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Zum Tod von Andy Fletcher Ohne ihn sind Depeche Mode undenkbar

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Andy Fletcher, Dave Gahan und Martin L. Gore (v.l.) im Jahr 2005.

(Foto: Unimedia)

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Nicht nur für Fans von Depeche Mode ist die Nachricht vom Tod Andy Fletchers ein Schock. Vor allem Martin L. Gore und Dave Gahan dürfte der Verlust ihres Keyboarders nach mehr als 40 gemeinsamen Jahren hart treffen. Wie es mit der Band weitergeht? Unklar.

Es war im Jahr 1981, als die blutjungen Mitglieder der britischen Synthie-Pop-Band Depeche Mode unter dem Titel "Speak And Spell" ihr erstes Album veröffentlichten. Im selben Jahr brach das Space Shuttle zu seinem ersten Weltraumflug auf, Götz George feierte Premiere als Schimanski im Duisburger "Tatort" und ein Schütze verletzte Papst Johannes Paul II. in Rom lebensgefährlich, sofern sich an all das überhaupt noch jemand erinnern möchte. Depeche Mode sind hingegen den meisten bis heute ein Begriff.

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Fletcher, Gore, Gahan und Wilder (v.l.) Anfang der 80er-Jahre.

(Foto: picture alliance / Avalon/Retna)

Bei der Veröffentlichung ihres Debütalbums bestand die in der Folge so einflussreiche Band aus Sänger Dave Gahan, Gitarrist und Songwriter Martin L. Gore sowie den Keyboardern Vince Clarke und Andrew Fletcher, alle erst so um die 20. Eigentlich aber reicht ihre musikalische Geschichte noch einige Jahre weiter zurück.

Startschuss fiel schon 1976

Schon 1976 gründeten Clarke und Fletcher - damals beide noch pubertierende Teenager - ihre erste Band No Romance in China. Dem folgten einige Umbenennungen in unterschiedlicher Besetzung. 1980 stieß Sänger Dave Gahan dazu und schlug vor, sich nach einem französischen Modemagazin zu benennen. Kurz darauf ging Vince Clarke, ein Jahr später kam Alan Wilder. Seit dessen Ausstieg 1995 blieben Depeche Mode als Trio zurück, was ihrem Erfolg aber keinen Abbruch tat.

Gemeinsam erlebte man viele Höhen, durchlief verschiedene musikalische Phasen und musste privat auch so einige Tiefen überstehen. So hatte Fletcher mit Depressionen zu kämpfen und begab sich 1994 in Behandlung, fiel live für eine Weile aus. Dave Gahan hingegen kostete seine Drogenabhängigkeit 1996 fast das Leben, was wohl damals schon das Ende der Band bedeutet hätte. Immer wieder mal gab es auch abseits solch einschneidender Ereignisse Querelen, eine Trennung war trotz vieler Gerüchte für die drei selbst aber nie ein Thema.

14 Alben, volle Hallen

Schon mit der ersten Single "Just Can't Get Enough" landeten Depeche Mode 1981 einen Hit. Es folgten Alben wie "Some Great Reward" (1984), "Black Celebration" (1986), "Violator" (1990), "Songs Of Faith And Devotion" (1993), "Ultra" (1999) und "Exciter" (2001). Weltweit verkauften Depeche Mode mehr als 100 Millionen Tonträger und zählen damit zu den erfolgreichsten Bands überhaupt. Legendär, unvergessen und bis heute nicht nur auf jeder 80er-Jahre-Sause und den regelmäßig stattfindenden Depeche-Mode-Partys zu hören sind Klassiker wie "Enjoy The Silence", "People Are People" und "Personal Jesus".

2017 erschien mit "Spirit" Depeche Modes nun also vermutlich letzter Longplayer, mit dem die drei wie gewohnt auf große Tour gingen. Wie in all den Jahrzehnten zuvor spielten sie in ausverkauften Hallen und Stadien, nicht selten sogar an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. So richtig legendär aber war wohl ihr Auftritt in der ehemaligen DDR. Am 7. März 1988 spielten Gahan, Gore, Wilder und Fletcher inkognito in der Ost-Berliner Werner-Seelenbinder-Halle im Prenzlauer Berg und schrieben damit ostdeutsche Musikgeschichte. Viele Fans boten damals hohe Summen, um dabei sein zu können, andere fälschten gleich die Tickets. Denn wo "Geburtstagskonzert der FDJ" draufstand, war in Wirklichkeit Depeche Mode drin. Die meisten, die der Band in Ost und West seinerzeit folgten, tun es bis heute.

Und auch wenn nicht selten gemunkelt wurde, die aktuelle Tour könnte jetzt aber wirklich die letzte sein, so richtig glauben wollte das niemand. Vielmehr hofften die meisten Fans, Depeche Mode würden es den Rolling Stones gleichtun, die bis heute auf der Bühne stehen und sich erst im vergangenen Jahr von ihrem zu diesem Zeitpunkt bereits 80-jährigen Schlagzeuger Charlie Watts verabschieden mussten.

Tod mit nur 60 Jahren

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Andy Fletcher 2017 ganz in seinem Element.

(Foto: imago/Pacific Press Agency)

Andy Fletcher aber waren 20 Jahre weniger Lebenszeit beschieden. Nun müssen neben seiner Ehefrau, Grainne Mullan, und den zwei gemeinsamen Kindern, Megan und Joseph, auch Dave Gahan und Martin L. Gore von ihrem Freund und Keyboarder Abschied nehmen. Er starb im Alter von nur 60 Jahren - zumindest für Außenstehende - plötzlich und unerwartet. Das gab die Band am Donnerstagabend in den sozialen Medien bekannt. "Fletch hatte ein wahres Herz aus Gold und war immer da, wenn man Unterstützung, ein lebhaftes Gespräch, ein gutes Lachen oder ein kühles Bier brauchte", heißt es in dem veröffentlichten Statement. "Unser Herz ist bei seiner Familie und wir bitten Sie, in dieser schwierigen Zeit an sie zu denken und ihre Privatsphäre zu respektieren."

Depeche Mode schrumpfen unfreiwillig auf die Größe eines Duos zusammen. Was das für die Zukunft der Band heißt, kann man ahnen. Eine Rückkehr ins Studio oder auf die Bühne scheint fraglich. "Ich bin kein guter Songwriter. Ich könnte mit dir heute Abend ausgehen und über all meine Gefühle sprechen. Das allerdings auf ein Stück Papier zu bringen und daraus einen Song zu machen – das ist nicht mein Ding", sagte Andy Fletcher zwar mal ganz selbstkritisch in einem Interview 2005, das ich mit ihm führen durfte. Dennoch: Depeche Mode ohne ihn, das ist - zumindest im Moment - sicher nicht nur für eingefleischte Fans unvorstellbar.

Noch ist nicht öffentlich bekannt, woran Andy Fletcher starb. Und so ist auch unklar, wie überraschend die Nachricht von seinem Tod die Bandkollegen erreichte. Vielleicht hatten sie die Möglichkeit, sich von ihrem langjährigen Weggefährten zu verabschieden, sich bereits Gedanken über die Zukunft von Depeche Mode zu machen. Oder aber all das steht ihnen - und uns - noch bevor.

Quelle: ntv.de

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