photocall-at-the-62nd-San-Sebastian-International-Film-Festival-on-September-27-2014
Fordert die Entfernung der Szene seit Jahren: Nastassja Kinski. (Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Jahrelang bittet Nastassja Kinski Regisseur Wim Wenders, eine Szene aus dem Film "Falsche Bewegung" zu entfernen, in der sie als 13-Jährige nackt zu sehen war. Erst jetzt reagiert der Filmemacher. "Seit Langem fällig", meldet sich die Schauspielerin dazu persönlich zu Wort.

Es ist zumindest mal eine vorläufige Konsequenz: Am Mittwoch wurde bekannt, dass Wim Wenders seinen Film "Falsche Bewegung" von 1975 vorerst aus sämtlichen Auswertungsformen herauszieht. Auslöser ist die andauernde Auseinandersetzung um eine Nacktszene mit der damals 13-jährigen Nastassja Kinski. Die Schauspielerin fordert seit Jahren, dass die Szene entfernt wird.

Am Donnerstag kommentierte zunächst Kinskis Anwalt Christian Schertz den von Wenders unternommenen Schritt: "Die Entscheidung von Wim Wenders ist zunächst einmal zu begrüßen. Sie ist allerdings auch längst überfällig gewesen". Jetzt meldet sich die Schauspielerin auch persönlich zu Wort. "Es war nicht leicht, aber seit Langem fällig", äußert sie sich in einem Post auf ihrer Instagram-Seite ähnlich wie ihr Anwalt.

Kinski erläutert, wie lange sie auf eine private Einigung gehofft habe - und wie tief die Enttäuschung trotz allem bei ihr sitze. Sie sei "lange ruhig und geduldig" geblieben, habe auf einen "gerechten Dialog" mit Wenders gesetzt. Doch der Regisseur habe ihrem Anliegen keine Beachtung geschenkt: "Er nahm mich nicht ernst, er nahm meine Bitte nicht ernst, nicht für voll, weil ich damals 13 Jahre alt war."

Aber gerade das, so Kinski, sei der Grund gewesen, weswegen er ihrer Ansicht nach hätte handeln müssen. Wenders sei der Einzige, der für die Korrektur des Films verantwortlich sei. In ihrem Post bedankt sich Kinski zudem bei allen, die sich zu dem Thema bei ihr gemeldet und sie dabei unterstützt hätten, die Situation vollumfänglich zu begreifen.

Zweiminütige Szene

In der strittigen, rund zweiminütigen Szene ist Kinski mit nacktem Oberkörper zu sehen. Nach eigenen Angaben fühlte sie sich bereits beim Drehen der Sequenz vor über 50 Jahren unwohl.

Neu entfacht hatte die Diskussion eine Rede von Wenders bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises am 29. Mai, bei der er den Ehrenpreis entgegennahm. Dort sagte der Regisseur, er würde die Szene "heute nie mehr so machen", seinem damaligen jungen Ich könne er aber keinen Vorwurf machen, weil es heute "andere Sensibilitäten" gebe. Zugleich warnte er vor einem Präzedenzfall und stellte infrage, ob man einen Film im Nachhinein verändern sollte.

In seiner Mitteilung kurz darauf bat Wenders Kinski dann um Entschuldigung: "Als einziger der damals für 'Falsche Bewegung' handelnden Verantwortlichen, der noch da ist, sehe ich, dass Nastassja Kinski damals hätte besser beschützt werden müssen. Dafür bitte ich dich um Entschuldigung, Nastassja, ohne Wenn und Aber." Die Reaktionen und Gespräche der vergangenen Tage hätten seinen Blick auf die Ereignisse geschärft. Er wolle einen breiten Austausch und eine "einvernehmliche Lösung" in Absprache mit Kinski finden, bevor er den Film wieder freigebe.

Quelle: ntv.de, vpr/spot

Wim WendersFilmKino