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Irgendwie, irgendwo, irgendwann Querdenkerin Nena überstrahlt sie alle

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Bezieht eindeutig Position: Nena.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nun also doch. Lange wird gerätselt, ob denn auch Sängerin Nena ins Lager der Corona-Leugner, Querdenker und Verschwörungsfantasten gewechselt ist. Zu kryptisch sind ihre bisherigen Aussagen dazu. Ihre jetzige Sympathiebekundung ist dann aber doch eindeutig.

Irgendwie, irgendwo, irgendwann gibt es dann wohl doch immer kein Halten mehr. So wie nun bei Nena. In einer Instagram-Story solidarisiert sich die Sängerin nicht nur mit der Querdenker-Bewegung, sondern auch mit ihrem zum Ober-Verschwörungsmufti mutierten Kollegen Xavier Naidoo. Auch wenn sich das Management auf Pressenachfragen dazu zunächst nicht äußern will - Nenas Post lässt keinen Raum für Zweifel.

Instagram-Storys verschwinden nach kurzer Zeit wieder von der Plattform. Doch sie sind in der Regel lange genug online, um die gewünschte Aufmerksamkeit zu erzielen. Und um Screenshots zu machen. So kursieren diverse Schnappschüsse des Clips, den Nena mit ihren knapp 100.000 Followern teilte, im Internet.

"Danke Kassel", schrieb die gebürtige Gabriele Susanne Kerner, die just an diesem Mittwoch ihren 61. Geburtstag feiert, zu Bildern von der Querdenker-Demonstration in der hessischen Stadt am vergangenen Wochenende. Ein Nena-Fanclub versah den Beitrag zudem mit einer Textzeile aus dem Song "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" der Sängerin, gefolgt von einem Emoji betender Hände: "Liebe wird aus Mut gemacht …" Nena teilte auf ihrer Seite auch diese Botschaft und machte sie sich somit zueigen.

Nur geträumt?

Das klingt nicht nur angesichts der tätlichen Angriffe von Demonstranten auf Polizisten und Journalisten in Kassel wie Hohn. Auch eingedenk dessen, dass sich unter die mehr als 20.000 Kundgebungsteilnehmer auch wieder mal "Reichsbürger", Rechtsextreme, Antisemiten und andere Verschwörungsfantasten gemischt haben, würde man sich wünschen, man hätte dieses Statement von Nena "nur geträumt".

Doch dem ist leider nicht so. Im Gegenteil. Vielmehr legte die Sängerin auch noch mit einem Dank an Naidoo und den bis dato weitgehend unbekannten Musiker namens Jan für deren Musik nach. Unterlegt hat sie das mit einem Song namens "Was stimmt nicht?", den die beiden im Duett vor rund zwei Wochen veröffentlicht haben. Darin heißt es etwa: "Jeder mit 'ner Meinung gilt jetzt als Verschwörer. Globale Neustadt ist ihre Vision. Ist das die Agenda oder nur Fiktion? Spiegel an der Wand, was ist los in diesem Land? Das ist nicht das Land, das einmal für Freiheit stand."

Von Bhagwan bis Mondwasser

Nena unterdessen scheint nicht mehr die Sängerin zu sein, die einmal mit einem nationalen Gassenhauer wie "99 Luftballons" für eine ebenso kindlich-naive wie charmante Friedensvision stand. Diese Unschuld hat sie mit ihrem jetzigen Post endgültig verloren. Dabei sind latent quere Auftritte von ihr natürlich alles andere als neu. Den Ruf des mehr oder weniger sympathisch verstrahlten Enfant Terrible hat sie sich lange und hart erarbeitet.

So outete sie sich etwa schon vor Jahren als Anhängerin des Bhagwan-Gurus Osho. Sie schwört auf angeblich besonders energetisches "Mondwasser" und ernährt sich Presseberichten zufolge fast ausschließlich von Rohkost, weil Gemüse durch Erwärmen oder Garen "seine Seele" verliere. 2011 brachte ihr das bereits einen Eintrag im "Schwarzbuch Esoterik" der Hamburger Sektenexpertin Ursula Caberta ein. Als Aushängeschild der Esoterik-Szene stünde die Sängerin beispielhaft für die "gefährliche Entwicklung des Esoterikmarktes zu einer Mischung aus käuflicher Spiritualität und Ideologie", hieß es da.

Ein Herzchen von Naidoo

Was ihre Haltung in der Corona-Krise betrifft, gab sich Nena dagegen bis zuletzt nur kryptisch. Schon im Oktober 2020 ließ ein Instagram-Post von ihr viele rätseln, ob sie damit wohl einen Kommentar zur aktuellen Lage abgeben wolle. Ein von ihr veröffentlichter Clip zeigte eine Frau in weißem Gewand, über der eine weiße Fahne im Wind flatterte. Dazu schrieb Nena unter anderem: "… Und ich habe meinen gesunden Menschenverstand, der die Informationen und die Panikmache, die von außen auf uns einströmen, in alle Einzelteile zerlegt. Und so ist es mir möglich, mich nicht hypnotisiert von Angst in die Dunkelheit ziehen zu lassen. Lasst uns ins Licht gehen und für die Liebe stehen, denn trotz allem Wahnsinn, den wir hier erleben, glaube ich und weiß, dass der positive Wandel nicht mehr aufzuhalten ist."

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Nena und Xavier Naidoo (2.v.r.) kennen sich nicht zuletzt aus der TV-Show "The Voice of Germany".

(Foto: picture alliance / dpa)

Von Naidoo gab es dafür als Kommentar ein Herzchen und - natürlich - betende Hände. Dass die beiden mehr verbindet als nur ihre gemeinsame Vergangenheit als Juroren bei "The Voice of Germany", erschien schon da ersichtlich.

Auf keiner Seite?

Noch etwas deutlicher wurde es aber, als Nena ihre Fans Anfang Februar wissen ließ, dass es bei ihren Konzerten keine Bevorzugung von Menschen geben werde, die gegen das Coronavirus geimpft seien. "Ihr Lieben, auf meinen Konzerten wird es auch weiterhin keine Zweiklassengesellschaft geben", erklärte sie. "Ihr seid immer alle willkommen!", kommentierte sie eine Maßnahme, die noch gar niemand beschlossen hat. Und über die im Zweifel künftig wohl auch nicht der Künstler entscheiden dürfte, sondern der das Risiko tragende Veranstalter.

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Das Management der Musikerin wiegelte dabei in der Vergangenheit noch ab. Die Sängerin sei keinesfalls eine Corona-Leugnerin, hieß es. "Sie stellt sich auf keine Seite, sondern hat eine Meinung und Gefühle, denen sie in erster Linie in ihrer Musik Ausdruck verleiht."

Die Demarkationslinie jedoch hat Nena nun überschritten. Und wie ein "Leuchtturm", den sie ebenfalls in einem ihrer Hits dereinst besang, überstrahlt die Ikone der Neuen Deutschen Welle damit so ziemlich alle deutschen Promis, die bislang in querdenkende Untiefen abgesegelt sind. Die Hoffnung, dass ihr noch ein Licht aufgeht, ist gering.

Quelle: ntv.de

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