Er war der CopVillage-People-Sänger Victor Willis ist tot

Als Gründungsmitglied und Leadsänger von Village People wird Victor Willis berühmt. Der von ihm mitgeschriebene Song "Y.M.C.A." wird gleich mehrfach zur Hymne - erst zu einer der Schwulenbewegung, dann zu der von Donald Trump. Jetzt ist Willis gestorben.
Was ist das? Ein Bauarbeiter, ein Soldat, ein Biker, ein Polizist, ein Cowboy und ein Indianer, wie man in den 70ern noch zu den amerikanischen Ureinwohnern zu sagen pflegte? Na, klar, das sind die Village People. Und obwohl oder gerade weil die 1977 gegründete Formation wie eine drittklassige Faschingstruppe anmutete, gelangen ihr nicht nur in ihren Anfangstagen einige musikalische Erfolge, sondern ist sie bis heute im popkulturellen Gedächtnis.
Zuvorderst liegt das natürlich an ihrem Song "Y.M.C.A.". An weitere Lieder wie "In The Navy", "Can't Stop The Music" oder das aberwitzige "Far Away in America", das 1994 anlässlich der damaligen Weltmeisterschaft in den USA zusammen mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft entstand, erinnern sich mit Sicherheit schon nicht mehr so viele. Auch "Go West" war ursprünglich mal ein Song der Village People - bekannt gemacht haben ihn aber vor allem die Pet Shop Boys mit einer Coverversion.
Der Spaß im "Y.M.C.A."
"Y.M.C.A.", das steht für "Young Men's Christian Association", eine weltweit tätige christliche Jugendorganisation, hierzulande als "Christlicher Verein Junger Menschen" (CVJM) bekannt. Ursprünglich stand sie ausschließlich Männern offen. Die Freuden, die einen dort erwarten würden, werden im Lied euphorisch besungen: "It's fun to stay at the Y.M.C.A. They have everything for young men to enjoy. You can hang out with all the boys" ("Es macht Spaß, im Y.M.C.A. zu sein. Sie haben alles, was jungen Männern gefällt. Du kannst dir mit all den Jungs die Zeit vertreiben.")
Mitautor des Songs war Victor Willis. Er zählte zudem zu den Gründungsmitgliedern der Village People und übernahm in der Formation den Leadgesang. Sein Bühnen-Alter-Ego war der Cop mit Helm, Polizeiuniform und womöglich auch Pistolen-Attrappe im Halfter.
Seine Stimme hatte der im texanischen Dallas geborene Willis zunächst als Gospel-Sänger geschult, in der Baptistengemeinde seines Vaters, der als Prediger wirkte. Nach einer Ausbildung in Schauspiel und Tanz zog es ihn nach New York, wo er unter anderem im Broadway-Musical "The Wiz" (1976) mitwirkte. Zu jener Zeit trat der französische Produzent Jacques Morali an ihn heran - aus der Zusammenarbeit gingen die Village People hervor.
Über die Jahre existierte die Band in unterschiedlichen Zusammensetzungen, die mit der Originalbesetzung nur noch bedingt zu tun hatten. Willis kehrte der Gruppe Mitte der 80er-Jahre den Rücken. Später kämpfte er abseits des Rampenlichts mit Suchtproblemen und juristischen Schwierigkeiten. Nach einer Festnahme 2006 begab er sich in eine Entzugstherapie. Vor knapp zehn Jahren ließ er sich dann dazu hinreißen, mit diversen Mitstreitern wieder unter dem alten Bandnamen und in seiner angestammten Rolle aktiv zu werden. So machte er etwa anlässlich der zweiten Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump Anfang 2025 auf der Bühne wieder den Polizisten.
"Kurze, aber aggressive Krankheit"
Jetzt ist Willis im Alter von 74 Jahren gestorben. Bestätigt wurde dies von seiner Frau in einem Facebook-Eintrag: "Mit tiefer Trauer muss ich den Tod meines Mannes, Victor Willis, bekannt geben. Victor starb am Dienstag, den 30. Juni 2026, an den Folgen einer kurzen, aber aggressiven Krankheit. Die Familie bittet um Privatsphäre in dieser Zeit des schweren Verlusts."
Auch auf der offiziellen Facebook-Seite der Village People hieß es, man sei "zutiefst traurig" über den Tod des Bandleaders.
Was den Sänger sicher noch eine ganze Zeit lang überleben wird, ist seine Musik - allem voran "Y.M.C.A.". Das Lied wurde schließlich gleich mehrfach zur Hymne, auch wenn Willis bestritt, dass es mit dieser Intention geschrieben wurde. So gilt "Y.M.C.A." nach wie vor als Schwulenhymne, was angesichts der Lyrics auch kaum verwundern kann.
Dass später ausgerechnet Donald Trump das Lied bevorzugt für seine schrägen Tanzeinlagen verwendete und es damit ebenfalls zu einer Art Signature-Song für sich selbst auserkor, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Ein Grund dafür ist freilich, dass Willis - im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern und Künstlerinnen - Trump die Nutzung seiner Musik nicht untersagte. 2024 erklärte der Sänger, die Verwendung von "Y.M.C.A." durch den US-Präsidenten sei "gut fürs Geschäft".