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Egal, Regal, scheißegal Michael Wendler wird zum Ladenhüter

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Der Konfettiregen für ihn dürfte enden: Michael Wendler.

(Foto: imago/biky)

Es lief doch so gut für Michael Wendler. Seit jeher belächelt, hat er sein Image in den vergangenen Jahren dennoch zu Gold gemacht: Reality-TV-Auftritte, Werbedeals, DSDS-Engagement. Doch nun beißt er just in die Hände, die ihn fütterten. Seine Karriere ist damit beendet.

Dieses Video kommt wie ein Paukenschlag. Und sei es wie ein Paukenschlag im Discofox-Takt von Michael Wendlers Schlager-Singsang. Und das nicht nur wegen des brisanten Inhalts, den der 48-Jährige da so vor sich hin schwadroniert. Der Clip, den Wendler in den sozialen Netzwerken hochgeladen hat, hat auch in etwa den Charme terroristischer Erpressungsvideos. Jene Videos, in denen die Protagonisten so gut wie alles sagen. Aber nur, weil hinter der Kamera jemand mit einer Kalaschnikow oder Machete wedelt.

Doch halt, wir wollen natürlich jetzt nicht auch noch derartigen Verschwörungsfantastereien Vorschub leisten. Nein, die Aussagen, die Wendler in dem Video verzapft, sind selbstredend voll und ganz auf seinem Mist gewachsen. Er muss sie voll und ganz verantworten. Und er muss mit den Konsequenzen, die sich ihretwegen ergeben, leben.

Es geht nicht um Meinungsfreiheit

Genau genommen ist es eigentlich nur eine Konsequenz: Michael Wendlers Karriere ist beendet. Klar, werden jetzt all seine Brüder und Schwestern im Geiste ruckzuck mit dem ins Gesicht gezogenen Aluhut aus der Deckung springen: "Typisch, wenn einer eine andere Meinung hat, dann wird er mundtot gemacht. Das ist doch keine Meinungsfreiheit!"

Wie immer wird dabei verkannt werden, dass Wendler seine - hanebüchenen und brandgefährlichen - Thesen just bei Portalen wie Facebook und Instagram hochgeladen hat, die seiner Ansicht nach ja "zensiert" werden. Wie immer wird dabei verkannt werden, dass er bei seinem neuen Lieblingskanal Telegram auch künftig jeden Stuss formulieren kann, der ihm gerade in den Sinn kommt. Und wie immer wird dabei verkannt werden, dass die sogenannten "Mainstreammedien" allen und jedem zwar eine Plattform bieten können, aber noch lange nicht müssen.

Es ist "nicht egal"

"Nahezu alle Fernsehsender inklusive RTL" seien "gleichgeschaltet" und "politisch gesteuert", fabuliert der zum Welterklärer gewandelte Schlagersänger in seiner Videobotschaft. Also just die Sender, die dem stets belächelten und an sich längst abgehalfterten "Sie liebt den DJ"-One-Hit-Wonder einen ungeahnten zweiten Frühling bescherten, indem sie seinen Schunkel-Qualitäten eine neue Bühne bereiteten.

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Auch am Liebesglück von Wendler und Laura Müller werden die TV-Zuschauer wohl nicht mehr länger teilhaben.

(Foto: imago images / Future Image)

Vom Dschungelcamp über "Promi Big Brother" (bei Sat.1) bis zu "Let's Dance", dem "Sommerhaus der Stars" und zuletzt sogar als Juror bei "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) durfte er sich austoben und dabei seinen im musikalischen Karrieretief angehäuften Schuldenberg abarbeiten. RTL spendierte ihm Reality-Soaps, in denen er seine nonkonforme Beziehung mit dem Teenager Laura Müller gewinnbringend vermarkten durfte. Die mittlerweile 20-Jährige schaffte es im Windschatten der Aufmerksamkeit nicht nur ebenfalls zu "Let's Dance", sondern sogar auf die Titelseite des Mainstreammediums "Playboy". Und auch ein Werbedeal wie der mit Kaufland, in dem Wendler seinen jüngsten Song-Erguss "Egal" zu "Regal" umdichten durfte, wäre natürlich ohne die Popularität, die er den angeblich "politisch gesteuerten" Sendern zu verdanken hatte, undenkbar gewesen.

Ein Werbedeal, der erst vor wenigen Tagen öffentlich wurde und der nun so schnell geplatzt ist, wie er gekommen war. Denn auch Kaufland findet Wendlers jüngste Aussagen "nicht egal" und sieht die Grenze erreicht.

Keine Hochzeit im TV

Wendler kann auf Telegram auch weiterhin mit seiner Laura für alle, die es wissen wollen, kuscheln und "Egal" sogar zu "Scheißegal" umdichten, wenn er das möchte. Wer jedoch dem Nachbarn, der ihn jahrelang zum Essen eingeladen hat, in den Vorgarten pieselt, darf sich nicht beschweren, wenn er bei künftigen Grillpartys nicht mehr mit von der Partie ist.

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Seinen Job als DSDS-Juror hat Wendler selbst zur Verfügung gestellt. RTL wiederum hat inzwischen klar gemacht: Auch die geplante Live-Hochzeit von ihm und Laura Müller findet definitiv nicht auf dem Sender statt. "Michael Wendler hat eigenständig und ohne Rücksprache unseren Vertrag gekündigt und verunglimpft RTL. Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel prüfen und ausschöpfen. Außerdem werden wir uns in den nächsten Wochen journalistisch dem Phänomen Verschwörungstheorien vermehrt im RTL-Programm widmen", bringt es RTL-Chef Jörg Graf folgerichtig auf den Punkt.

Auch Xavier Naidoo hat sich verschwörungstheoretisch ins Abseits gestellt. Auch er hat keine Zukunft im Rampenlicht des angeblichen "Mainstreams". Aber Naidoo hat zumindest Talent. Als Sänger wird er deshalb vielleicht auch künftig noch immer genügend Menschen finden, die ihm zuhören. Der dann doch eher inselbegabte Wendler hat da nicht so viel Glück. Sein Manager Markus Krampe, der in Oliver Pochers Late-Night-Show ob der Tirade seines Schützlings weinend in sich zusammengesackt ist, scheint dies begriffen zu haben. Wendler selbst dagegen hat es wohl nicht geschnallt: Er ist ab sofort ein Ladenhüter.

Quelle: ntv.de