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Aggressive Sexualität Stürzt Kevin Spaceys Kartenhaus ein?

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(Foto: Evan Agostini/Invision/AP)

In "House of Cards" mimt Kevin Spacey den charmanten Fiesling. Doch auch im echten Leben scheint er untragbare Umgangsformen zu pflegen. Er hat zugegeben, vor Jahren einen Jungen belästigt zu haben. Damit ist die Geschichte allerdings nicht vom Tisch.

Kevin Spacey hat an einem kleinen Jungen rumgegrabbelt. Könnte man so sagen, denn als Grabbelei droht die Geschichte abgetan zu werden - zumal der Mann betrunken war, zumal es 30 Jahre her ist. Sexualstraftaten sind bis heute ein Tabu-Thema, und in dem Moment, in dem sich ihre Enttabuisierung ankündigt, wächst die Sorge ausufernder Anschuldigungen.

Ob die Debatte um sexuelle Gewalt unglücklich von Panikmache, Pauschalurteilen und Verteufelung erotischer Ambitionen gezeichnet ist, muss diskutiert werden. Der Fall Kevin Spacey aber bietet sich dafür nicht an. Genauso wenig neu wie die Geschichten vom schwulen Spacey - wenngleich bis jüngst von ihm nicht adressiert - sind die Geschichten vom sexuell aggressiven Spacey.

Im Jahr 2015 hatte das mittlerweile eingestellte US-Portal "Gawker" von verschiedenen Vorfällen berichtet, die sexuelles Fehlverhalten Spaceys nahelegen. Demnach würden vor allem junge Männer in den frühen 20ern Spaceys Interesse wecken: "groß, gebräunt, dunkle Locken, athletisch".

Verschiedene Informanten beschrieben Spaceys Avancen gegenüber "Gawker" als belästigend und aufdringlich. So soll er Männern ungefragt an den Hintern oder Oberschenkel gefasst haben. In Bars oder Restaurants, aber auch an Filmsets - auch während der Dreharbeiten zur Serie "House of Cards" soll Spacey Fremde beziehungsweise Angestellte bedrängt haben.

"Für Sex in seinen Trailer zitiert"

"Spacey zitiert regelmäßig die jungen, männlichen Crewmitglieder für Sex in seinen Trailer", zitierte "Gawker" aus einer Lesermail. "Spacey belästigt die männlichen Produktionsassistenten am Set, indem er so tut, als würde er dem Tonangel-Mikrofon einen blasen", hieß es in einer anderen Nachricht an das Portal.

Nun soll man nicht alles glauben, was die Leute schreiben - erst recht nicht, wenn ein Portal die Informationen bündelt, das sich mit Klatsch einen Namen gemacht hat. Vielleicht auch deswegen haben die dubiosen Geschichten rund um Spacey der Karriere des Oscar-Preisträgers bislang nicht geschadet. "House of Cards", worin Spacey in der Hauptrolle des Frank Underwood zu sehen ist, zählt zu den erfolgreichsten Serienformaten überhaupt.

Vorwürfe häufen sich

"House of Cards"-Anbieter Netflix und die entsprechende Produktionsfirma Media Rights Capital wollen von widrigen Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeiter durch Spacey jedenfalls nichts gewusst haben. In einem gemeinsamen Statement heißt es, man wolle sich mit Cast und Crew treffen, um garantieren zu können, dass die Angestellten sich sicher und unterstützt fühlen würden. Die Dreharbeiten zur finalen Staffel der Serie wurden vorerst auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Wohl eine weise Entscheidung, denn Kevin Spacey sieht sich inzwischen mit immer mehr Anschuldigungen konfrontiert.

Filmemacher Tony Montana gab an, Spacey habe ihm in den Schritt gefasst und ihn gebeten, mit ihm gemeinsam die Bar zu verlassen, in der sich die Männer befanden. Der Schauspieler Roberto Cavazos, der mit Spacey zusammen an einem Londoner Theater gearbeitet hatte, versicherte gar: "Viele von uns haben eine 'Kevin Spacey Geschichte'". Spacey habe sich frei gefühlt, ihn und seine Kollegen anzufassen. Das sei so üblich gewesen.

Entschuldigungen und Gründe

Fast fühlt es sich an, als kenne man die Geschichte bereits. Ein berühmter Mann wird eines sexuellen Übergriffs beschuldigt. Er entschuldigt sich, findet Gründe, Erklärungen oder trifft einfach nur den richtigen Ton - und die Öffentlichkeit ist beinahe geneigt, ihm zu verzeihen, was ihm eigentlich nur diejenigen verzeihen können, deren Körper er sich bemächtigt hat. Dann kommt die nächste Enthüllung, dann die nächste.

Vielleicht erweist sich die Mehrzahl der Vorwürfe gegen Spacey als haltlos, vielleicht als strafrechtlich irrelevant und bleibt moralisch lediglich dem Urteil des Einzelnen überlassen. Anthony Rapp hat als erster öffentlich Spaceys Taktlosigkeit adressiert. Doch seine Geschichte ist nicht einfach die einer fast vergessenen Grabbelei im Suff. Es ist schon jetzt die Geschichte vieler, deren Seite gehört und auf deren Vorwürfe reagiert werden muss.

Quelle: ntv.de