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"Tatort" aus Franken Wem die Stunde schlägt

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Der fünfte Franken-Fall lebt von Kniffen und Wendungen in der Handlung.

(Foto: picture alliance/dpa)

Rachedrama, Giftskandal, Bayreuther Klassik und ein Team, das an seine Grenzen und darüber hinaus gehen muss: "Ein Tag wie jeder andere" ist natürlich genau das nicht, stattdessen ein etwas überkonstruierter Thriller, der jedoch bis zum Finale fesselt.

Schweiß auf der Stirn, die Augen weit aufgerissen, der Mann ist kurz vorm Durchdrehen: Thomas Peters (Thorsten Merten) ist Anwalt und sollte bei seinem aktuellen Fall eigentlich dem Geschehen im Gerichtssaal folgen. Aber Peters hat ganz anderes im Sinn. Minuten später kniet der Richter vor ihm nieder, ein Schuss fällt, der Mann ist tot. Und Peters auf der Flucht, hin zum nächsten Einsatz, denn es bleibt nicht bei diesem einen Toten. Die Zeit läuft.

Soweit die Ausgangslage des neuen Franken-"Tatorts", dessen Handlung so von Kniffen und Wendungen lebt, dass es an dieser Stelle fast unmöglich ist, thematisch in die Tiefe zu gehen, ohne umgehend zu spoilern. Bleiben wir stattdessen vielleicht lieber bei ein paar Äußerlichkeiten:

Da ist zum Beispiel der spektakuläre Drehort Bayreuther Festspielsaal. Anfang der 80er-Jahre standen hier Richard Burton und Vanessa Redgrave für eine Fernsehserie über Richard Wagner vor der Kamera, eine der seltenen Gelegenheiten, den Saal als Filmkulisse zu sehen.

Entsprechend stolz ist Regisseur Sebastian Marka auf diese Erfahrung: "Auf der Festspielbühne musste meist unsere Inszenierung der Walküre gleichzeitig mit der Thrillerhandlung im Zuschauersaal ablaufen. Es liefen quasi zwei Filme parallel ab. So entsteht ein außergewöhnlicher Erzählsog, dem man sich nicht entziehen kann. Eine Herausforderung, logistisch und im kreativen Sinne. Es war kein Drehtag wie jeder andere und ich bin froh und dankbar um diese Erfahrung."

Zwischen Hollywood und Kammerspiel

Dabei ist diese sorgfältig konzipierte Montage lediglich ein Baustein in einem kurzweiligen Vexierspiel, das zur Mitte hin schon aufgeklärt scheint - und dann noch einmal hochtourig in eine ganz andere Richtung davoneilt. Angedeutet wird zuvor schon einiges, in Rückblenden und Parallelhandlungen werden immer neue Spuren ausgelegt. Doch während der Zuschauer versucht, die Puzzleteile zusammenzufügen, bekommt die Story schon wieder einen neuen Drive, einen neuen Aspekt.

Dass der Spannungsbogen dabei gehalten wird, ist zum einen das Verdienst von Autor Erol Yesilkaya, der seine Parallelebenen gekonnt verschachtelt. Zum anderen passt der klassische Score perfekt zum Drama, das sich hier nach und nach entfaltet: "Es war uns wichtig, dass die komplexe Erzählform mit den verschiedenen Zeitebenen nicht nur als Mittel zur Erzeugung von Spannung - als oberflächlicher Effekt - genutzt wird. Sie sollte vor allem dazu beitragen, nach und nach, Schicht für Schicht, die Motive und die Tragik der Figuren zu entblättern und diesen immer näher zu kommen - egal, ob Held, Opfer oder Täter."

Das alles wäre nichts ohne den Cast, der zwischen Überzeichnung nach Hollywood-Art und bodenständigem Kammerspiel changiert: Thorsten Merten als schuldbeladener Mörder, Jürgen Tarrach als mieser Milch-Mogul, Stephan Grossmann als Schmerzensmann. Auch Fabian Hinrichs in der Rolle des Kriminalhauptkommissars Felix Voss und seine Kollegin Dagmar Manzel als Paula Ringelhahn haben langsam ihren Groove gefunden.

Vielleicht ist das alles am Ende thematisch wieder etwas überwürzt, wird mit vergifteten Lebensmitteln, Paragrafen-Rezitat, Sinnkrise und mörderischer Symbiose zu dick aufgetragen, der Spannung aber kann man sich dennoch nur schwer entziehen. Der fünfte Franken-Fall ist der bislang beste seiner Art und eines ganz sicher nicht: ein "Tatort" wie jeder andere.

Quelle: n-tv.de

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