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Nach umstrittenen Videos RTL wirft Xavier Naidoo raus

Die Veröffentlichung von Videos, in denen Xavier Naidoo fremdenfeindliche Textzeilen singt und über die "Wir sind mehr"-Initiative herzieht, hat Konsequenzen: RTL trennt sich von dem bisherigen Juror bei "Deutschland sucht den Superstar".

"Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) ist mitten in der 17. Staffel. Am Samstag geht das erfolgreiche Castingformat mit dem Beginn der Liveshows in die entscheidende Phase. Doch einer ist dann nicht mehr mit von der Partie: Xavier Naidoo. RTL hat ihn gefeuert.

"Nach den umstrittenen Äußerungen von Xavier Naidoo in einem selbst gedrehten Video, das heute in den sozialen Netzwerken geteilt wurde, hat sich RTL entschlossen, den Sänger aus der Jury von 'Deutschland sucht den Superstar' auszuschließen", teilte der Sender mit.

Xavier Naidoo werde aufgrund der Aussagen in umstrittenen Videos "nicht zum ersten Mal Fremdenhass und Rassismus vorgeworfen", hieß es weiter. "RTL hatte den Sänger gebeten, sich dazu umfassend zu äußern. In einem schriftlichen Statement dem Sender gegenüber und auf seinem Facebook Account hat Xavier Naidoo die Vorwürfe des Rassismus zurückgewiesen, zu den Hintergründen und der Entstehung des Videos äußerte er sich nicht." Er bleibe dem Sender viele Antworten schuldig, zudem seien weitere Videos aufgetaucht, die in eine ähnliche Richtung gehen. "Das hat RTL bewogen, ihn am Samstag aus der Jury von 'Deutschland sucht den Superstar' zu nehmen."

"RTL steht für Vielfalt im Programm", sagte RTL-Geschäftsführer Jörg Graf. "Wir sind Verfechter der Meinungsfreiheit. Dazu gehört aber auch, dass wir jede Form von Rassismus und Extremismus entschieden ablehnen. Die jetzt aufgetauchten Videos von Xavier Naidoo haben uns massiv irritiert." Die Bitte, die Äußerungen im Dialog und live bei RTL persönlich und öffentlich zu diskutieren und zu erklären, habe Naidoo bislang unbeantwortet gelassen. "Gerade diese Diskussion fänden wir wichtig, da für uns die Aussagen im Video und seine Kommentierung danach überhaupt nicht zusammenpassen", sagte Graf.

Der Sender zieht damit die Konsequenz aus der Veröffentlichung zweier umstrittener Videos des Sängers und einem wenig überzeugenden Erklärungsversuch. Naidoo hatte in den verschwörungstheoretisch anmutenden Clips fremdenfeindliche Textzeilen gesungen und sich zudem über die "Wir sind mehr"-Initiative echauffiert. Diese sei "peinlich und deutschlandfeindlich", gab der 48-Jährige zum Besten.

Halbherzige Rechtfertigung

In einer schriftlichen Stellungnahme auf seiner Facebook-Seite offenbarte Naidoo, dass die Videos 2018 entstanden sind. Wie sie nun an die Öffentlichkeit gelangten, blieb dagegen unklar. Es gibt Hinweise, dass die Veröffentlichung auf AfD-nahe Kreise zurückgeht.

Offenbar entstanden die Clips im Zusammenhang mit den Ereignissen in Chemnitz 2018. Nach einer Messerstecherei bei einem Stadtfest war es damals zu rechtsextremen Ausschreitungen in der Stadt gekommen. Gegen sie formierte sich später die Bewegung "Wir sind mehr".

In seiner Stellungnahme versuchte Naidoo zugleich, sich halbherzig zu rechtfertigen, ohne jedoch auf die von ihm gesungenen Textpassagen in den Videos konkret einzugehen. Rassenhass und Fremdenfeindlichkeit seien ihm völlig fremd, beteuerte er. Und: "Ich setze mich seit Jahren aus tiefster Überzeugung gegen Ausgrenzung und Rassenhass ein. Liebe und Respekt sind der einzige Weg für ein gesellschaftliches Miteinander." Nicht nur dem Sender RTL, der in einem Tweet "klare Antworten" von Naidoo eingefordert hatte, reichte dies jedoch als Erklärung nicht aus.

Naidoo hatte 2019 erstmals neben Dieter Bohlen, Pietro Lombardi und Oana Nechiti in der DSDS-Jury Platz genommen. 2020 entschied er zum zweiten Mal in Folge über das Wohl und Wehe der Kandidaten in der Sendung mit. Ob sein Jurystuhl in den kommenden Liveshows leer bleibt oder anderweitig besetzt wird, steht noch nicht fest.

Quelle: ntv.de, vpr