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Erstes Großkonzert nach dem Terror Scorpions bringen Paris die Hoffnung zurück

Die Halle von Bercy ist bekannt für besondere Gigs. Nun erlebt die Arena im Herzen von Paris einen weiteren Gänsehautabend: Knapp zwei Wochen nach den blutigen Terrorattacken sind die Scorpions zu Gast - und setzen ein musikalisches Zeichen für den Frieden.

Klaus Meine ist ganz Franzose. Seine gerade noch rechtzeitig vor dem Auftritt aus Hamburg eingetroffene Lederjacke zum Konzertauftakt der Scorpions in Paris hat im linken Ärmel einen genähten Einsatz, der knapp 20.000 Zuschauer in der ausverkauften Halle von Bercy schon zu Beginn des Abends in Jubel ausbrechen lässt: Blau-Weiß-Rot, die französischen Farben.

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Bleu, blanc, rouge - bei ihrem Auftritt in Paris bekunden die Scorpions ihre Solidarität mit Frankreich.

(Foto: dpa)

Dieses per Videoscreen vergrößerte Bekenntnis zu einem Land, dessen Hauptstadt erst vor wenigen Tagen erneut Ziel fürchterlicher Terroranschläge war, zieht sich durch das zweistündige Programm der Band aus Hannover. Schon beim zweiten Stück des Abends wird die Multimediawand hinter den Hardrockern zum optischen Festival in bleu, blanc, rouge.

Sänger Meine schnappt sich ein paar Songs später eine Fahne aus dem Publikum und trägt sie zu "Wind of Change" um die Schulter. Der 67-Jährige sagt zunächst auf Englisch, später noch auf Spickzettel-unterstütztem Französisch, das Konzert solle ein "Fest des Lebens für Frieden und Hoffnung" mit den Fans werden. Die Gitarristen Rudolf Schenker - seit Gründung der Band vor inzwischen 50 Jahren dabei - und Matthias Jans sowie Bassist Pawel Maciwoda und Drummer James Kottak stehen ihm bei jedem Ton als eingespieltes Team zur Seite.

Marseillaise a capella

Nach den blutigen Attacken sind die Scorpions als eine der ersten internationalen Gruppen wieder zurück auf der ganz großen Bühne von Paris. Die Fans danken es auf ihre Weise: Angestimmt von Drummer Kottak singen sie die Marseillaise, die französische Nationalhymne a cappella. Viele Fäuste recken sich dazu in die Höhe.

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Gitarrist Rudolf Schenker und seine Scorpions begeisterten das Pariser Publikum.

(Foto: dpa)

Auch andere Momente sind emotional schwer aufgeladen. Im akustischen Teil zur Halbzeit des Konzerts wird "Send me an Angel" zur Hymne von Tausenden in Bercy. An der Bühnenwand dazu: die seit den Anschlägen kursierende stilisierte Darstellung des Eiffelturms als Friedenssymbol. Noch vor Konzertbeginn hatte Meine auf solche Momente gesetzt: "Musik kann besonders in schweren Zeiten Kraft und Trost geben."

Andere Bands hatten in den vergangenen Tagen ebenfalls Konzerttermine in Bercy. U2 mussten nach den Anschlägen zwei Auftritte streichen und wollen die Gigs im Dezember nachholen. Auch den Foo Fighters blieb nur eine Absage.

Die Scorpions sind so aus tragischem Zufall zum ersten international renommierten Auftritt in der frisch modernisierten Halle von Bercy geworden, die inzwischen AccorHotels Arena heißt. Schon 1984 eröffnete die Band aus Hannover den damaligen Palais Omnisports de Paris-Bercy als erster Mega-Gig.

Halle nur locker gefüllt

Für das ausverkaufte Konzert waren etwa 20.000 Tickets abgesetzt worden. Die örtlichen Veranstalter rechneten damit, dass etwa zehn Prozent der Zuschauer nach den Terrorattacken nicht zum Konzert kommen würden, tatsächlich bleibt die Halle eher locker gefüllt. Die Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollen sind drastisch. Unzählige Ordnungskräfte machen die riesige Halle zum Hochsicherheitstrakt. Schon vor dem Konzert sagte Meine, es werde "alles unternommen, was in Sachen Sicherheit umsetzbar ist".

Viele Zuschauer zeigen sich zufrieden damit. "Die Sicherheit ist super, das hat mir gefallen", urteilt Paul Guillier über die Ordner und Visitationen. "Ja, das hat beruhigt", pflichtet ihm Agathe Mussig bei.

Die Schwestern Malorie und Floriane Pasquier hatten noch überlegt, wie die Lage nach den Terroranschlägen ist. Doch die Musik ist wichtiger: "Die Konzertkarte für Malorie war schließlich ein Geburtstagsgeschenk", verrät die Schwester. Für Rachel und Laurent Rabaut aus Reims stand der Weg aus der Champagne nach Paris nie zur Diskussion: "Das war überhaupt gar keine Frage. Wir wollten zu den Scorpions!"

Quelle: n-tv.de, Gerd Roth, dpa

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