Beatles-Legende blickt zurückPaul McCartney spricht noch immer mit John Lennon

John Lennon ist seit mehr als 45 Jahren tot, doch für Paul McCartney ist das Gespräch nie ganz verstummt. Anlässlich seines neuen Albums blickt die Beatles-Legende auf Freundschaft, Verlust und die Erinnerungen zurück, die ihn bis heute begleiten.
Paul McCartney meldet sich mit einem sehr persönlichen Album zurück. Auf "The Boys of Dungeon Lane", seinem inzwischen 18. Soloalbum, reist der 83-Jährige gedanklich zurück in seine Kindheit im Liverpool der Nachkriegszeit und zu den Anfängen der Beatles. Passend zum Album spricht McCartney im Interview mit dem britischen "Guardian" über Erinnerungen, Verluste - und die Menschen, die ihn bis heute begleiten.
Besonders bewegend sind seine Worte über seinen langjährigen Weggefährten John Lennon. Obwohl Lennon bereits 1980 starb, hat McCartney das Gefühl, den Kontakt zu ihm nie ganz verloren zu haben. Wenn er heute Songs schreibe oder an gemeinsame Erlebnisse aus Liverpool denke, führe er in Gedanken noch immer Gespräche mit seinem ehemaligen Bandkollegen. Lennon sei für ihn nach wie vor jemand, der sofort verstehen würde, worum es geht. Der Tod habe diesen Austausch nicht beendet - er finde heute lediglich nur noch in eine Richtung statt.
Auch der Verlust von George Harrison beschäftigt ihn. Mit zunehmendem Alter werde ihm immer bewusster, wie viele Menschen aus seinem Leben bereits verschwunden seien. Lennon und Harrison hätten zu den wichtigsten Bezugspersonen seines Lebens gehört. Ihr Fehlen sei inzwischen Teil seines Alltags geworden. Gleichzeitig betrachtet McCartney diese Erfahrung nüchtern: Es sei nichts Außergewöhnliches, sondern schlicht eine Folge des Älterwerdens.
Erinnert sich McCartney an seine Geburt?
Wie präsent manche Erinnerungen geblieben sind, zeigt sich auch bei einem Schlüsselmoment der Beatles-Geschichte. Noch heute weiß McCartney genau, wo er war, als 1963 erstmals "Love Me Do" im Radio lief. Er sei damals mit dem Auto am Nachtclub Grafton in Liverpool vorbeigefahren. Anzuhalten kam ihm nicht in den Sinn. "Ich bin einfach weitergefahren, begeistert. Das war etwas", erinnert sich der Musiker.
Auf seinem neuen Album blickt McCartney aber nicht nur auf die Beatles-Jahre zurück, sondern auch auf seine Kindheit. Die Erinnerungen an das Liverpool der Nachkriegszeit wecken bei ihm Gedanken an aktuelle Krisen. "Ich finde es unmöglich, das nicht mit der aktuellen Situation in der Ukraine oder Gaza in Verbindung zu bringen, wo jeden Moment Bomben fallen könnten und man mit diesem Wissen leben muss", so McCartney.
Eine seiner erstaunlichsten Erinnerungen reicht sogar noch weiter zurück. Der Musiker behauptet, sich an seine eigene Geburt erinnern zu können. Vor seinem inneren Auge tauchten Bilder von weißen Kacheln, medizinischen Instrumenten sowie Licht und Chaos auf. Gleichzeitig zweifelt er selbst an dieser Vorstellung. Es sei "höchst zweifelhaft", vermutlich Unsinn und möglicherweise nichts weiter als eine eingebildete Erinnerung.