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Trauer und viele Probleme Queen erlebt schweren 95. Geburtstag

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Erlebt gerade eine schwere Zeit: Queen Elizabeth II.

(Foto: picture alliance / empics)

Wie geht es der Queen? Diese Frage beschäftigt die Briten und viele Menschen im Ausland. Der hochbetagten Monarchin setzt der Tod von Ehemann Philip zu. So mutiert ein eigentlich bemerkenswerter Geburtstag von Elizabeth II. zu einer Randnotiz.

Eine Szene, die Grund zur Sorge bereitet. Eine zerbrechlich wirkende Königin betritt die sich auf dem Gelände des Schlosses Windsor befindliche St.-George's-Kapelle. Großbritanniens Dauerregentin, die eine schwarze Maske trägt, geht noch gebeugter als sonst. Elizabeth II., die ihren Ehemann Philip, mit dem sie mehr als 73 Jahre lang verheiratet war, zu Grabe trägt, sitzt kurz danach unweit des Altars - ganz allein. Ein Bild voller Symbolik, denn mit dem Tod des Herzogs von Edinburgh hat die Queen auch ihren wichtigsten Berater verloren, auch ihre vier Kinder können den geliebten Ehemann nicht ersetzen. Während des Gottesdienstes verfolgt die strenggläubige Monarchin die Liedtexte. Sie blickt nicht auf, sondern hält den Kopf gesenkt.

Obwohl sich der Gesundheitszustand von Prinz Philip seit geraumer Zeit kontinuierlich verschlechtert hatte, bedeutet sein Ableben doch einen herben Schlag für die Queen und ihre Familie. Die fast sieben Jahrzehnte, die Elizabeth und Philip gemeinsam die britische Monarchie verkörperten, waren eine sehr lange Zeit - und diese ist nun endgültig vorbei. Die Menschen im Vereinigten Königreich müssen sich daran gewöhnen, dass die öffentlichen Auftritte der Queen, die am 21. April 95 Jahre alt wird, noch weniger werden und die künftigen Könige Charles und William immer mehr Pflichten übernehmen. Auslandsreisen hatte das Oberhaupt der Windsors in letzter Zeit ohnehin nicht unternommen.

Enkelstreit und Sorgenkind Andrew

Das Jahr 2021 sollte für das Königshaus ein besonderes Jubiläumsjahr werden. Anderthalb Monate nach Elizabeths Geburtstag wäre Philip 100 geworden. (Nebenbei bemerkt: Dies blieb ihm nun erspart, denn der Duke hatte einmal geäußert, diese magische Zahl nicht erreichen zu wollen.) Doch statt zu feiern, erlebt die Queen nach 1992 nun erneut ein Annus horribilis. Da fällt es schon gar nicht mehr ins Gewicht, dass der Königinnengeburtstag wegen der von Elizabeth angeordneten 14-tägigen Trauerzeit von keinen Feierlichkeiten umrahmt wird. Ohnehin ist dieses Wiegenfest das traurigste für die Queen.

Es ist nicht nur Philips Tod, auch Probleme in der Royal Family setzen ihr zu. Da wäre das Zerwürfnis zwischen Prinz Harry und Vater Charles sowie Bruder William. Das Interview von Harry und seiner Frau Meghan in den USA, in dem der Queen-Enkel über Rassismus bei den Windsors sprach, fand zu einem Zeitpunkt statt, als Philips Gesundheitszustand sich rapide verschlechtert hatte und absehbar war, dass sein Tod unmittelbar bevorstand. Die Trauerfeier sorgt wenigstens dafür, dass William und Harry wieder miteinander sprechen. Zudem hält auch der in einen Missbrauchsskandal verwickelte Prinz Andrew den Hof in Atem. Schwierige Sachverhalte, die die Königin nun ohne Prinz Philip an ihrer Seite durchstehen beziehungsweise managen muss.

Dazu kommen massive politische Probleme wie der Umgang mit den Brexit-Auswirkungen und der Corona-Pandemie. Es kommt erneut zu einer verstärkten schottischen Absetzbewegung. Auch in Nordirland brodelt es wieder. Der Königin kommt dabei als Symbol für die Einheit des Inselstaates eine besondere Bedeutung zu.

Fels in der Brandung

Nur hat die Hochbetagte noch die Kraft dafür? Überlebt sie ihren Mann noch um einige Jahre? Bemerkenswert und Ausdruck von großem Pflichtbewusstsein ist die Tatsache, dass sie kurz nach Philips Tod mit dem 3. Earl of Peel einen ihrer wichtigsten Mitarbeiter aus seinem Dienst verabschiedet. Dazu hielt die Trauernde eine Audienz ab.

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Elizabeth II. bestieg 1952 den Thron.

(Foto: imago/ZUMA/Keystone)

Krisenfest ist die Queen, die den Thron bestieg, als Josef Stalin noch der starke Mann in der Sowjetunion war, der erste deutsche Nachkriegskanzler Konrad Adenauer gerade einmal etwas mehr als zwei Jahre amtierte und der legendäre Winston Churchill zum zweiten Mal britischer Premierminister war. Seit Anfang 1952 ist Elizabeth Königin von Großbritannien und Nordirland und damit rund 20 Jahre länger als ihr Urgroßvater Edward VII., Großvater Georg V., Onkel Edward VIII. und Vater Georg VI. zusammen. Sie hat den Zerfall des britischen Empires erlebt und sich danach mit aller Kraft dem Aufbau des Commonwealths gewidmet.

Bei wirtschaftlichen und damit verbundenen sozialen Krisen im sich im Niedergang befindlichen Königreich erwies sich die Queen als Fels in der Brandung. Sie wurde von starken Premierministern wie Churchill oder Margaret Thatcher respektiert. Auch ausländische Staats- und Regierungschefs - die überwiegende Mehrheit der aktuellen Verantwortlichen kennt nur Elizabeth II. als britische Königin - äußerten beziehungsweise äußern sich voller Hochachtung über den beachtlichen Fundus an politischer Erfahrung und politisch-historischem Wissen seitens der Königin.

Bald 70 Jahre lang auf dem Thron

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Und das, obwohl die konstitutionelle Monarchie nur repräsentative Aufgaben für das Staatsoberhaupt und seine "Firma" vorsieht. Elizabeth ist eine Meisterin darin, politische Neutralität nach außen zu verkörpern. Im Gegensatz zu ihrem Mann und ihrem Ältesten, Thronfolger Charles, äußerte sie sich nicht öffentlich zu brennenden politischen Problemen. Die Königin nutzt die wöchentlichen Unterredungen mit den Premierministern, um ihre Sicht auf die Dinge darzulegen. Für die Regierungschefs hält sie zudem immer wieder wichtige Ratschläge parat.

Die Mutter der Queen ist vor 19 Jahren im Alter von 101 Jahren gestorben. Insofern besteht die Hoffnung, dass Elizabeth noch einige Jahre Königin der Engländer, Schotten, Waliser und Nordiren bleibt. In den nächsten beiden Jahren stehen weitere Jubiläen an. 2022 ist Elizabeth 70 Jahre lang auf dem Thron, 2023 ist der 70. Jahrestag ihrer Krönung in Westminster Abbey. Eines ist sicher: Sie behält das Zepter bis zu ihrem Tod in ihren Händen. Abdanken kommt für die Königin nicht infrage.

Quelle: ntv.de

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