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"Falcon and Winter Soldier" Sind Comic-Verfilmungen dumm?

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Anthony Mackie (Falcon) und Sebastian Stan (Winter Soldier) treten ein großes Erbe an.

(Foto: imago images/Cinema Publishers Collection)

Superhelden geben seit Jahren - nicht zur Freude aller - den Ton im Filmgeschäft an. Coronabedingt boomen Streamingdienste, auf denen sich immer mehr bunte Capes tummeln. Nun legt Disney+ mit "Falcon and Winter Soldier" nach. Doch sind Comic-Filme und -Serien überhaupt richtiges Kino?

Die erfolgreiche Adaption von Superhelden-Comics für die große Leinwand ist keine Idee, die erst in diesem Jahrtausend entstanden ist. Schon Regisseur Richard Donner zeigte 1978 mit seiner Verfilmung von "Superman", dass es möglich ist, den Zauber der fliegenden Helden von bunten Papierseiten ins Kino zu übertragen. Der in den 1930er-Jahren von den beiden US-Amerikanern Jerry Siegel und Joe Shuster erschaffene Kryptonier machte Christopher Reeve über Nacht zum Star. Aus historischer Sicht ist es also nur gerecht, dass der erste Superheld der Comicgeschichte auch filmisch den Grundstein dafür legte, dass Superhelden zu mehr fähig sind, als nur von großen Kinderaugen unter der Bettdecke bestaunt zu werden.

Exakt 20 Jahre später legte der Brite Stephen Norrington mit seiner Verfilmung des Marvel-Comics "Blade" stilistisch noch eine Schippe drauf. Der erste "X-Men"-Film zur Jahrtausendwende und "Spider-Man" mit Tobey Maguire als Peter Parker zeigten dann, wohin die Reise der Comic-Verfilmungen geht. Nolans "Batman"-Trilogie gab dem Genre, im Gegensatz zu Tim Burtons Fledermaus-Interpretation, die nötige Ernsthaftigkeit. Und dank am Computer generierter Bilder (CGI) waren den optischen Möglichkeiten der Geschichten von nun an keine Grenzen mehr gesetzt.

"Marvel-Filme sind kein richtiges Kino"

Vor einiger Zeit meldeten sich dann aber zwei Hollywood-Größen zum Thema Comic-Verfilmungen zu Wort: "Pate"-Regisseur Francis Ford Coppola gab ihnen den Stempel "abscheulich", wohingegen sie seinen Kollegen Martin Scorsese an "Freizeitparks" erinnerten. Scorsese sprach den Marvel-Filmen gleich ganz die Zugehörigkeit zum Kino ab.

Fans von Superhelden-Filmen wird nicht selten ein Hang zum Nerdtum unterstellt. "Comic-Filme seien trotz ihres immensen Erfolgs schließlich nur etwas für 12-jährige Kinder und dumme Erwachsene", schrieb etwa ein Kommentator unter eine vernichtende Kritik des neuen Films der "Avengers"-Regisseure Joe und Anthony Russo. Einige Filmkritiker und Kinofans scheinen es genauso zu sehen wie Coppola und Scorsese. Comic-Filme und -Serien seien nur etwas für Kinder oder für Menschen, denen entweder die nötige Bildung fehle oder die von gut gemachtem Kino nicht die geringste Ahnung hätten.

Nicht verwunderlich, dass viele dieser Kritiker Comic-Heften und deren filmischen Ablegern per se kritisch gegenüberstehen oder, wie einige auch unverhohlen zugeben, die meisten dieser Filme überhaupt nicht gesehen haben.

Niemand möchte Persönlichkeiten wie Scorsese oder Coppola ihre cineastischen Verdienste und Kenntnisse absprechen, doch ein ganzes Filmgenre aufgrund von persönlichen Vorlieben zu brandmarken, schießt ziemlich übers Ziel hinaus.

Gutes Kino mit Superhelden

Wer Comic-Verfilmungen cineastisch oder aus Sicht der Unterhaltung also nichts abgewinnen kann, sollte sie sich einfach nicht anschauen. Dem Superhelden-Fandom jedoch mangelnde Bildung und kein Verständnis fürs Kino zu unterstellen, sagt im Grunde mehr über die bornierten Sichtweisen einiger Kritiker aus als über die Fans. Denn gutes und auch tiefgründiges Kino mit Superhelden ist und war in den letzten Jahren immer Realität.

Den jüngsten Beweis dafür liefert der nun bei Disney+ gestartete neueste Ableger des Marvel Cinematic Universe (MCU) "The Falcon and the Winter Soldier". Mit Herz und Seele werden hier zwei der beliebtesten Nebencharaktere der "Captain America"-Filme in ihr eigenes Serien-Universum eingeführt. Anthony Mackie als Sam Wilson aka "The Falcon" und Sebastian Stan als "Bucky" Barnes aka "The Winter Soldier" dürfen ihre bereits bekannte Performance um neue Ebenen erweitern.

Die Action ist mehr als stimmig, die Inszenierung muss sich hinter keinem Kinofilm verstecken und die persönlichen Hintergrundgeschichten sind - wie schon bei "WandaVision" - vielversprechend. Wer hier keinen Kinozauber erkennen möchte, dem bieten die zahlreichen Streamingdienste genügend Ausweichmöglichkeiten; für alle anderen, die das Staunen noch nicht verlernt haben, geht die Reise durch das cineastische Universum von Marvel weiter. Wer möchte denn nicht manchmal an Wunder glauben?

Eine ausführliche Kritik zu "The Falcon and the Winter Soldier" und zu "Cherry", dem neuen Film der "Avengers"-Regisseure Joe und Anthony Russo, gibt es in dieser Folge von "Oscars & Himbeeren" mit Ronny Rüsch und Axel Max. Jeden Freitag dreht sich hier alles rund um Streamingdienste wie Netflix, TVNOW, Amazon Prime & Co.

Quelle: ntv.de

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