Showdown im Camp DonkerbloemIn "Die Schlucht" schlägt die Rache zurück
Von Thomas Badtke
Eine junge Frau wird entführt. "Die Jäger" sind wieder auf der Pirsch. Aber die Frau entkommt und nun sehen Katinka und der zwielichtige Kölner Bar-Besitzer Wout endlich ihre Zeit gekommen: "Die Jäger" werden zu Gejagten - und Linus Geschkes "Camp-Donkerbloem"-Trilogie endet. Oder?
Die Ardennen gibt es nicht ohne den Tod: die Toten der gallischen Kriege, die Opfer der Wikinger, des 30-jährigen Krieges und der Ardennenschlacht im Zweiten Weltkrieg. Aber auch Serienmörder wüteten hier und betrunkene Ehemänner erschlugen dort ihre Frauen, auch Kinder ihre Eltern. Die ganze Region ist seither mit Blut getränkt. Und Linus Geschke erhöht den Blutzoll dieser Region mit "Die Schlucht", dem fulminanten Abschluss seiner "Camp-Donkerbloem"-Trilogie, weiter. Ein Besuch in den Ardennen samt Übernachtung(en) auf einem Campingplatz erscheinen da nicht wirklich lebensbejahend.
Das haben in den beiden Vorgängerwerken "Der Trailer" und "Das Camp" auch diverse Figuren aus Geschkes Geschichte feststellen müssen. Etwa die Hamburger Ermittlerin Frieda Stahnke, die immerhin mit dem Leben davongekommen ist. Tayfun gelang das nicht. Der Freund Friedas und "Best Buddy" des Kölner Bar-Besitzers Wout Mertens wurde auf dem Gelände des Campingplatzes erschossen. Den Mörder, der eigentlich sie umbringen sollte, sucht Frieda nun mit allen ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.
Und auch Wout ist nicht untätig. Er will seiner Untermieterin Katinka dabei helfen, mit dem spurlosen Verschwinden ihrer Schwester vor 13 Jahren endlich abzuschließen. Beide gehen von einem Mord aus, beide haben eine Gruppe von Männern im Visier: "die Jäger". Katinkas Schwester ist nicht das einzige Opfer der Männerclique, die während ihrer blutigen Jagdspiele aber nie polizeilich verwertbare Spuren hinterlassen hat.
Doch dann entkommt eine junge Frau aus den Fängen der Jäger. Purer Zufall - oder doch Schicksal? Katinka trifft die Frau, sie schmieden einen Plan, in dem Wout eine Schlüsselrolle zukommt: Der kleinkriminelle Belgier mit dem großen Herz wird Teil der Jäger. In einer Dortmunder Taverne trifft er zumindest drei der Vierer-Bande. "Ein Kokser, ein Schwachkopf und ein Langweiler", denkt Wout sich. Ihre Spitznamen: Sulu, Scotty und Spock. Nur "Kirk" fehlt, der Chef, der "Schillernde".
Von Jägern und Gejagten
Der Plan steht: Die Jäger sollen ins Camp Donkerbloem gelockt werden. Der Rest ist dann ein Teil der blutigen Geschichte der Ardennen. Aber die Jäger entdecken die Verbindung Katinkas und Wouts - und vor allem erinnern sie sich an Katinkas Schwester. Die Jäger drehen den Spieß um: Sie entführen die junge Frau und locken Wout, unter dem Vorwand endlich "Kirk" zu treffen, ins Camp Donkerbloem, mittlerweile verlassen, heruntergekommen. Ein Ort, den die Einheimischen meiden wie der Teufel das Weihwasser. Die an den Campingplatz angrenzende Schlucht inklusive. Absolut düster, kein Mond, keine Sterne sind vom Boden der Schlucht zu sehen.
Aber Gescke wäre kein Thriller-Bestsellerautor, wenn er nicht den ein oder anderen Twist in die Story eingebaut hätte. Dadurch wird das Werk, erschienen bei Piper und Hörbuch Hamburg, zu einer rasanten Thriller-Offenbarung, in der diesmal Wout Mertens im Mittelpunkt steht. Er, seine Bar, die er an Wochenenden wegen des dann auftauchenden jungen Party-Publikums meidet, und seine Vergangenheit als Stalker, Jungbandenchef und Kleinkrimineller mit Verbindungen ins Drogenmilieu. Wout, bärbeißig, 80er-Jahre-Rock-Liebhaber, dessen Lieblingsstück aber "Vienna" von Ultravox ist. Ein Typ, den man liebt, wenn er im eigenen Team spielt und den man verachtet, wenn er für die Gegner aufläuft. Ein Schläger mit Ecken und Kanten, immer direkt ("Im Knast sind es immer die Stillen, die dich unter der Dusche abstechen") - und einem Herz am richtigen Fleck.
Trilogie-Ende, aber …
Wer "Der Trailer" und "Das Camp" bereits kennt, weiß, dass Geschke nicht davor zurückschreckt, seine sympathischen Hauptprotagonisten über die Klinge springen zu lassen. Ob das nun auch Wout widerfährt? Das Ende der mitreißenden Trilogie wird es zeigen. Aber ist "Die Schlucht" überhaupt der Abschluss der "Camp-Donkerbloem"-Serie? Der Stoff "drumherum" bietet noch so vieles, was für Gänsehaut und Thrill sorgen könnte. Was es wert wäre, erzählt zu werden. Herr Geschke, die Ardennen warten. Trauen Sie sich!
