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Der Echo - nicht jeder Preisträger sorgte in diesem Jahr für Jubelstürme.
Der Echo - nicht jeder Preisträger sorgte in diesem Jahr für Jubelstürme.(Foto: imago/Agentur Baganz)
Freitag, 13. April 2018

"Sie sind einfach widerwärtig": Maas nennt Echo für Rapper "beschämend"

Die diesjährige Echo-Verleihung ist auch ein politischer Akt. Zwei Preisträger werden für ein Werk geehrt, das in Teilen rassistisch und antisemitisch ist. Sie selbst nennen es Kunst. Andere sind über die Auszeichnung schlicht schockiert.

Die Antisemitismus-Debatte rund um die Rapper Kollegah und Farid Bang geht auch nach der Echo-Preisverleihung weiter. Außenminister Heiko Maas twitterte, dass antisemitische Provokationen keine Preise verdient hätten. "Sie sind einfach widerwärtig. Dass am Holocaustgedenktag ein solcher Preis verliehen wird, ist beschämend." Ähnlich äußerte sich Peter Maffay bei "Bild.de". Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, bezeichnete die Auszeichnung als "verheerendes Zeichen".

Gerade erst entstehe in Deutschland die "ersehnte Sensibilität für den erstarkten Antisemitismus in unserer Gesellschaft, insbesondere an Schulen". Mitten in diese Debatte falle nun diese Auszeichnung von Musik, "die jene Phänomene zu befördern vermag". Mit "ihren menschenverachtenden Botschaften" erreichten die beiden Rapper Millionen meist junger Menschen, hieß es in einer Mitteilung Knoblochs weiter.

Regierungssprecher Steffen Seibert wollte sich nicht konkret zur Echo-Verleihung äußern. "Ich denke, dass die ganz grundsätzliche Haltung der Bundesregierung und Bundeskanzlerin gegen jede Form von Antisemitismus in unserem Land, in unserer Gesellschaft klar ist", sagte er. "Das ist eine der politischen Grundüberzeugungen unserer Arbeit als Bundesregierung." Wo immer Antisemitismus in Deutschland anzutreffen sei, werde die Bundeskanzlerin dagegen aufstehen.

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Kollegah und Farid Bang waren am Vorabend für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" in der Kategorie Hip-Hop/Urban National ausgezeichnet. In dem Album finden sich die Textzeilen "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow".

"Beispiel für 'So nicht'"

Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, bezeichnete die Texte als "hervorragendes Fallbeispiel" für Bildungsarbeit - gewissermaßen als Beispiel für "So nicht". Gleichzeitig teilte er die Kritik an den Texten und die Sorgen um ihre Breitenwirkung: "Wenn Jugendidole wie Kollegah und Farid Bang antisemitische Texte rappen, hat das selbstverständlich eine besondere Kraft und Wirkung auf Jugendliche", erklärte Mendel.

"Wir sprechen hier nicht über politische Meinungen, sondern wir sprechen über Musik, über Kunst. Es ist natürlich ein dehnbarer Begriff und natürlich ist uns bewusst, dass wir eine bestimmte Grenze überschritten haben", hatte Farid Bang vor der Gala gesagt. "Die Absicht dahinter war niemals negativ, sondern höchstens vielleicht ein bisschen fahrlässig."

Doch weder am roten Teppich, noch auf der Bühne ließ sich das Duo auf eine inhaltliche Debatte ein. Nach Kritik von Toten-Hosen-Sänger Campino sagte Kollegah: "Ich will hier keine Politikdebatte daraus machen." Später bezeichnete er Campinos Kritik als stillos und warf diesem vor, sich als moralische Instanz aufgespielt zu haben.

Die Jusos twitterten, es sei beschämend und ein falsches Signal, dass es nicht für einen Echo-Ausschluss gereicht habe. "Es geht nicht um einzelne Worte, sondern um Antisemitismus, Sexismus und die Homophobie in Teilen der Rap-Szene.

Solche Zeilen verletzten nicht nur Holocaustüberlebende, sondern auch ihre Familien, sagte der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein. "Das missbraucht die Kunstfreiheit und ist inakzeptabel. Es ist sehr problematisch, dass damit auch noch Hunderttausende junger Menschen erreicht werden." Einer renommierten Veranstaltung wie der Echo-Preisverleihung sei das nicht würdig.

Quelle: n-tv.de