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Nationaler Hype um ein Traumpaar Wie George den Libanon "clooneysiert"

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Alamuddin und Clooney haben in Venedig geheiratet - zusammen mit Freunden und vielen Paparazzi.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der begehrteste Mann Hollywoods heiratet eine Libanesin. Und er will Kinder, die aussehen wie sie. Ihr Heimatland ist entzückt. Doch die Verbindung wirft auch Fragen auf: Wie libanesisch ist die Braut? Und wie steht es dort um die Rolle der Frau?

"Alle reden über das iPhone 6 und die Hochzeit von George Clooney", mokierte sich vor gut einem Monat ein libanesischer Twitterer. Dabei habe das Land doch andere Probleme: Stromausfälle, korrupte Politik, Armut und so weiter. Doch wenn einer der heißesten Männer Hollywoods ausgerechnet eine gebürtige Libanesin heiratet, dann muss ein kleiner nationaler Hype eben auch erlaubt sein.

In allen Facetten ging es durch die libanesischen Gazetten: Wie George und die international bekannte Menschenrechtsanwältin Amal Alamuddin geheiratet haben, vom Kleid über den Ring und ganz wichtig: die Gäste. Wie und wo er den Antrag machte. Wie sie ihn in Lehrbuchmanier mehrmals abblitzen ließ, bevor sie ein erstes Date akzeptierte. Und so weiter.

Besonderes Entzücken rief die Meldung hervor, dass George Clooney sich nun angeblich sehnlichst Kinder wünscht. Laut dem britischen "Daily Star" soll er einem Freund gesagt haben, er könne es kaum erwarten, Mini-Clooneys zu machen, die dann bitteschön die libanesische Schönheit der Mutter und deren markante dunkle Züge tragen sollten. Mehr kann man Libanesen wohl kaum bauchpinseln, zumal Amals Vater Ramzi zuvor verkündet hatte: "Jetzt ist es Zeit für Enkelkinder!"

Die arabische Vorzeige-Frau

Die Verbindung wirft allerdings für die Libanesen noch weit kompliziertere Fragen auf: Ist die 36-jährige Alamuddin jetzt ein Vorbild, weil sie erst Karriere gemacht und sich dann, als Sahnehäubchen auf ein perfektes Leben, diesen 53 Jahre alten graumelierten Clooney geangelt hat? Eine Vorzeige-Araberin in Sachen Selbstbestimmung und nebenbei eine natürliche Schönheit, die keine Beauty-OPs braucht? Und natürlich: Wann ist das richtige Alter zum Heiraten für Männer wie für Frauen?

Vergangene Woche stellte die Zeitung "An-Nahar" die Frage, ob die Hochzeit den Libanon nun "clooneysiere", also einen neuen Trend für die späte Heirat begründen werde. Der für diese tiefschürfende Frage konsultierte Beiruter Soziologe sagte, dass Männer in einem "urbanen Setting" generell später heirateten - also zum Beispiel auch in Beirut. Und tatsächlich fand sich sogleich das Beispiel eines 56-jährigen Politikers, der gerade seine Verlobung bekanntgegeben hat.

Alamuddin legte unterdessen alle ihre Social-Media-Accounts still. Sie äußert sich öffentlich nur noch zu ihrer Arbeit. Damit wirkt sie für viele noch geheimnisvoller, unabhängiger und großartiger. Sie sei das Modell einer Frau, wie sie die arabischen Gesellschaften immer noch nicht selbst hervorbringen könnten, frohlockte und bedauerte zugleich die Journalistin und Bloggerin Octavia Nasr. "Sie ist die Verkörperung des Rechts der Frau, sich auszusuchen, wen und wann sie heiratet. Und zwar ganz egal, welche Religion und welchen Status er hat, welcher Kultur er entstammt und wie alt er ist."

"Sie werden ihn in die Flucht schlagen"

Das große Aber bei der Geschichte: Alamuddin ist ja gar keine "richtige" Libanesin. Ihre Familie kommt von dort, aber sie hat fast ihr gesamtes Erwachsenenleben in England verbracht, hat in Oxford und New York studiert, spricht drei Sprachen. Ihr Lieblingsrestaurant ist angeblich ein Edel-Libanese im Londoner Viertel Knightsbridge.

So ätzt ein Kolumnist des Online-Magazins "Al-Monitor": "Diese Frau ist nur so erfolgreich, weil sie das Land rechtzeitig verlassen hat." Das Paradox sei doch, dass es so viele erfolgreiche Frauen libanesischer Herkunft außerhalb des Libanons gebe, während das politische System dort von Männern beherrscht werde und Frauen keinerlei Zugang ermögliche. Und Octavia Nasr klagt: "Der Libanon kann den zukünftigen Clooney-Alamuddin-Kindern nicht einmal die Staatsangehörigkeit ihrer Mutter geben." Die Staatsangehörigkeit ist per Gesetz immer vom Vater abhängig.

Doch nicht alle Kommentatoren nehmen die Geschichte so ernst. Der Beiruter Blogger Ralph Aoun veröffentlichte schon kurz nach der Verlobung eine Liste von Prophezeiungen zur Clooney-Hochzeit, die alle mit der arabischen Krankheit zusammenhängen, alles über Familien- und sonstige Beziehungen zu bewerten. Eine davon: Es wird Stress geben, denn die beiden haben Connections, die nicht zusammenpassen. George ist mit US-Präsident Barack Obama befreundet und Amal hat als Anwältin Wikileaks-Gründer Julian Assange vertreten, den wiederum Obama jagt. Der Blogger "Angry Arab" ist sich nach der Hochzeit sicher: "Die Verwandten von Amal werden George in kürzester Zeit mit ihrem Generve und ihren Widerwärtigkeiten in die Flucht treiben." Wird Clooney also am Ende doch eher "libanesisiert" als umgekehrt? Die Gazetten werden es uns erzählen.

Quelle: n-tv.de

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