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Wolfgang Bahro kennen viele nur als Joe Gerner aus der Vorabendserie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten".
Wolfgang Bahro kennen viele nur als Joe Gerner aus der Vorabendserie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten".(Foto: picture alliance / Sebastian Gey)
Mittwoch, 24. Mai 2017

Wolfgang Bahro über GZSZ: "Jo Gerner bis in alle Ewigkeit"

Würde man ihn auf der Straße treffen, man wäre glatt geneigt, ihn als Dr. Gerner zu grüßen. Dabei ist das lediglich die Rolle, die Wolfgang Bahro schon fast ein Vierteljahrhundert lang spielt. Der 56-Jährige ist einer der großen Stars der RTL-Vorabendserie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" (GZSZ). n-tv.de verrät er zur Silbernen Hochzeit von RTL und "GZSZ", wieso er seine Augenbraue nicht mehr hochziehen darf und was ihn mit Götz George verbindet.

n-tv.de: Sie waren quasi von Anfang an bei GZSZ dabei. Wissen Sie aus dem Kopf, bei welcher Folge Sie eingestiegen sind?

Wolfgang Bahro: 185!

Das war 1993. Waren Sie damals sofort von dem Format überzeugt?

Wolfgang Bahro gehört seit 1993 zum Cast von "GZSZ".
Wolfgang Bahro gehört seit 1993 zum Cast von "GZSZ".(Foto: RTL / Rolf Baumgartner)

Erstmal war ich von der Serie nicht sonderlich begeistert. Ich hatte die ersten Folgen gesehen und mir war aufgefallen, dass sehr viele Laien mitspielten. Alles gut aussehende Models, aber leider haperte es mit der schauspielerischen Ausstrahlung. Heutzutage reicht ein schönes Gesicht nicht mehr aus. Eine Ausbildung als Schauspieler oder Erfahrung vor der Kamera beziehungsweise auf der Bühne werden vorausgesetzt.

Wenn es nicht die Kollegen waren, die Sie an Bord holten, dann vielleicht Ihre Rolle?

Als ich damals eingekauft wurde, hieß es, ich würde ein charmantes Schlitzohr spielen. Das hat sich ja nun doch als was anderes herausgestellt - das habe ich dann aber erst später erfahren. (lacht)

Wenn von Jo Gerner die Rede ist, bekommt er oft das Attribut "Fiesling". Ist er der Böse von GZSZ?

Ich würde ihn nicht als Fiesling bezeichnen. Er ist ein schwieriger Charakter. Wenn man ihn reizt, kann er zu einem wilden Eber werden.

Gab es einen Moment, in dem die Figur aus Ihrer Sicht zu weit gegangen ist?

Als Gerner Kathrin Flemming vorgemacht hat, die gemeinsame Tochter sei entführt worden, hat er den Bogen überspannt!

Und erinnern Sie sich an einen Plot-Twist, der Ihnen besonders nahe gegangen ist?

Ziehen vor der Kamera mal mehr und mal weniger an einem Strang: Ulrike Frank und Wolfgang Bahro.
Ziehen vor der Kamera mal mehr und mal weniger an einem Strang: Ulrike Frank und Wolfgang Bahro.(Foto: RTL/Bernd Jaworek)

Der Tod von Dominik Gundlach, dem Sohn von Gerner, hat mich sehr berührt. Als Dominik im Krankenhaus die Organe entnommen werden und Gerner begreift, dass sein Sohn nun endgültig tot ist, ging mir das ziemlich an die Substanz. Ich hatte die Assoziation, dass da mein eigener, mein leiblicher Sohn David liegen würde. In dem Moment habe ich nicht nur in meiner Rolle als Joe Gerner, sondern auch als Wolfgang Bahro mit mir gekämpft.

Zieht Wolfgang Bahro eigentlich genauso oft die Augenbraue hoch wie Jo Gerner?

(lacht) Die Augenbraue hat man mir mittlerweile verboten. Ich hatte sie mir von Leonard Nimoy abgeguckt. Der hat in der Fernsehserie "Raumschiff Enterprice" Spock gespielt und immer die Augenbraue gehoben, wenn er "Faszinierend, Captain!" gesagt hat.

Gibt es etwas, dass Sie Jo Gerner bei GZSZ noch erleben sehen wollen?

Ich möchte, dass Gerner mal überfordert ist. Das ist auch schon alles mit der Produktion abgesprochen: Es wird eine familiäre Situation geben, die er nicht einschätzen kann, weil sie sich seiner Logik entzieht. Es wird eine tragikomische Geschichte. Sie ist zwar noch nicht geschrieben, aber schon in Planung.

Dann nehmen Sie also direkt Einfluss auf das Schicksal ihrer Figur?

Wir Schauspieler setzen uns regelmäßig mit den Autoren zusammen und überlegen, welche Schritte die Figuren als Nächstes gehen könnten. Selbst wenn eine Geschichte schon geschrieben ist, dürfen wir sagen: "Also da stimmt das nicht so ganz, meine Figur würde so nicht reagieren, an der Stelle würde sie eher das machen." Das ist von der Produktion gewünscht.

Wie können Sie sich denn noch vorstellen, Jo Gerner zu spielen?

Großvater ist Joe Gerner bereits (hier mit Serien-Enkelin Sunny), aber er könnte noch Urgroßvater werden, findet Bahro.
Großvater ist Joe Gerner bereits (hier mit Serien-Enkelin Sunny), aber er könnte noch Urgroßvater werden, findet Bahro.(Foto: RTL / Benjamin Kampehl)

(lacht) Bis in alle Ewigkeit! Opa ist er ja schon, aber er könnte noch Uropa werden. Vielleicht sitzt er irgendwann nochmal im Rollstuhl - dann allerdings altersbedingt. Oder er rennt mit einem Rollator durch die Gegend.

Gibt es eine Karriereentscheidung, die Sie bereuen?

Bis jetzt noch nicht.

Was ist mit "Kartoffelsalat", der Horror-Komödie mit den ganzen Youtube-Stars?

Ach, das war auch eine Erfahrung. Ich fand das ganz witzig. Der Regisseur, die Leute hinter der Kamera - das waren professionelle Leute, die hervorragende Arbeit geleistet haben. (spricht mit glucksend fideler Stimme) Dass der Film ein bisschen nach hinten losgegangen ist - ok. So viele Kinofilme habe ich noch nicht gemacht. Ein Traum von mir wäre es, in einem Kinofilm die Hauptrolle zu spielen. Wenn der dann auch noch einen Preis bekäme, das wäre klasse!

Sind Sie eigentlich ein bisschen abergläubisch? Man hört, Sie tragen seit Ewigkeiten so ein Medaillon mit sich herum …

Stimmt, seit über 30 Jahren. Ich war mit meiner damaligen Freundin in London. Gleich am ersten Abend sind wir im Dunklen durch Soho spaziert. Dabei kamen wir an einem Geschäft vorbei. Über dem stand groß "Magic". Ich dachte, man könne da Zaubertricks kaufen oder so. Wir sind also rein und da war dieser gläserne Tresen. Darauf lagen lauter Amulette und andere Schmuckstücke. Eins hat mir besonders gut gefallen.

Und wie sah das aus?

Es war ein Davidstern, in seiner Mitte war das hebräische Zeichen für Jehova eingeprägt, drum herum war eine Schlange, die sich selber in den Schwanz biss. Das fand ich schön, also habe ich gesagt: "Ich möchte gerne zwei, eins für meine Freundin und eins für mich." Doch der Verkäufer, es war ein älterer Herr, erwiderte: "Es tut mir leid, all unsere Schmuckstücke sind Unikate. Außerdem ist das nichts für Sie als Mann. Das ist ein Schutzzeichen für eine Frau, das würde ich ihrer Freundin empfehlen - aber nicht ihnen."

Also haben Sie sich ein anderes Stück ausgesucht?

Ein Zauberladen in London führte Wolfgang Bahro zu den Freimaurern.
Ein Zauberladen in London führte Wolfgang Bahro zu den Freimaurern.(Foto: RTL / Sebastian Geyer)

Nicht ganz. Der Mann hat mich gefragt, ob ich etwas mit Theater oder mit Musik zu tun habe. Das stimmte schon mal. Dann kannte er auch noch mein Sternzeichen und er wusste, dass ich mir zu der Zeit große Sorgen um jemanden machte - meine Mutter lag im Krankenhaus. Er hat mir ein anderes Medaillon gezeigt und prophezeit: "Irgendwann wird dieses Medaillon auch für Sie verständlich werden und es wird für Sie eine Bedeutung haben." Ich habe es gekauft, seitdem trage ich es.

Und es hat tatsächlich Bedeutung für sie gewonnen: Das Medaillon hat sie zu den Freimaurern geführt!

Richtig, auf diesem Medaillon sind freimaurerische Symbole drauf. Im Sommer bin ich irgendwann mal mit offenem Hemd auf einer Veranstaltung herumgelaufen, als mich ein Mann ansprach. Er wollte wissen, ob ich Freimaurer sei. "Warum?", fragte ich. Und er sagt: "Naja, die Symbole …" Er war nämlich selbst Freimaurer. Er hat mich dann auch zur Loge mitgenommen.

Wäre so ein Geheimbund nicht eigentlich auch etwas für Jo Gerner?

(atmet lange aus) Puh, also als Freimaurer muss man gerne etwas für andere Menschen tun. Man muss offen sein, man muss sehr tolerant sein. Damit hätte Gerner wahrscheinlich seine Probleme. Er hat seine Golfclub-Kumpels. Man spielt zusammen und dann macht man eben auch mal ein Geschäft unter der Hand. Das würde Gerner wahrscheinlich auch bei den Freimaurern versuchen. Er versucht, seine Vorteile auszuspielen. Das ist total verpönt bei den Freimaurern. Gerner würde sich schnell ins Fettnäpfchen setzen.

Wenn man als Schauspieler so eine kultige Rolle spielt, kann es schon mal vorkommen, dass der Schauspieler dahinter in der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet. Sprechen Sie die Leute auf der Straße als Jo Gerner an?

Gelegentlich. Ich finde das schade. Wenn mich jemand mit meinem richtigen Namen anspricht, weiß ich, derjenige hat sich mit mir beschäftigt. Mir geht es ja genau so: Wenn ich eine Fernsehserie sehe und mir gefällt ein Schauspieler besonders gut, recherchiere ich: Wer ist denn das? Wie heißt der wirklich? Was hat denn der sonst so gemacht? Auf der anderen Seite bin ich ja nicht der einzige, dem so ein Schicksal wiederfährt. Der großartige Goetz George, der musste auch immer damit leben, dass man ihn als Schimanski angesprochen hat. So ist es eben, wenn man eine Rolle sehr erfolgreich spielt.

Mit Wolfgang Bahro sprach Anna Meinecke.

"GZSZ" läuft von Montag bis Freitag um 19.45 Uhr bei RTL.

Quelle: n-tv.de

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