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Nach Eklat um Ofarim Rechte Security bei Antisemitismus-Demo?

Nach den Diskriminiserungsvorwürfen von Gil Ofarim protestieren am Dienstagabend Hunderte Menschen vor dem "Westin Leipzig" gegen Antisemitismus. Der offenbar vom Hotel engagierte Sicherheitsdienst ist Kennern der rechtsextremen Szene gut bekannt.

Nach dem mutmaßlichen antisemitischen Vorfall im "Westin Leipzig", den der Musiker Gil Ofarim öffentlich gemacht hat, haben sich am Dienstagabend Hunderte Menschen zu einer Kundgebung vor dem Hotel versammelt. Um das Haus abzusichern, engagierte man offenbar ausgerechnet eine Security-Firma, deren Geschäftsführung dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen ist, wie "t-online.de" berichtet.

Aufgefallen ist das durch einen Post auf der Facebook-Seite von "Pro-GSL". "Heute mal auf die Schnelle das Westin abgesichert", heißt es da mit entsprechendem Foto von vier Wachleuten vor dem Westin-Gebäude. "Pro-GSL" ist laut Eigenwerbung "Ihr zuverlässiger Sicherheitsdienst Leipzig, Halle und Umgebung", Geschäftsfelder sind unter anderem Veranstaltungs- und Objektschutz. Auf rechtsextreme Verstrickungen lässt auf der Website der Firma allenfalls die Adresse des Firmensitzes schließen, die bei den Märschen des Leipziger Pegida-Ablegers Legida und anderen Demonstrationen als Treffpunkt rechter Hooligans diente.

Auch einer der beiden "Pro-GSL"-Geschäftsführer, Oliver R., war bei den völkisch-rassistischen Legida-Kundgebungen als "Sicherheitschef" tätig. Zudem sind Verbindungen ins militante Neonazi-Milieu dokumentiert. Auch der andere Geschäftsführer ist kein unbeschriebenes Blatt. Tobias B. wurde Anfang 2016 wegen seiner Beteiligung am sogenannten "Sturm auf Connewitz" verhaftet. Damals verwüsteten über 250 Neonazis ganze Straßenzüge im als links-alternativ bekannten Stadtteil Connewitz. Mit Eisenstangen und Latten bewaffnet zerschmetterten sie Scheiben, demolierten Geschäfte und zündeten Autos an. Für seine Beteiligung an den Ausschreitungen wurde "Pro-GSL"-Geschäftsführer Tobias B. fünf Jahre später zu einer Geldstrafe und elf Monaten auf Bewährung verurteilt.

Hotel tut sich mit Absage an Antisemitismus schwer

Dass nun ausgerechnet eine Firma, deren Führung im rechtsextremen Umfeld verankert ist, im Zuge einer Kundgebung gegen Antisemitismus engagiert worden sein soll, lässt das Krisenmanagement der Leipziger Hotels erneut in einem schlechten Licht erscheinen. Schon zuvor hatte die Reaktion des Hotels auf die Antisemitismus-Vorwürfe von Gil Ofarim für Kritik gesorgt. In einem ersten Statement zeigte sich das Hotel "besorgt", man habe das Ziel, "alle unsere Gäste und Mitarbeiter zu integrieren". Das Wort Antisemitismus fehlte in der Stellungnahme.

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Bei der Demonstration wollten dann Mitarbeiter des Hotels mit einem Banner mit der Flagge Israels und dem muslimischen Halbmond ihre Solidarität mit dem Musiker bekunden. "Nach der antisemitischen Anfeindung gegen einen Juden in Deutschland fällt dem Hotel nichts anderes ein, als die israelische Flagge und Symbole des Islam auf ein Banner zu drucken", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, der Deutschen Presse-Agentur. Bei dem Hotel gebe es offenbar wenig Bewusstsein dafür, dass Juden ein Teil der deutschen Gesellschaft seien.

Einige der Hotelmitarbeiter, die an dem Vorfall beteiligt gewesen sein sollen, wurden laut "The Westin Leipzig" vorerst beurlaubt. Einer von ihnen wirft Ofarim nun Verleumdung und Bedrohung vor und hat Anzeige gegen ihn erstattet. Der Mann schildere den Vorfall "deutlich abweichend von den Auslassungen des Musikers", so ein Sprecher der Leipziger Polizei.

Quelle: ntv.de, ino

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