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"Es gab keinen Verrat" Katie Melua sagt die ganze Wahrheit

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"Natürlich gab es Herzschmerz, aber es ist wie ein Neuanfang", sagt Katie Melua über ihre Trennung.

(Foto: imago images / VIADATA)

Das verflixte siebte Jahr ... manchmal scheitern auch die besten Ehen daran. Katie Melua kann davon nicht nur ein Lied singen, sondern damit eine ganze Platte füllen. Das Ergebnis nennt sich dann "Album No. 8" und spiegelt die Erfahrungen der 36-jährigen Songwriterin ehrlich und ganz ohne Drama wider. Im Gespräch mit ntv.de spricht sie über ihren neu gewonnenen Blick auf die "ewige Liebe", das Schaffen von Erinnerungen und ihr Heimatland Georgien.

ntv.de: Willkommen in Berlin! Du scheinst sehr beschäftigt zu sein trotz Corona?

Katie Melua: Ja, wir haben das Album fertig bekommen, als sich die Pandemie gerade auf dem Höhepunkt befand, sodass die letzten Wochen virtuell gearbeitet wurde. Als die Ausgangssperren dann gelockert wurden, konnten wir das Musikvideo drehen, also war die Zeit für mich nicht wirklich ruhig. Aber was die Pandemie mir gezeigt hat, ist, dass ich jetzt merke, wie wertvoll all die Dinge sind, die früher so normal und selbstverständlich waren, wie Konzerte und Reisen. Und man schätzt seine Familie mehr. Die Pandemie hat zu vielen interessanten Dingen geführt.

Gratuliere zum "Album No. 8"! Es gibt wenige Sängerinnen, die bessere Herzschmerz- und Liebeslieder singen als du. Die meisten benutzen dafür wahre Begebenheiten aus ihrem Leben, du dagegen bist seit fast acht Jahren verheiratet. Wie findest du die richtigen Gefühle für deine Musik?

Ehrlich gesagt ... ich hatte eine wunderschöne Ehe, die sieben Jahre gehalten hat, aber wir haben uns vor einem Jahr getrennt. Wir haben es erst kürzlich in einer Pressemitteilung öffentlich gemacht.

Oh, wirklich? In meiner Vorbereitung auf das Interview habe ich nichts darüber gelesen, nirgendwo!

Entschuldige, da habe ich dich wohl geschockt (lacht). Dass du noch nicht davon gehört hast, liegt daran, dass es nichts Aufsehenerregendes darüber zu berichten gibt. Wir hatten eine wundervolle Ehe, es gab keinen Verrat. Wir verstehen uns noch sehr gut und es war eine freundschaftliche Trennung. Ich stehe auch selten mit meinem Privatleben in der Presse. Aber als Songwriterin und Liebeslied-Sängerin fand ich es wichtig, die ganze Wahrheit zu sagen. Und ich wollte, dass meine Lieder die Ehrlichkeit des Geschehens widerspiegeln, aber nicht überdramatisieren.

Hast du durch die Trennung etwas gelernt?

Mir ist durch Gespräche, Filme und Musik aufgefallen, dass einem ständig vermittelt wird, dass Trennungen etwas Tragisches und Trauriges sind. Warum? Sowohl ich als auch James waren offensichtlich der Meinung, dass wir das Richtige tun. Wir hatten eine wirklich schöne Zeit zusammen, aber es ist vorbei. Natürlich gab es Herzschmerz, aber es ist wie ein Neuanfang. Ich habe über einen Begriff nachgedacht, den ich in einem David-Hockney-Buch gelesen habe, "Love Propaganda". Und da habe ich verstanden: Liebe wird einem als etwas präsentiert, das für immer hält und immer wunderschön ist - und wenn es nicht ewig ist, dann ist das ganz schlimm. Auch ich habe Lieder gesungen, die zu dieser Liebespropaganda beitragen. Aber so ist es nicht. Im wahren Leben und in der Liebe gibt es all diese anderen Farben und Schattierungen. Das bedeutet nicht, dass du eine Art verrückter Sex-Hippie oder so etwas bist. Überhaupt nicht. Aber es gibt noch andere Nuancen. Und dem wollte ich Respekt zollen.

Im Deutschen haben wir einen passenden Begriff dafür: Lebensabschnittspartner. Er nimmt diesem absoluten "Für immer" den Druck. Manchmal passt eine langjährige Beziehung einfach nicht mehr in den neuen Lebensabschnitt ...

Ja, genau! Ich glaube, in der englischen Sprache gibt es diesen Begriff nicht. Es ist sehr sinnlich, weshalb die Deutschen wahrscheinlich so feinsinnig sind - und das ist gut so.

Also machst du dir keine Sorgen um dein künftiges Liebesleben?

Nein, wirklich nicht. Die Ehe hat nicht gehalten, aber das ist nichts Schlechtes, denn ich halte unsere Liebe, unsere Beziehung immer noch für erfolgreich. Aber ich hoffe, dass ich eine wunderschöne Liebe finde. Das ist doch der Sinn und Zweck des Lebens, oder nicht?

War deine Trennung die Inspiration für dein neues Album?

Nein, aber sie war etwas, das sich auf der Platte wiederfinden musste. Das Album handelt sowohl davon, Erinnerungen zu schaffen, als auch von meinem Privatleben. In Liedern wie "Remind Me To Forget" habe ich versucht, beides zu verweben. Ich wollte die ganze Wahrheit zeigen: Das passiert mir gerade im Leben und so gehe ich damit um und die Natur hilft mir dabei.

In "A Love Like That" singst du über das Gefühl, dich verrückt zu fühlen, wenn du verliebt bist. Darum ging es auch schon in deinem 2003er-Hit "Closest Thing To Crazy". Was reizt dich so daran?

"A Love Like That" bezieht sich tatsächlich auf "Closest Thing To Crazy". Also auf die Tatsache, dass Liebe und dieser erste Funke unglaublich schnell und leidenschaftlich sein können. Ich liebe die Tatsache, dass das Leben uns diese Momente mit Menschen gibt, in die wir uns verlieben, in denen wir nicht mehr wir selbst sind. Aber die rationale Seite in mir möchte die Tatsache anerkennen, dass Liebe nicht eindimensional ist, sondern etwas, das existiert und dann verschwindet - genau wie so viele Dinge, die wir in der Natur sehen.

Deine Wahrnehmung der Liebe hat sich ja wirklich geändert!

Ich möchte glauben, dass sie realer geworden ist und multidimensionaler.

Bist du eifersüchtig in Beziehungen?

Ich glaube, nein. Aber ich beobachte gerne das Leben, mich selbst und andere Menschen. Und ich habe oft verrücktes Verhalten in Menschen gesehen, wenn sie verliebt waren - und das finde ich irgendwie cool.

Du bist 1984 in Georgien geboren, hast einige Jahre in Russland gelebt und bist als kleines Mädchen nach Nordirland gezogen. Das muss ein ziemlicher Kulturschock gewesen sein, oder?

Wir haben Georgien verlassen, als das Land noch im Stillstand war. Wir hatten nur eine Stunde am Tag Elektrizität, heißes Wasser gab es gar nicht. Zum Glück hat Georgien viele natürliche Ressourcen, man musste keinen Hunger leiden. Aber ich erinnere mich ans Schlangestehen, um Brot zu kaufen. Und im Winter konnten wir nicht zur Schule gehen, weil es einfach zu kalt war. Das war ein großer kultureller Unterschied - ein Schock war es aber nicht. Wir kannten das westliche Leben aus Filmen. Die waren sehr faszinierend, ich dachte immer: Wow, im Westen sieht alles so gut aus!

Warst du froh über den Umzug nach Belfast?

Ja, wegen der vielen Möglichkeiten. Mein Vater hätte zu der Zeit in Georgien mehr Geld als Taxifahrer verdient als in seinem Beruf als Arzt.

Kehrst du heute gerne nach Georgien zurück?

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Ja, jeden Sommer, um meine Familie zu besuchen. Georgien ist ein wunderschöner Urlaubsort. Die Neunzigerjahre waren eine düstere Dekade. Aber 2004, als Micheil Saakaschwili Staatspräsident wurde, kamen die Reformen. Die Polizei wurde transparenter gemacht - auch wortwörtlich, viele Polizeiwachen bestehen größtenteils aus Glas. Das war der Beginn der Transformationen des Landes. Jetzt ist Georgien einer der coolsten Orte der Welt.

Hast du gewisse Eigenschaften, die du deiner georgischen Herkunft zuordnen würdest?

Ich glaube, die Art, wie ich mit meiner Familie bin. Wir stehen uns sehr nahe, wir sind sehr gesellig. Ich rufe meine Mutter jeden Tag an. Mich nicht täglich zu melden, wäre verrückt, ein Desaster. Ich sehe ein, dass das sehr georgisch ist. Meine Freunde in Großbritannien sind nicht so.

Es gibt bestimmt nicht viele georgische Künstler, die international so bekannt sind wie du. In Georgien ist man sicherlich sehr stolz auf dich?

Georgien ist ein sehr kleines Land, es hat nur vier Millionen Einwohner. Wenn ich da bin, ist es ziemlich verrückt, viele Leute erkennen mich wieder und wollen Fotos. Dort erlebe ich die eher extreme Seite des Berühmtseins. In Europa kennt man meine Musik zwar auch, aber weniger mein Gesicht. Hier kann ich ein ganz normales Leben führen, in Georgien nicht.

Könntest du dir vorstellen, dort zu leben?

Ja! Die Natur ist atemberaubend, überall spielt Musik ... auch die Freundschaften sind sehr stark, sehr intensiv. Sobald du mit jemandem befreundet bist, hält die Freundschaft ein Leben lang. Wenn du dich streitest oder dich von jemandem trennst, werden sich deine Freunde mit euch zusammensetzen und gemeinsam nach einer Lösung suchen, um euch wieder zusammenzuführen. Es sei denn natürlich, es ist etwas Schlimmes passiert. Aber ich habe das mehrmals bei meiner Mutter gesehen, wenn sie sich mit Freundinnen gestritten hat. Dann hat der restliche Freundeskreis irgendwann gesagt: So, jetzt ist es an der Zeit, dass ihr euch wieder vertragt.

Wie würdest du die Briten dagegen beschreiben?

Ich würde sagen, sie sind mysteriöser. Ja. Es dauert lange, bis man ihre wahren Emotionen sieht. In Georgien sind wir dramatischer, jede noch so kleine Sache hat eine große Bedeutung. Ich glaube aber, dass ich in meiner Ausdrucksweise eher britisch bin. Meine Musik verkörpert das Georgische in mir. Das Stereotyp der Briten ist ja der perfekte kleine Hinterhof und dass sie ein bisschen steif sind. Aber sie sind auch sehr zart. Es ist, als hätten sie eine sehr kindliche Sicht auf das Leben und die Welt, die aber gleichzeitig sehr real ist.

Mit Katie Melua sprach Linn Rietze

"Album No. 8" ist ab sofort überall erhältlich.

Quelle: ntv.de