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"Jetzt offiziell: Honig im Kopf" Til Schweiger in zweifelhafter Gesellschaft

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Er weiß, wie man polarisiert: Til Schweiger.

(Foto: imago images/Reiner Zensen)

An Til Schweiger scheiden sich die Geister. Und das nicht nur, wenn es um seine Filme geht. In der Pandemie motzt er zunächst über Spaziergänger, die keinen Abstand halten, um später Solidarität mit Xavier Naidoo zu bekunden und Corona-Leugner zu bejubeln. Nun setzt er nochmal einen drauf.

Superman? Gandhi? Oder vielleicht Dänemarks Nationalmannschaftskapitän Simon Kjaer? Nein, wenn Til Schweiger nach seinem "Helden" in der heutigen Zeit gefragt wird, dann fällt ihm offenbar jemand ganz anderes ein: Boris Reitschuster. Das zumindest geht aus einem Post hervor, den der Regisseur und Schauspieler auf seiner Instagram-Seite veröffentlichte.

Der Post besteht aus zwei Fotos. Das erste Bild zeigt ein Boot im Anschnitt auf dem Wasser. Auf der zweiten Aufnahme strahlen Schweiger und Reitschuster gemeinsam in die Kamera. Es macht den Anschein, als hätten sie zusammen einen Ausflug unternommen. Der ein Sakko tragende Reitschuster wirkt für den Anlass jedoch nicht gerade passend gekleidet. Ob es sich tatsächlich um einen Schnappschuss oder um eine Collage handelt, ist schwer zu sagen.

Letztlich ist das aber auch nicht von Belang. Entscheidend ist die Anmerkung, mit der Schweiger das Bild versehen hat. "Barefoot boat mit meinem Helden Boris Reitschuster", ist da zu lesen. Dass ihm das jede Menge Kommentare einbringen würde, dürfte Schweiger bewusst gewesen sein. Und dass er damit mal wieder polarisiert, sicher auch.

"Gesteuerte Demokratie"

Schließlich verorten viele den früheren "Focus"-Journalisten und heutigen Blogger Reitschuster im rechtspopulistischen Spektrum. Popularität erlangte er durch seine kritische Auseinandersetzung mit dem politischen System Russlands unter Präsident Wladimir Putin. In der Corona-Krise ließ er unterdessen deutliche Nähe zum Querdenker-Milieu erkennen. Wer aktuell seinen Blog besucht, findet dort jede Menge Artikel von ihm und anderen Autoren, in denen die Corona-Maßnahmen auseinandergenommen und die angeblichen Gefahren einer Impfung heraufbeschworen werden.

Beliebte Angriffsziele Reitschusters sind auch die Grünen, die öffentlich-rechtlichen Medien und die "gesteuerte Demokratie, in die sich die Bundesrepublik nach fast 16 Jahren Angela Merkel zunehmend verwandelt", wie es in einem der jüngsten Texte des 50-Jährigen heißt. Unter anderem untersuchten das Recherchezentrum "Correctiv" und die Intiative "Volksverpetzer" diverse Texte von Reitschuster auf ihren Wahrheitsgehalt hin und wiesen ihm mehrfach Falschaussagen oder eine bewusst lückenhafte Darstellung nach.

"Am rechten Beckenrand"

Dass sich Schweiger mit Reitschuster gemein macht, stößt auf teils heftige Kritik in den Kommentaren zu seinem Post. "Coronaleugner feierst du? Na ja. Wenn du meinst, das wäre in irgendeiner Form ein Boost für dich - schon 'nen Telegram-Kanal aufgemacht? Ätzend", schreibt etwa eine Nutzerin. "Na toll, auch am rechten Beckenrand unterwegs. Hat sich jetzt endgültig ins Abseits geschossen", befindet ein anderer User mt Blick auf Schweiger. ZDF-Moderator Jan Böhmermann indes meldete sich auf Twitter zu Wort. "Jetzt dann offiziell: Honig im Kopf", merkt er unter Bezug auf einen Film des Regisseurs ironisch an.

Dies wiederum rief Reitschuster persönlich auf den Plan, der umgehend auf Böhmermanns Äußerung bei Twitter reagierte: "Ihre Fernsehgebühren im Einsatz: Hass und Hetze, gesponsert von den öffentlich-rechtlichen. Dabei muss man sich freuen: In anderen Zeiten und Regimen hätten es solche Leute wie Böhmermann noch wesentlich weiter gebracht, und hätten wirklich gefährlich werden können", orakelt er. Doch auch Schweigers Instagram-Post findet noch andere Unterstützer. "Das macht dich nochmals sehr viel sympathischer als ohnehin schon, danke Til", erklärt zum Beispiel ein Nutzer. Und ein anderer meint schlicht: "Topteam!"

Um 180 Grad gedreht

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Til Schweiger in die Nähe von selbsternannten Querdenkern oder Verschwörungsfantasten begibt. Während er noch zu Beginn der Pandemie ein Video postete, in dem er sich über Spaziergänger echauffierte, die keinen Abstand hielten, schwenkte er in seinen Meinungsäußerungen wenig später komplett um.

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So lobte er etwa die umstrittenen Thesen des Arztes Bodo Schiffmann oder teilte eine Karikatur, in der der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, als Lottofee bei der "Ziehung der Infektionszahlen" gezeigt wurde. Als der Virologe Christian Drosten und der SPD-Politiker Karl Lauterbach berichteten, sie erhielten Morddrohungen, ging Schweiger sie frontal an. "Heult jetzt nicht rum", erklärte er und fügte an: "Steht zu eurer Meinung - das ist euer Recht - aber weint nicht. Ob ihr recht habt, wird die Zukunft zeigen!" Später entschuldigte er sich hierfür.

Auch auf seinen verschwörungsgläubigen Freund Xavier Naidoo wollte Schweiger in der Vergangenheit nichts kommen lassen. Als dieser sich aufgrund von Songtexten Rassismusvorwürfen ausgesetzt sah, erklärte Schweiger hierzu: "Das klingt jetzt komisch, aber ich mag den Kerl so gern, dass ich mir diese Lieder gar nicht anhören will."

Quelle: ntv.de, vpr

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