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Gnadenloser deutscher Thriller "Parceval" jagt die Geister der Vergangenheit

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Parcevals Jagd lässt auch die Geister seiner afghanischen Vergangenheit wiederauferstehen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Parceval ist unkonventionell. Passt nicht gibt's bei ihm nicht. Wenn Nachbarn zu laut sind, brechen auch mal Knochen. In Deutschland sitzt der Ex-Bundespolizist mit Afghanistan-Erfahrung im Knast - bis die Polizei seine Hilfe braucht. Danach bleibt in Berlin kein Stein auf dem anderen.

Political correct? Das war Ralf Parceval vielleicht einmal. Heute geht der Ex-Bundespolizist genau so weit, wie er gehen muss, um sein Ziel zu erreichen. Und das heißt eben jetzt: aus seinem Gegenüber herauszubekommen, wo dieser ein Mädchen versteckt hält. Die Zeit für deren Rettung läuft ab - und so macht Parceval dem Entführer schnell und unmissverständlich klar, was passiert, wenn er ihm nicht hilft: Die Familie des Mädchens kommt aus einem anderen Kulturkreis, einem, wo man noch nach dem Motto Auge um Auge, Zahn um Zahn vorgeht und der Entführer deshalb nicht nur um sein bestes Stück, sondern sich auch vor höllischen Folterqualen fürchten muss. Parcevals wenige, aber dafür umso eindringlichere Worte finden Gehör.

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Chris Landow s"Parceval" ist bei Blanvalet als Taschenbuch erschienen.

(Foto: Blanvalet)

Wenig später befinden sich der Entführer, Parceval und drei Polizisten in einem Berliner Park. Doch die Suche geht gleich mehrfach nach hinten los: Der Mann hat sie nicht nur alle verarscht, er versucht auch noch zu fliehen, was Parceval verhindern kann. Dennoch soll er in den Knast zurück, denn da saß er, bevor er "zu Hilfe gerufen" wurde. Nur hat Parceval auf gesiebte Luft alles andere als Lust, denn er muss mit seiner eigenen Vergangenheit ins Reine kommen - und die hat irrwitzigerweise Berührungspunkte mit dem Entführungsfall.

Eine Kino-Verfilmung muss kommen!

Was ein deutscher Bestsellerautor, der sich hinter dem Pseudonym Chris Landow verbirgt, mit "Parceval - Die Jagd beginnt" in Buchform geschaffen hat, ist ein absolut zeitgemäßer Hochgeschwindigkeits-Actionthriller. Wo im Fernsehen bei Mordopfern ein Schatten auf das Bild des Opfers fällt, um die Zuschauer nicht zu verstören, schaltet Landow noch den Scheinwerfer ein, um die blutigen, schaurigen Stellen besser auszuleuchten.

Wer filmische Pendants zur Figur des wortkargen, nahkampferprobten und nicht gerade zu Gefühlsausbrüchen neigenden Parceval sucht, wird in Hollywood bei Typen wie Jack Reacher oder John Wick fündig. Und auch bei Landows deutscher Version des unkonventionellen, aber dennoch sympathischen Helden darf man gespannt sein, wie eine Verfilmung (hoffentlich fürs Kino) ausfallen wird. Ob es einen Film geben wird, ist nicht die Frage, eher noch, wann und wer als Regisseur die Fäden zieht. Fatih Akin wäre prädestiniert dafür.

Pageturner geht in Serie

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EUR 9,99
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Ein weiterer Pluspunkt des 400-Seiten-Taschenbuches: Es ist der Auftakt einer Reihe und als solches muss man als Leser sofort angefixt sein. Die Figuren müssen stimmen, der Ort, die Twists und dennoch darf nicht zu viel verraten werden. Es muss noch Luft nach oben bleiben, ohne zu enttäuschen. Auch das gelingt "Parceval" spielend und macht Lust auf das nächste Buch, das, wie bei Thriller-Reihen üblich, wohl in rund einem Jahr erscheinen dürfte.

Die Jagd hat also begonnen, in Berlin. Sie führte über Rückblenden nach Afghanistan und in die Abgründe eines Krieges, den kein Mensch braucht. Parceval weiß das und er zieht daraus seine Schlüsse. Political incorrect, versteht sich.

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Quelle: n-tv.de

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